Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 6 (1930-1931)
- Issue
- Heft 3 (August 1930)
- Article
- Jakob Loewenberg zum Gedächtnis
- Date
- 1930-08-01
- Page
- 290 (sequence 1)
- Language
- German
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Jakob Loewenberg zum Gedächtnis Von Bruno Italiener In der Nacht. Ich wandre durch die tiefe Nacht, Und Sein und Schein verschwimmen. Ein neues Leben ist erwacht Und spricht mit tausend Stimmen. Der mich umhüllte, der Nebelflor, Ist tief hinabgesunken. Als lichte Flamme wächst empor, Was schwach geglüht als Funken. Sa zieh ich froh am Wanderstab In unbekannte Ferne. Ich weiß es: Unter mir mein Grab', Und über mir die Sterne. So hat Jakob Loewienberg gedichtet. Wie ein Ruf aus der Ewigkeit muten diese Worte an, wie ein Gruß aus jener Welt, in der Sein und Schein verschwimmen. Der Tod ist nicht das Letzte — das ist der Sinn dieses Gedichtes, das mit dem Ahnen jener unbekannten Ferne, mit dem Aufblick zu den Sternen endet. „Ich wandre durch die tiefe Nacht." Jakob Loewenberg war immer auf der Wanderschaft — vom Dunkel zur Helle — er ist es auch jetzt, da seine Seele durch die Nacht des Todes hindurchschreitend zu neuem Leben erwachte. In dem geheimnisvollen Lichte einer anderen Welt ist der Funke zur Flamme geworden. Sie leuchtet uns, die wir gleich dem Dichter auf der Wanderschaft begriffen sind. Jakob Loewenberg ist ein Künstler gewesen. Wenn Goethe in seinen „Leiden des jungen Werther" sagt, daß der Reichtum der Natur den Künstler bilde, so hat Jakob Loewenberg diese Wahrheit immer wieder beglückend &n sich empfunden. Die stärksten Impulse für sein Schaffen als Dichter und Erzieher hat er von der Natur empfangen. Es war ein ergreifender Augenblick, als Jakob Loewenberg zur Ruhe gebettet ward, und seine beiden Söhne 290