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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 306

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Die Marburger Religionskundliche Sammlung
Date
1929-08-01
Page
306 (sequence 1)
Language
German
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Die Marburger Religionskundliche Sammlung Es dürfte die Leser dieser Zeitsclirift interessieren, von einem Plane zu hören, der schon heute nicht mehr bloß auf dem Papiere steht, sondern bereits eine in Anbetracht der kurzen Zeit erfreuliche Verwirklichung gefunden hat. Im Jubiläumsjahre der Marburger Universität 1927 hat sich hier eine Gesellschaft der Wissenschaften gebildet, unter deren Obhut eine Religionskundliche Sammlung aufgebaut wird. Die Idee dieser Sammlung wurzelt in der theologischen Arbeit Rudolf Ottos. Die Sammlung soll nämlich in allmählichem Ausbau die wichtigsten Anschauungsobjekte aus dem weiten Gebiet der Religionskunde zeigen. Material solcher Art gibt es in Deutschland an Museumsstätten und sonst schon sehr viel. Aber wir haben noch keinen Platz, wo unter Verzicht auf kunst- und kulturgeschichtliche, ethnologische und sonstige Rücksichten eben nur das Religiöse den einzigen Blickpunkt für die Sammlung bildet. Ein solches Unternehmen bedarf des Hintergrundes einer modernen theologischen Schulung, aus der heraus mit der notwendigen Weite und wissenschaftlichen Neutralität, zugleich aber auch mit der nötigen Sorgfalt und Zartheit, die einer solchen Sammlung zuteil werden muß, die wichtige Arbeit geleistet wird. Wir sind heute, dank der vielseitigen Hilfe von Gelehrten, Museen, kirchlichen und anderen Organisationen, Missionen und privaten Spendern schon so weit gediehen, daß wir daran denken, im Oktober eine Ausstellung „Fremde Heiligtümer" zu Marburg zu zeigen. Vorläufig hat uns das neue Kunstinstitut einige Räume freundlichst zur Verfügung gestellt. Unser Wunsch geht dahin, nicht bloß Gegenstände zu sammeln, damit sie in einem Museum gezeigt werden können, sondern wir möchten Angehörigen aller Konfessionen und .Weltanschauungen eine günstige Stätte bieten, wo sie sowohl das Phänomen Religion studieren, als auch alle sich daraus ergebenden grundsätzlichen theologischen und religionsvergleichenden Probleme in wissenschaftlich exakter Weise bearbeiten können. Es leuchtet gewiß jedem sachkundigen Beurteiler ein, daß wir diesen Versuch wagen müssen. Wir versprechen. uns davon nicht bloß eine Förderung der wissenschaftlichen Aussprache, sondern auch einen Beitrag zur sachlichen und vornehmen Behandlung religiöser Fragen in der breiten Öffentlichkeit. Dankbar empfinden wir insbesondere das hohe Maß von Verständnis, das uns bisher schon von verschiedenen Seiten aus dem Judentum entgegengebracht wurde. Die Wahl Marburgs als Ort für eine solche Sammlung empfiehlt sich nicht bloß wegen der neutralen Lage, sondern vor allem auch deshalb, weil hier noch die landschaftlichen Voraussetzungen für eine Gesinnung vorliegen, wie sie sich seit Jahrhunderten zum Segen des . konfessionellen Friedens in Hessen bewährt hat. Wer etwa die aus der Schule Rudolf Kochs (Offenbach) hervorgegangenen jüdischen Kunstwerke kennt, wird es mit uns begrüßen, daß wir eine Stätte zu schaffen versuchen, an der die Impulse eines vertieften Verständnisses für religiöse Heiligtümer aus der Sphäre künstlerischen Schaffens und privater Entdeckerfreude in den Willen zu theologisch klarer Durchdringung übersetzt werden. Einzelheiten vermittelt ein Prospekt, der auf Wunsch gern zugesandt wird. Die Sammlung soll in drei Abteilungen aufgebaut werden, deren erste „Außerchristliche Religionskunde" pflegt; die zweite soll „Christentum und Judentum" enthalten, die dritte „Missionswissenschaft" im weitesten Sinne des Wortes, nämlich als Studium der gegenseitigen Auseinandersetzung und Bewegung der Religionen, betreiben. Wir hoffen, mit dieser Einteilung sowohl praktisch die Arbeit erleichtern, als auch der Eigenart der biblischen Religionen gerecht werden zu können. Heinrich Frick. 306

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