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Der Morgen · 1929-12-01 · Heft 5 (Dezember 1929) · p. 505

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 5 (Dezember 1929)
Article
Juden und Araber in Palästina
Date
1929-12-01
Page
505 (sequence 30)
Language
German
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Alfred Wiener: Juden und Araber in Palästina I>er primitive Nationalismus. Und wird überhaupt die nationale Auffassung der jüdischen Einwanderer umzuformen sein? Eine der Fragen, die ernste Zionisten so heftig und andauernd bewegen, ist die nach dem wahren Gesicht des jüdischen Nationalismus. Hier beginnt ein im klassischen Sinne tragisches Problem. Um dem jungen Juden die heroische Beschwingtheit zu geben, auf dem steinigen, auf dem sumpfigen Boden Palastinas das neue Heim unter Mühsal und Entbehrung zu bauen, bedarf es der Glut des Nationalismus, der meist noch gestützt wird von soziali stisch -komm unis tisch er Sehnsucht, im Lande der Väter Wirtschaftsformen zu schaffen, bei denen es „keine Ausbeuter und keine Ausgebeuteten" gibt. Aber der Nationalismus ist ein Wein, den man nicht ohne Folgen trinken kann. Der Nationalismus der gebildeten Schichten kann durch Überlegung, durch Besonnenheit, durch Verantwortungsgefühl gemildert werden, aber selbst hier bringt der Nationalismus je nach dem Grade seiner Intensität Veränderungen, und nicht immer günstige, der menschlichen Persönlichkeit hervor.1) Ohne x) Es würde lohnen, einmal den Typus des deutschen Zionisten unter diesem Gesichtswinkel sine ira et studio zu untersuchen, und die Einwirkung dieses Typus auf das deutsche Judentum. Von ganz anderer Seite her sagt Martin Buber dazu einiges Feine: „Er und Wir'"' in „Theodor Herzl, ein Gedenkbuch zum a5. Todestage", Berlin s. a. (1929) S. 25.— Ernste Beachtung verdienen die Bekenntoisse Moses Calvarys über das Verhältnis des Westjuden, insbesondere des deutschen Juden zum jüdischen Nationalismus, zum Volkstum, zu Palästina. (Jüdische Rundschau, Nr. 83, 22. Oktober 1929, S- 556.) Calvary schreibt unter dem Titel „D eutsche Juden in Palästina": „... Die Westjuden sind keineswegs mit dem übrigen jüdischen Volke verwachsen. Ich will hier nur von den Juden deutscher Zunge reden. Sie bilden nicht einmal, wie die Amerikaner, einen Fremdkörper, sie bilden überhaupt keinen Körper, sie sind völlig atomisiert und verleben ihr Dasein in kleinen Kreisen. Sie bilden keinen Fremdkörper, wohl aber einen Fremdgeist. Das gilt weniger von denen, die als Chaluzim herkamen, sie sind ja meist noch jung, sollen sich erst bewähren, und es wäre; sinnlos, heute schon Endgültiges über sie auszusagen. Aber es gilt völlig von der Schicht der Intelligenzler, denen, die schon in Europa mehr oder weniger fertige Menschen waren . . . Was den Mut betrifft, so gehört heutzutage für einen sich einer Verantwortung bewußten Menschen wahrscheinlich sehr viel mehr innerer Mut dazu, sich zu Kampf und Macht (im jüdischen Palästina. Der Verf.) zu bekennen als zu reinem Geist und Pazifismus, Ideen, die auf der Straße lagern. Daß sie auf der Straße lagern, besagt nichts gegen und wenig für sie, aber man soll uns doch nicht einreden, daß heute ein besonderes Maß von Sittlichkeit oder geistiger Selbständigkeit dazu gehört, gerade diese Ideen zu vertreten. (Sie zu leben, ja, davor hätte ich schon Respekt. Harold M. Wiener tat es, — und büßte es mit dem Tode.) .....Und es muß uns doch zu denken geben, daß Männer von der menschlichen Größe und der zweifellosen nationalen Verbundenheit wie Brenner und Gordon (bekannte zionistische Schriftsteller und Arbeiterführer in Palästina, beide nicht mehr am Leben. Der Verf.) nicht zu dieser Sphäre des Edelmutes (gegenüber den Arabern. Der Verf.) ge-' langten, der augenscheinlich' gerade deutschen Juden so leicht fällt. Sollten sie wirklich 504

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