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Der Morgen · 1931-04-01 · Heft 1 (April 1931) · p. 10

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Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 1 (April 1931)
Article
Volksreligion und Weltreligion
Date
1931-04-01
Page
10 (sequence 8)
Language
German
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Leo Baeck giösen Gemeinschaft, in diesem lebendigen Ineinander einer Gewißheit sowohl von der Würde der Weltreligion wie von dem Werte des Trägers der Religion. Es ist nicht zu verkennen, daß die Religionen heute mehr die Kraft des Universellen begreifen. Ungeachtet aller Rückbildungen zur Rassereligion, die das Religiöse in das Physische einordnet, und zur politischen Religion, die es in ein vorhandenes oder verlangtes Machtgebilde eingliedert, ist das Verständnis für das Menschheitliche in den Religionen lebendiger geworden. Als im vergangenen Jahrhundert wieder die Bedenken gegen die Verbindung von Staatlichem und Kirchlichem sich zu regen begannen, sprach darin vornehmlich die Sorge um den Staat, um den Schaden, den er litte, wenn er kirchliche Wünsche und Pläne zu den seinen machen wollte oder machen müßte. Es ist interessant, heute wieder Macaulays Essay über „Kirche und Staat" zu lesen, den er 1839 im Anschluß an das Buch des jungen Gladstone „The State in its relations with the church" geschrieben hat; die Fragen, die hier laut werden, sind an den Staat gerichtet Heute ist es anders, heute wenden sie sich an die Kirche. Um der Aufgabe und um des Schicksals der Religion willen, die ihres Bleibenden und Ewigen wegen sich von dem Wandel und den Schwankungen des Staates frei erhalten solle, wird vor der Verwobenheit mit dem Staatlichen gewarnt, wird das Überstaatliche oder wenigstens das Außerstaatliche verlangt Damit tritt zugleich wieder die Bedeutung hervor, die darin gegeben sein kann, daß der Bürger des Staates und der Angehörige einer wirtschaftlichen Gruppe in eine universelle religiöse Gemeinschaft hineingestellt sind. Das Unvergleichliche erschließt sich, das neben dem gesellschaftlichen Zusammenschluß, welchen der Staat gewährt, und dem, welchen die Wirtschaft bewirkt, die Gemeinde einer Weltreligion zu eigen gibt Um ein gutes Wort von Albert Görland, einem Schüler und Fortsetzer der Philosophie Hermann Cohens, aus seiner „Ethik als Kritik der Weltgeschichte", die im ersten Kriegsjahre erschien, anzuführen: „... weder Ökonomie noch Staat ist Gemeinde, noch werden sie Gemeinde zu irgendeiner Zeit werden- Sie hat über ihnen und ewig vor ihnen voraus ein freies Reich. ... Alles Leben der Gemeinde setzt voraus, daß die Unterschiede der Menschen, die von der Ökonomie und dem Staate hervorgebracht sind, nur Oberfläche und Wesenlosigkeit bedeuten. Fürst und Bettler sind in der Gemeinde Mensch, nichts als Mensch, sind Mensch in der Unendlichkeit der Würde." Wir bedürfen dieser Gemeinde, auch schon, damit das immer unruhige religiöse Gewissen den Staat aus seinem so leicht beruhigten guten Gewissen erwecke, damit immer wieder das Gebot 10

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