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Der Morgen · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. 91

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Journal
Der Morgen
Volume
6 (1930-1931)
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Was ist heute Philosophie?
Date
1930-04-01
Page
91 (sequence 4)
Language
German
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Was ist heute Philosophie? Sophie, die als System auftritt, ist ihrem Inhalt nach eine andere Philosophie als die systemlose, und ebenso ist auch der Absolutheitsanspruch nicht bloß eine merkwürdige Täuschung, sondern ein Grundelement der mit diesem Anspruch auftretenden Philosophie. Die „sachliche Relevanz", die die Vielheit der Systeme hat, beschränkt sich nicht bloß auf die formalen Strukturelemente, sondern sie liegt auch zugleich im Inhalt. Damit hängt es auch zusammen, daß in dem Kapitel über die Erweichung des Problems der Anarchie der Systeme die Abdichtung gegenüber außerphilosophischen Betrachtungsweisen, die die Philosophie als „Produkt des »Menschen« als eines historischen, sozialen oder biologischen Individuums", kurz unter dem Gesichtspunkt einer darin zum Ausdruck kommenden Willens richtung, betrachten, zu hermetisch ist. Kröner hat vollkommen recht, daß diese relativierenden Betrachtungsweisen nicht „als die für Philosophie einzig zuständigen" gelten dürfen, daß „die Metabasis aus der Sphäre reinsachlicher Betrachtung der philosophischen Inhalte zu den »Persönlichkeiten«, »Charakteren« usw. — als prinzipielle zu einem völligen Nihilismus, zur Auflösung aller Philosophie führen muß", und es ist ein Verdienst seines Buches, das so klar und energisch zu sagen. Allein: was sind denn die „philosophischen Inhalte"? Es heißt am Schluß dieses Kapitels, daß auch für die Willensrichtungen die möglichen Dimensionen, nach denen sie auftreten, sachlich herausstellbar sein müssen, daß sie nicht bloß im Willen selbst, der ja an und für sich leer sei, liegen und daher auch nicht in einem eminenten Sinne bloße W i 11 e n s richtungen sein können; damit ist aber auch schon gesagt, daß diese Willensrichtungen selber in den Inhalt der Systeme eingehen und daß es eine ebenso große Vergewaltigung der Systeme ist, sie ganz aus der Betrachtung auszuschalten, wie sie in den Vordergrund zu stellen. Es gibt kein System ohne Inhalt, und gerade der Inhalt ist nicht rational und unvergänglich, sondern er ist Willenselement und damit geschichtlich. Wenn Kröner auch, wie zahlreiche Bemerkungen seines Buches zeigen, darüber sehr wohl Bescheid weiß, so hat er doch dieses Wissen in der Methode seiner Systematologie zurückgestellt, so daß es in seinem Endergebnis ausfällt. Kröner legt in seinem Zweifrontenkampf das größere Gewicht auf die Abwehr der geschichtlichen Relativierung, der Erweichung des Anarchieproblems und damit der Philosophie selber. Während ihm „die Hauptsache ist, daß auf diesem Wege der Verzweiflung an aller Philosophie und ihrer Mißachtung das Hauptargument aus den Händen geschlagen ist und gezeigt werden konnte, daß in philosophischen Fragen allein Philosophie selbst und nicht irgendeine andere Instanz der zuständige Richter ist", möchte ich das Hauptverdienst seines Buches gerade umgekehrt darin sehen, daß er die Unmöglichkeit eines „einzigen", absoluten Systems nachgewiesen hat, ohne dazu die relativistische Begründung in Anspruch zu nehmen. Während es für ihn von entscheidender Wichtigkeit ist, daß seine systematologische Untersuchung eine standpunktfreie, neutrale ist, da er ja sonst in Anspruch nehmen müßte, die Anarchie der Systeme durch ein neues System zu überwinden, möchte ich gerade darin den Irr- 9t

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