Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Moses Mendelssohn und seine Zeitgenossen
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 220 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Moses Mendelssohn und seine Zeitgenossen Von Ludwig Goldstein-Königsberg i. Pr. Heute — zweihundert Jahre nach Moses Mendelssohns Geburt — macht man sich schwerlich einen Begriff davon, welche Geltung, welches Ansehen dieser Gelehrte bei Lebzeiten und noch lange darüber hinaus genossen hat. Ganz gewiß ist manches überschwengliche Urteil auf Rechnung persönlicher oder freundschaftlicher Beziehungen, dann auch der Höflichkeit, des guten Tons und des modischen Briefstils zu setzen. Allein aus der erdrückenden Fülle solcher Aeußerungen ergibt sich doch ein gewisser zuverlässiger Querschnitt der allgemeinen Einschätzung, so daß an der ehrlichen Begründung und auch an der Berechtigung des Werturteils kein Zweifel mehr bleibt. Daß es sich tatsächlich um einen Mann von seltenen Fähigkeiten und Gaben handelte, beweist schon der Umstand, daß Mendelssohns Name von den Mitlebenden in der ehrenvollsten Umgebung und Nachbarschaft — man möchte fast sagen: gewohnheitsmäßig — aufgeführt wird. Untrennbar ist er für Mit- und Nachwelt durch eine wundersame Freundschaft, aber doch nicht bloß durch diese, mit dem unvergänglichen Namen Lessings verbunden. Herder, Bürger, Garve, Joh. von Müller nennen beide in einem Atem. C. Ph. Moritz stellt einmal eine Musterbibliothek zusammen aus den Sokratischen Denkwürdigkeiten, Horazens Briefen, Mendelssohns Phädon, Lessings Nathan und Wielands Musarion. Th. von Hippel rückt, wie der junge Goethe, Mendelssohn wieder in die unmittelbare Nähe Kants, und dem Königsberger Philosophen selbst schweben wiederholt Garve, Mendelssohn und Tetens als beste Versteher und Förderer seiner eigenen Lehre vor. Einmal findet Kant, daß „unseren größten Analysten, einem Baumgarten, Mendessohn, Garve" durch zu starken Gebrauch eine frühe 220