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Der Morgen · 1930-06-01 · Heft 2 (Juni 1930) · p. 112

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Journal
Der Morgen
Volume
6 (1930-1931)
Issue
Heft 2 (Juni 1930)
Article
Die geschichtlichen Wurzeln des neuzeitlichen Humanitätsgedankens
Date
1930-06-01
Page
112 (sequence 1)
Language
German
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Die geschichtlichen Wurzeln des neuzeitlichen Humanitätsgedankens Von I. Heinemann Der folgende Aufsatz steht in wechselseitiger Ergänzung zu meinen Arbeiten: Das Lebensrecht des Kindes, Jahrgang II des „Morgen", S. 665 ff.; Universalismus und Toleranz im Judentum, III, S. 64off.; Die Idee des Völkerfriedens im Altertum, V, S. 3 ff. Insbesondere auf den letztgenannten sei bezüglich zahlreicher Literaturangaben verwiesen. Genaue Quellennachweise für den ersten Teil der folgenden Darstellung gebe ich in meinem demnächst erscheinenden Aufsatz „Humanitas" in Pauly-Krolls Realenzyklopädie der Altertumswissenschaft, Suppl. V. Für die jüdische Humanitätsidee fehlt es an ausreichenden Vorarbeiten; auf Baudissins Berliner Rektoratsrede „Nationalismus und Universalismus" (igi3) und ältere Arbeiten (von Kuenen und Cornill), die nur die Bibel berücksichtigen, kann nur mit Vorbehalt verwiesen werden. Das Problem der Humanität ist uns namentlich durch die Gedenkfeiern nahe gerückt worden, die wir vor kurzer Zeit dem Freundespaare Lessing und Mendelssohn widmen konnten. Denn die Humanitätsidee war nicht nur der Boden, auf dem sich beide zusammenfanden; sie war zugleich der geistige Wurzelgrund, aus dem, wenn auch in verschiedenem Sinne, das Leben und die Leistung beider Männer erblühte. An der Festigkeit dieses Wurzelgrundes zweifelte in dem damaligen Deutschland wohl niemand; einerseits aus der Betrachtung der Natur, deren ordnende, zielstrebige Kräfte immer deutlicher wurden, andererseits aus der Anschauung griechischer Kunst mit ihrer „edlen Einfalt und stillen Größe" ergab sich ein Ideal besonnener, beherrschter, vernunftgemäßer Lebensführung, dessen Vertreter sich in unsichtbarer Loge zusammenfanden über alle ständischen und staatlichen Bindungen hinweg. Mochten Männer wie Lessing oder Herder, Christian Wolf oder Kant dies Ideal 112

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