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Der Morgen · 1929-12-01 · Heft 5 (Dezember 1929) · p. 534

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 5 (Dezember 1929)
Article
[Rezension]
Date
1929-12-01
Page
534 (sequence 2)
Language
German
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Anzeigen außerordentlich gediegene und aufschlußreiche Arbeit über ein solches Problem dar: das Problem der Teleologie. Brunner ist Theologe und sieht das Problem, das ein Vordergrundsproblem jeder theistischen Religion sein muß, nicht allein unter dem historischen., sondern ein wenig wohl auch unter dem apologetischen Aspekt. Was übrigens der Objektivität seiner Untersuchung in keiner Weise Eintrag tut. Brunner arbeitet die reine Teleologie im System des Thomas von Aquin heraus und stellt daneben die Spannung, die in der Philosophie des Maimonides zwischen der Teleologie des Schöpfungsgedankens und der Kausalität des Naturgeschehens besteht. In eingehender Untersuchung, die den Hauptteil der Schrift ausmacht, stellt er die Zweckfeindlichkeit des Spinozanischen Systems dar, indem er überall die Antiteleologie Spinozas auf ihre erkenntnistheoretische oder metaphysische Motivation zurückführt. Vor ollem die Untersuchungen, die der Kausalität der Substanz gewidmet sind und die die Unmöglichkeit des Zweckbegriffs in den metaphysischen Voraussetzungen des Systems, dem Ursprung der Dinge in Gott, der Entpersönlichimg der Gottesidee, der Immanenz Gottes und der Irrationalität der Einzeldinge aufweisen, scheinen mir ergebnisreich zu sein. Dabei erhebt freilich Brunner den Vorwurf, daß Spinoza den Weg von seiner immanenten Teleologie, deren Vorhandensein er mit Starcke. Joachim und mir feststellt, zu einer transzendenten Teleologie nicht habe finden können. Hier scheint mir allerdings der entscheidende Punkt. Was vom Standpunkt der Immanenz aus bejaht wird, muß vom Standpunkt der Transzendenz aus verneint werden, und umgekehrt. Spinoza hat denjenigen, der einen persönlichen Gott annahm, der von außen in <Jie Natur hinein zu wirken vermöchte, als Atheisten empfunden (Theol.-Pol. Trakt. Kap. 6), und umgekehrt hat die Folgezeit, soweit sie am außerweltlichen Gott festhielt, Spinoza als Atheisten verfehmt. Spinoza ist Leugner einer Willensfreiheit, die das acquilibrium arbitrii postuliert, aber er ist vom Standpunkt der Immanenz aus durchaus Indelerminist (Leroux spricht einmal vom „indeterminisme latent de Spinoza"), denn die der Notwendigkeit gleiche substantielle Freiheit ist der Ausdruck des metaphysischen Dynamismus Spinozas. So führt nicht nur kein Weg von der immanenten Teleologie Spinozas zu irgendeiner transzendenten Teleologie, sei es die des heiligen Thomas: beides muß vielmehr sich ausschließen. Weil Spinoza die Teleologie der Immanenz statuiert, mußte er die Teleologie der Transzendenz negieren. Die Entscheidung, bei der Brunner wohl auf der Seite des heiligen Thomas stehen wird, auch wenn er dabei die „ungelösten Fragen" nicht verkennt, wird mit logischen Deduktionen nicht herbei zu führen sein, denn sie ist in jedem Falle prälogisch. Wegen dieses über die bloßen historischen Grenzen hinaus weisenden Zieles des Verfassers wäre es mir wünschenswert erschienen, daß er auch das Problem der Teleologie bei Kant in den Kreis seiner Untersuchungen miteinbezogen hätte; denn für uns führt heute der Weg von Spinoza zum ersten Petrusbrief über die „Kritik der Urteilskraft". Zu erwägen wäre schließlich, ob wirklich Spinoza den Willen im Denkattribut unterdrückt hat („voluntas et iniellectus idem sunt"), und ob man dem Manne die Einsicht in die Bedeutung des Werdens absprechen kann, der als der erste in der Geschichte des menschlichen Geistes die überzeitliche Geltung der Offenbarung durch die Einsicht ihrer historischen Bedingtheit, ihren Anspruch also sub specie aeterni durch die Betrachtung sub specie lemporis problematisch gemacht hat. Carl Gebhardt. Die Religion in Geschichte und Gegenwart. 2. Aufl. Hrsggb. von Hermann Gunkel und Leopold Zschamack. Lfgn. 45—63 (Bd. III. Bogen 1—5i, Sp. 1/1184.) J. C. B. Mohr, Tübingen 1929. Je Lfg. 1,80 M. Den jüdischen Leserkreis besonders angehende Artikel seien benannt: Jakob und Esau (Gunkel), Ibn Esra (Fiebig), Jehuda Halevi (Guttmann), Jeremia (Volz), Jerobeam (Alt), Jerusalem I Geogr. (Hertzberg); II Gesch. (Hertzberg und Ac'helis); III Heil. Stätten in d. Gegenw. (Steuernagel), Jesaja (Balla), Jesus Christus (Schmidt), Jesus Sirach (Baumgartner), Inquisition (Zwicker), Jobeljahr (Köhler), Joel (Platt), Jona (Gunkel), Israel (Alt und Begrich), Judentum I Vom Exil bis Hadrian (Eißfeldt, IIA Bis zur Neuzeit (Elbogen), II B Neue Zeit u. Gegenwart (Baeck), III Judentum u. Christentum (Gerhard Kittel), Jüd. Philosophie (Guttmann), Kanaan I Geogr. (Eißfeldt), II Gesch. (Alt), III Kanaanäische Religion (Sellin) u.a.m. D. 534

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