Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 205 (sequence 2)
- Language
- German
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Anzeigen Jahrhundert jünger als der Text der Handschrift. Die Bearbeitung der Haggadah, in dem vor Jahresfrist erschienenen von Italiener herausgegebenen Bande, ist eine höchst wertvolle wissenschaftliche Arbeit. Ihr Wert ruht nicht nur in der sachgemäßen wissenschaftlichen Bearbeitung dieser Handschrift, sondern vor allem in der an Hand dieses Textes von Italiener durchgeführten Beschreibung und Analyse des Textes der Haggadah in seinen Varianten in den verschiedenen Gruppen des jüdischen Ritus. Sie ist mit Gründlichkeit und Beherrschung des weiten Stoffes geleistet. Der Herausgeber hat sich damit nicht nur um die Erforschung des Haggadahtextes, sondern um die Ritusforschung im Ganzen verdient gemacht. Der frühere Direktor der Landesbibliothek, Adolf Schmidt, hat im ersten Bande die Geschichte der Handschrift und des Einbandes beschrieben, Prof. Dr. August L. Mayer in München gibt eine kunsthistorische Würdigung, und Prof. Dr. Freimann-Frankfurt a. M. hat die Handschrift paläographisch besprochen. Das Ganze stellt in der Reichhaltigkeit des Stoffes und der künstlerischen Wiedergabe eine einzigartige Behandlung einer alten Handschrift dar. . M.D. Heinrich Guttmann: Die Darstellung der jüdischen Religion bei Flavius Josephus. Breslau, M. & H. Marcus. 1928. Nach dem Titel dieser Schrift erwartet man ein abgerundetes Bild von derjenigen Auffassung der jüdischen Religion nach allen Richtungen hin, die sich aus den Werken des Josephus entnehmen läßt. Was Guttmann aber in Wirklichkeit bietet, ist eine Ergänzung zu vorhandenen Arbeiten über dieses Thema, bei der er jene Werke voraussetzt. Solche Ergänzungen sind gewiß dankenswert. Man erhält auch auf diese Weise eine Sammlung von Josephusliteratur, die wertvoll ist. Aber es bleibt nun doch der Wunsch nach einer Gesamtdarstellung der Religion des Josephus noch unbefriedigt, die namentlich dadurch einen besonderen Wert bekäme, daß man sämtliche Beziehungen des Josephus zur Halakha und Haggadah nachgewiesen bekäme. Guttmann teilt den Stoff in die beiden Hauptteile: 1. Josephus und die erzählenden Teile des Pentateuch; 2. Kultische und ethische Angaben des Josephus. Im 2. Teil finden sich die Unterteile: , Josephus und der jüdische Kultus" und „Josephus und die jüdische Weltanschauung seiner Zeit". Dieser Einteilung sieht man schon das Unsystematische der Schrift an. Aus den Bruchstücken, die Guttmann bietet, läßt sich aber ohne Zweifel vielerlei lernen. Es ist ja auch, wenn man Guttmann gerecht werden will, zu bedenken, daß seine Arbeit eine Dissertation ist. Freilich wäre es dann zweckmäßig gewesen, den Titel etwa zu fassen: „Zur Darstellung der jüdischen Religion bei Josephus". Paul Fiebig. Alexander Guttmann: Das redaktionelle und sachliche Verhältnis zwischen Mischna und Tosephta. Breslau, M. & H. Marcus. 1928. VIII, 196 S. 80. Gegenwärtig kann man für weitere Kreise innerhalb der evangelischen Theologie, und namentlich der neutcstamentlichen Wissenschaft, sagen, daß sie die Bedeutung der rabbinischen Wissenschaften mehr zu würdigen wissen, als das vor etwa 20 Jahren der Fall war. So findet denn sicherlich ein Buch wie das vorliegende über jüdische Kreise hinaus Interesse. Guttmann behandelt das Verhältnis von Mischna (=M.) und Tosephta (=T.) zueinander. Diesem Problem haben bereits eine ganze Reihe jüdischer Gelehrter ihr Nachdenken gewidmet. Ich erinnere an Zuckermandel, Schwarz, Albeck, Spanier usw. Guttmann will das Problem nicht in vollem Umfange lösen, sondern beschränkt sich auf diejenigen Stücke der M. und T., die Parallelen darstellen. Den „inneren Bau" der M. und T. zu untersuchen, behält er sich für später vor. Auf dem genannten Wege kommt er zu mancherlei wichtigen Beobachtungen, z. B.: Die Mischna neigt dazu, sowohl die Kontroversen, als die Namen der Autoren zurückzudrängen. Sie will offenbar einen Codex der gültigen Halakha geben. Die T. aber gibt viele Kontroversen und gibt uns daher und auch z. B. durch die Beifügung der Bibelstellen, auf die die Kontroverse zurückgeht, einen oft genaueren Einblick in die Entstehung der einzelnen Überlieferungen und Meinungen" als die M. Die T. gibt nicht nur Glossen zur M., sondern ist ein selbständigeres Werk. Die M. hat die Tendenz, die Überlieferungen zu kürzen, während die T. diese Tendenz nicht zeigt. 205