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Der Morgen · 1931-06-01 · Heft 2 (Juni 1931) · p. 203

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Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 2 (Juni 1931)
Article
[Nachricht] / M.
Date
1931-06-01
Page
203 (sequence 2)
Language
German
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Anzeigen Güntherschen Thesen, — Rechabiten (Alt), Rehabeam (Gunkel), Rein und Unrein (Hehn), Rabbinische Responsen (Elbogen), Reuchlin (O. Clemen), Richterbuch (Bertholet), Gabriel Riesser (Baeck), Ritualmord (Fiebig), Ruthbuch (Gunkel), Sabbatai Zewi (Dreyer), Sabbath (Guttmann), Sabbatharier (Zscharnack)-, Sacharja (Haller), Sadduzäer (Volz) — hier wird man den Ausführungen nicht beistimmen können, daß die S. nur als religiöse Partei zu werten sind und nicht auch als politisches Gebilde — Sagen und Legenden in Israel (Gunkel) — man hätte bei diesem Thema mehr über die Eigenart des Midrasch und der Haggadah erwarten dürfen —, Salomo (Alt), Salomo-Psalmen (Begrich), Samaria (Hempel), Samuel (Gunkel), Sanhedrin (Fiebig), Saul (Alt), Salomo Schechter (Elbogen), Scheschbazar (Haller), Schilo (Gunkel), Dorothea Schlegel (Günther Müller). M. Die hebräische Publizistik in Wien. In drei Teilen, i. Teil von B. Wachstein, II. Teil von J. Taglicht, III. Teil von Alex Kristianpoller. Wien, Selbstverlag der Historischen Kommission. iq3o. 8°. C u. 296, Xu. 4i, Xu. io5 u. Generalregister. „Die vorliegende Publikation hat den Zweck, eine historische und bibliographische Zusammenfassung des in Wien — im Zeitraum von 1821—1889 — in hebräischer Sprache entstandenen periodischen Schrifttums zu bieten." Die Herausgeber wollen dem Geiste dieser Zeit, der von Mendelssohn ausgegangenen Haskala, ein literarisches Denkmal setzen. Ein früherer Mitarbeiter des Meassef hatte 1821 seinen unternehmungslustigen Druckherrn veranlaßt, es mit einem hebräischen Almanach zu versuchen, um so „Die Weisheit der Volker" in die „Zelte Sems" einzuführen. „Bikkure haitti m" (Erstlinge der Zeiten) nannten sich die ersten Jahrgänge (1821—i83i); ein „lieblicher Weingarten" (Kerem chemed 1833—1856) folgte, als sollten die Titel schon biedermeierisch-blumig Stolz und Freude ihrer Verleger künden. Bald eilten viele, vor allem die begeisterten Adepten der Idee aus den galizischen Städtchen dieser Tribüne zu- Aus jeder ihrer Zeilen spricht die unstillbare Sehnsucht nacli der ghettofernen Außenwelt, ob diese nun Natur heißt, Poesie oder Politik. Zu den Kleinen gesellen sich bald auch die Großen: S. D. Luzzatto, Krochmal, Rapaport. — Doch die naive Freude des Bestaunens, wie sie in der ersten Generation vorherrscht, geht vorüber. Der sich fast selbst entäußernde Jude besinnt sich auf sich selbst. Er beginnt, den Spuren und Äußerungen seines eigenen Seins nachzugehen und findet dieselben in „der lebendigen Kontinuität seiner Geschichte". Dementsprechend sahen wir in den 5oer Jahren eine Spaltung der hebräischen Publizistik nach Stoff und Methode. Einerseits lassen sich die Künder und Kämpfer der in Deutschland begründeten „Wissenschaft des Judentums" auch in Wien vernehmen und im Vorwort des „Ozar nechmad" (i856 bis :863), blickt Abr. Geiger mit Genugtuung auf den „reichen Sommer" der letzten 25 Jahre zurück. Fast gleichzeitig unternimmt es ein Talmudist von altem Schlage, J. H. Weiß, den Talmud und Midrasch einer modernen Behandlung zu unterziehen und begründet zu dessen historischen Erforschung die Zeitschrift: Beth hamidrasch i865, die nach längerer Pause als Beth Talmud (1881—1889) manche Jahre weiterlebt. Aber nicht nach jedermanns Geschmack war diese ruhige Reife, diese kühle Gelehrtenluft. Noch lebten in aller Herren Ländern Talente und Schöngeister, die gewöhnlich hochdeutsch schrieben, ihre Feder jedoch auch im Hebräischen üben wollten. Ein gewandter, aufgeweckter Journalist, M. E. Stern, der bekannte Übersetzer des Machsors, verstand es, sie um sich zu scharen und so sich selbst, dem „Herrn der Kochbe Jizchok" (Sterne Isaks, i845—1873), sowie seinem „heiligen Institute" Namen und Abnehmer zu verschaffen. Der Ton, der in diesen Heften herrscht, ist der höflich hofierende, leichte, oft seichte der Assimilationsperiode. Trotzdem (oder deshalb?) konnte sich das Sternsche Jahrbuch über Revolution und Ausgleich erhalten und bis 1873 37 Bände herausbringen- Erst in seinen letzten fünf Jahren war ihm eine Reaktion erwachsen. Die erste, große) Invasion aus Rußland hatte einen jungen Romanschriftsteller, S. Smolensky, nach. Wien geführt, der von hier aus seinen Landsleuten Kunde von der großen Welt geben wollte. Seine Ideen entwickelte er im Ha-schachar (1S68— iSS4), im „Morgenrot des Orients" sucht er Erfüllung. Mit dem kurzlebigen Haemeth (1877) (Wahrheit) kommt in diese Publizistik ein sozialistischer Einschlag. 203

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