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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 224

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Moses Mendelssohn und seine Zeitgenossen
Date
1929-08-01
Page
224 (sequence 5)
Language
German
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Ludwig Goldstein war einer der Ersten, wenn nicht der Erste, der in eine Sprache, welche nicht einmal die seinige war, Deutlichkeit, Wohlklang, Annehmlichkeit und Energie brachte". Gibt es überhaupt ein Gebiet, auf dem Mendelssohn widerspruchslos anerkannt wird, so ist es seine Kunst zu schreiben — mochte er selbst darüber auch noch so bescheiden denken. Man gesteht ihm hierin geradezu ein geschichtliches Verdienst zu. „Die Genauigkeit", sagt Mirabeau weiter, „die Deutlichkeit, die Zierlichkeit, welche Mendelssohn in seinem Stil verbreitete, erregten großes Staunen, eröffneten dem Fleiß der deutschen Schriftsteller eine neue Bahn und gaben ihnen ein schönes Vorbild." Desgleichen Fr. W. von Schütz: „Mendelssohn war der Erste, der der deutschen Prosa gleichsam die Form gab, die sie vorher nicht hatte, der sie zum philosophischen Ausdruck zu bilden wußte und der in der deutschen Sprache dasjenige mit Zierlichkeit vortrug, was man bisher nur fremden Sprachen zugeschrieben hatte." Aehnlich auch Nicolai: „Wenn man überlegt, daß die deutsche Sprache ihm eigentlich eine fremde Sprache war; wenn man zurückdenkt, in welchem Zustand die deutsche Prosa im Jahre 1755 war (als Mendelssohn seine Briefe über die Empfindungen veröffentlichte), so sieht man die Größe des Talents und wie der Geist dieses Talent zu bearbeiten wußte". Drei gute Eigenschaften werden dem Stil Mendelssohns mit Abwandlungen immer wieder nachgesagt: 1. Richtigkeit (d. i. Genauigkeit, Gründlichkeit). 2. Deutlichkeit (Klarheit, Helle, Licht). 3. Anmut (Zierlichkeit, Leichtigkeit, Eleganz). Der gleichzeitige Besitz dieser drei Vorzüge befähigte ihn in hohem Grade zur wirksamen Behandlung philosophischer Gegenstande. Hierin bestand Moses' besondere Sendung, die gerade auch von Sachverständigen wie Garve, Kant und Herder mit unverhohlener Bewunderung anerkannt wurde. Hier eine kleine Blütenlese von Lobesworten: „Seine Gabe der Deutlichkeit im Ausdruck, womit er die abstraktesten Begriffe seinen Lesern oder Zuhörern faßlich zu machen wußte ..." (Biester) „Die Deutlichkeit und Präzision der Gedanken gewinnt unendlich durch die belebende Wärme seines Genies; die abstrakten Wahrheiten treten hervor unter seinen Händen im netten Schmucke einer einfältig erhabenen Beredsamkeit" (Küttner). „Der liebenswürdigste Philosoph, der die tiefsinnigste Spekulation in den Reiz der schönsten Grazie eingekleidet hat" (Feder). „Sie verbanden in ihren Briefen über die Empfindungen zuerst den attischen Ton mit dem Tief sinn des spekulativen Nachdenkens" (von Hennings). 224

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