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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 308

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
[Rezension] / Lazarus, Paul
Date
1929-08-01
Page
308 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Anzeigen Festgabe für Claude G. Monlefiore, 1928. Philo-Verlag, Berlin. Anläßlich der Tagung des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum in Berlin bat das deutsche liberale Judentum, Rabbiner und Laien, dem großen Führer, dem Manne der Wissenschaft und dem Philanthropen Claude G. Montefiore eine Festschrift als Huldigungsgabe überreicht. Naturgemäß enthält die vorliegende Sammlung von Aufsätzen neben vielem Wertvollen auch manch Nebensächliches. Aber das Erscheinen dieses Buches an sich ist schon ein Zeichen von Kraftgefühl; es ist von Bedeutung, daß überhaupt der religiös-liberale Gedanke in so geschlossener Weise an die Öffentlichkeit sich wenden kann. Gewiß, die einzelnen Aufsätze sind ohne inneren Zusammenhang aneinandergereiht. Aber gerade diese Mannigfaltigkeit manifestiert am besten die Tatsache, daß das religiös-liberale Judentum in der Lage ist, auf allen Gebieten des Lebens ein entscheidendes Wort zu sagen. Aus der Reihe der Aufsätze seien einige besonders wichtige hervorgehoben, ohne damit eine Wertung der nichtgenannten auszusprechen. Drei Aufsätze beschäftigen sich mit der Messiasidee (Baeck, May bäum, Wiener). Leo Baeck („Das Reich des Allmächtigen") geht an Hand des zweiten messianischen Abschnittes des Olenugebetes der Frage nach, wem des Kommen des messianischen Reiches zugemessen worden ist, dem Walten Gottes nur oder auch dem Menschen, und er stellt im Einklang mit der in Bibel und in den rabbinischen Schriften herrschenden Auffassung als Sinn des Satzes fest: „Wir hoffen, daß wir . . . die Welt ordnen werden durch die Herrschaft des Allmächtigen". Maybaum zeigt in seiner Arbeit („Geschichtlicher und eschatologischei Mcssianismus"), daß der von den Propheten verkündete Messias immer geschichtlich aufzufassen ist im Gegensatz zu der später immer mehr sich entwickelnden Lehre vom eschatologischen Messias, die bereits im Buche Hiob sichtbar und in der Lehre der Rabbinen vom Jenseits, Olam habo, durchgeführt ist. Aber auch diese geschichtliche Messiashoffnung ist an sich durchaus religiös. Maybaum sucht mit dieser Gegenüberstellung scharf die Auffassung der protestantischen Bibelforscher zu widerlegen, die immer den eschatologischen Standpunkt im Alten Testament betonen und den religiösen Gehalt der geschichtlichen Hoffnung übersehen. — Wiener stellt in seinem Aufsatz („Der Messiasgedanke in der Tradition und seine Umbiegung im modernen Liberalismus") die Entwicklung fest, die der Messiasgedanke im Judentum durchmacht, der vor allem als Geheimnis und Wunder dargestellt wird und später in der liberalen Theologie in das Bestreben sich umbiegt, die Messiasidee „im Sinne eines immanent in der Geschichte der Menschheit wirksamen Prinzip zu nützen". Wiener sucht das Problem für den jüdischen religiösen Liberalismus in die Worte zu fassen: Wie und mit welchem Recht kann ein religiöses Lehrstück, das in der historischen Überlieferung in eminenter Weise den Ausdruck transzendenter, göttlicher Wirkung bedeutet, zum Faktor immanenter Geschichtsverwirklichung werden? — Auf ein ganz anderes Gebiet führt uns Dienemann. Er behandelt „Die Erbsünde im Judentum" und weist auf die interessante Tatsache hin, daß im haggadischen Judentum Worte und Äußerungen vorhanden sind, die die Lehre der Erbsünde schlankweg behaupten, die aber später im Hinblick auf die Christologie, auf den Mittlergedanken, entschieden abgelehnt und zurückgewiesen werden mußten. So ist die Verneinung der Erbsünde im Judentum erst aus dem Kampf erwachsen, den das Judentum mit der Welt zu führen hatte. — Interessante Momente aus der Geschichte des Liberalismus behandeln Elbogen („Der Streit um die positiv historische Reform"), Freudenthal („Ein liberales Gutachten als historisches Dokument") und Vogelstein („Tradition"). Samuel („Unser Glaubensbesitz") gibt einen interessanten Beitrag zu der vor nicht allzu langer Zeit angeschnittenen Frage (Scheftelowitz, Guttmann, Goldmann) der Dogmen im Judentum, und Seligmann zeigt in seinem Aufsatz („Wandlungen jüdischer Frömmigkeit") ein Bild der Religionsgeschichte des Judentums, die er an den drei Typen jüdischer Gottsucher darlegt. — Überblickt man am Schluß die verschiedenen Beiträge zu dieser Festschrift, die zum Teil auch auf die praktische Auswirkung des Liberalismus hinzielen, so freut man sich über die Mannigfaltigkeit, die in dem Buche sich kund tut und die zugleich ein Zeichen dafür ist, wie sehr der religiös-liberale Gedanke machtvoll auf alle Gebiete religiöser Betätigung ausstrahlt. Paul Lazarus. Begründet von Professor Dr. Julius Goldstein. Verantwortlich: Frau G. Goldstein, Darmstadt, Beckstraße 87. Verlag: Philovcrlag Berlin S.W.68, Lindenstr. 13IIL / Druck: Roetherdruck G.m.b.H., Dannstadt,Bleichstr.24.

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