Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 6 (1930-1931)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1930)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-06-01
- Page
- 216 (sequence 2)
- Language
- German
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Anzeigen gefühl, eingehende Studien und Lebenserfahrung zu einem überzeugten Fürsprecher der Judenheit gemacht haben. Coudenhove war überzeugter Katholik, und sein Werk ist auch heute noch geeignet, auf katholisch gläubige Kreise Eindruck zu machen. Es zeichnet sich durch eine einfache, eindringliche Sprache aus und bietet eine lesbare Zusammenstellung aus der weitläufigen Fachliteratur. Coudenhove zeigt zunächst auf, daß die Juden ein Misch volk darstellen. Darauf gibt er eine Geschichte des Antisemitismus in den allgemeinsten Zügen. Coudenhove widerlegt die einzelnen Anklagen gegen die Juden, unter anderem bespricht er die Frage des jüdischen Wuchers, der Judenpresse, der „jüdischen Sinnlichkeit", der Feigheit usw. und leugnet, daß es angeborene Fehler der Juden gebe. Für Coudenhove ist der Antisemitismus, wie sein Sohn nochmals in der Einleitung feststellt, ein erworbener Instänkt, erworben durch die im Mittelalter ständig aus religiösen Gründen gegen die Juden erhobenen Vorwürfe („die Juden haben Jesus gekreuzigt"). Alle antisemitischen Rassentheorien sind nur nachträgliche Versuche, diesen Instinkt zu rechtfertigen. Bezeichnend für die Entwicklung der letzten dreißig Jahre ist: Coudenhove der Vater hält am Ende seines Buches eine begeisterte Lobrede auf den Zionismus. „Im Zionismus liegt das Heilmittel, die Befreiung, die Rettung für die Juden; ihn durchzusetzen mit allen Mitteln sollte das gemeinschaftliche Ziel aller Juden und christlichen Philanthropen sein." Coudenhove der Sohn schreibt dagegen im Vorwort im Jahre 1929: „Der Zionismus ist nicht nur für die Zionisten, sondern auch für die Nichtzionisten zu einem zweischneidigen Schwert geworden. Ohne es zu wollen, arbeitet er dem Antisemitismus in die Hände". In diesem Vorwort wird auch der zweifelhafte Ruhm Deutschlands festgestellt, das Weltzentrum des heutigen Antisemitismus zu sein. Die Juden seien heute keine Kulturgemeinschaft und keine Nation, sondern eine Art Kaste, dem europäischen Hochadel vergleichbar, mit einer Weltbedeutung, die in den Dienst übernationaler Verständigung gestellt werden sollte. Ernst Jacob. Der Große Brockhaus. Handbuch des Wissens in zwanzig Bänden. Fünfzehnte völlig neubearbeitete Auflage von Brockhaus' Konversationslexikon. Vierter Band: Chi—Dob. 824S. Lex.—8°. Leipzig. F.A-Brockhaus 1929. Der vorliegende Band zeigt alle Vorzüge der bisher erschienenen, enthält aber zufällig eine ganze Anzahl besonders wichtiger und interessanter Artikel, so Chile, China, Christentum, Dänemark, vor allem den sich um des Stichwort „Deutsch" gruppierenden Wissenskomplex, der mehr als ein Fünftel des ganzen Bandes umfaßt und erschöpfend und bis auf die jüngste Zeit fortgeführt in Wort und Bild über alle Seiten des Gegenstandes Auskunft gibt. Für technisch interessierte Benutzer sind wieder auf 26 Seiten alle mit „Dampf" zusammengesetzten Wörter behandelt und durch zahlreiche Abbildungen erläutert. Die schon für den vorigen Band gemachte Feststellung, daß sich das Judentum betreffende Artikel nur vereinzelt finden, trifft für diesen Band noch in erhöhtem Maße zu. Vielleicht liegt darin ein ungewolltes statistisches Zeugnis für die Tatsache, daß das Judentum in der Wirklichkeit nicht entfernt die Rolle spielt, die ihm im politischen Tagesstreit so oft zugeschrieben wird. F. P e r 1 e s. Begründet von Julius Goldstein. Schriftleitung: Margarete Goldstein, Dannstadt, Beckstraße Nr. 87. Verlag: Philo verlag Berlin S W. 68, Lindenstr. 13ül. / Druck: Roetherdruck G. m. b. Darmstadt,Blelchstr.24.