Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 6 (1930-1931)
- Issue
- Heft 1 (April 1930)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-04-01
- Page
- 101 (sequence 2)
- Language
- German
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Anzeigen Klangbild des griechischen widerspiegelt. Das ist in Schaeffers Ilias zu einem starken Grade der Fall. In kühnem, nicht künstlich beschränktem und gebändigtem Flusse rollen diese Verse, die eine starke sprachschöpferische Kraft gebildet hat. In der betonten Treue gegenüber Wortfolge und Wortbedeutung, vor allem im Zurückgehen auf den reinen Wortsinn, zeigt sich auch bei Schaeffer der Geist heutigen Übersetzertums, obwohl er darin, wie mir scheint, weder so kühn noch so glücklich vorgeht wie etwa, Rosenzweig. Auch gibt es da vielfach besondere Schwierigkeiten und Möglichkeiten zu irren, weil für einen großen Teil des homerischen Wortschatzes die Etymologie nicht bekannt ist. Es ließen sich für gute und weniger gute Verdeutschungen einzelner Worte Beispiele anführen. Aber hier mag der Generaleindruck genügen, daß man nach (natürlich nur in Stichproben erfolgtem) Vergleich mit dem Original zwiespältig bleibt. Was aber das Deutsch dieser Übersetzung angeht, so möchte ich der lebhaften Begeisterung von Franz Rosenzweig, wohl dem kompetentesten Beurteiler, der sich denken läßt, nicht mit Einzeleinwänden begegnen, am allerwenigsten jetzt, da er selbst mir nicht mehr mit sjeinem energischen Kopfschütteln oder dem erstaunten Blick der ewig jungen Augen widersprechen kann . . . Schaeffers Ilias Verdeutschung ist eine starke Leistung dichterischen Nacherlebens, — der deutsche Homer, der berufen ist, den alten Voß endgültig zu verdrängen, ist aus mehr als einem Grunde auch sie nicht. Des Grafen Stollberg klassisch-bescheidenes Wort, das Franz Rosenzweig für seinen Halevy übernahm, gilt noch immer und unvermindert: .,0 lieber Leser, lerne Griechisch und wirf meine Übersetzung ins Feuer!" Victor Ehrenberg. The American Jewish Year Book 5690. Volume 3i. Edited by Harry Schneiderman for the American Jewish Committee. 5o2 p. Philadelphia. The Jewish Publication Society of America. 1929. Das „Amerikanisch-Jüdische Jahrbuch", dessen 28. Band seinerzeit an dieser Stelle (II, 624) angezeigt wurde, ist wohl der beredteste Zeuge für die heutige Bedeutung des amerikanischen Judentums. Wir entnehmen ihm, daß die Vereinigten Staaten mit iliren jetzt 4 228 029 jüdischen Einwohnern (gegen 229087 im Jahre 1877) nicht nur zahlenmäßig mehr Juden haben als irgend ein Land der Welt, sondern daß auch ihre jüdischen Institutionen und Organisationen die erste Stelle einnehmen. Es liegt etwas fast Symbolisches darin, daß dieser Band mit dem Bilde von Louis Marshall geziert ist., der schon bei Lebzeiten und noch mehr nach seinem Tode (11. September 1929) von den Juden der Neuen und Alten Welt mit seltener Einmütigkeit als Führer anerkannt wurde. Den wichtigsten Teil des Jahrbuchs bildet eine umfangreiche Arbeit von Dr. H. S. Linfield, dem Direktor des Statistischen Amts des American Jewish Committee über „The Ck>mmunal Organization of the Jews of the United States". Er bietet darin (nach dem Stande von 1927) eine durch zahlreiche Tabellen illustrierte Übersicht, nicht nur über die Organisation der jüdischen Religionsgemeinden im Lande, sondern ebenso auch über die verschiedenen Einrichtungen für Erziehung und Bildung im weitesten Sinne, für Wohltätigkeit und Wohlfahrtspflege, für Gesundheitspfleger und Fürsorgetätigkeit, für Hilfstätigkeit außerhalb der Vereinigten Staaten, für Palästinaarbeit und endlich für Schutz der bürgerlichen und religiösen Rechte der Juden in anderen Ländern. Aus den teilweise sehr wichtigen und interessanten ,Appendices" sei hier nur die eine Tatsache herausgegriffen, daß New York mit seinen 1766 000 Juden nicht weniger als io44 verschiedene religiöse Gemeinden zählt. Doch dies Jahrbuch beschäftigt sich durchaus nicht bloß mit dem amerikanischem Judentum. Es bietet zunächst auf 60 Seiten einen vom Herausgeber verfaßten Rückblick auf das Jahr 568g, in welchem unparteiisch über die Ereignisse jüdischen Jnteresses in allen Ländern berichtet wird und im Anhang nach Ländern geordnet, Jubiläen, Emennungen, Auszeichnungen, Wahlen, größer© Vermächtnisse, Spenden und endlich Todesfälle registriert werden. Von besonderer Wichtigkeit ist eine Statistik der Juden in der ganzen Welt (von L i n f i e 1 d), die die neuesten und zuverlässigsten ZahlenangaDen enthält. Von allgemein jüdischem Interesse ist auch der Jahresbericht des American Jewish Committee. 10t