Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1 (April 1929)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-04-01
- Page
- 102 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Anzeigen katholische speziell als ein „Frauenapostolat", ihre Aufgabe als eine zeitgemäße „Manifestation des Mariengeistes" sanktioniert, ist bereits in der Äbtissin sozusagen ein Prototyp der emanzipatorischen Frau gegeben, so bleibt trotzdem jene Antinomie in Gestalt des unüberbrückbaren Gegensatzes zwischen Autorität und Freiheit bestehen, über den alle Interpretationen seitens des Katholischen Frauenbundes nicht hinwegtäuschen können und dessen Existenz auch die Verfasserin noch etwas mehr hätte herausstellen müssen. Es ist die mit der Oberhoheit der Kirche und des Klerus hingenommene letzte Grenze, es ist die dogmatisch festgelegte Überordnung des Mannes in Staat und Familie, die eine letzte Unvereinbarkeit darstellen mit einer Bewegung, deren Idee die Selbstbestimmung der Frau i s t und die keine andere als sachliche Schranken anerkennt. Was ich an dem wertvollen Buche beanstanden möchte, ist eine manchmal vielleicht etwas zu weitgehende Ausführlichkeit in Dingen, die sich von selbst verstehen, wie stellenweise der Mangel an Einfachheit im Ausdruck. So wird die Frauenbewegung „als Beziehungsgebilde besonderer Art unter den Formen weiblicher Vergesellschaftung" charakterisiert, oder vom Liberalismus heißt es: „Seine strenge Freiheit wurde nicht gebrochen durch absolute Gleichheit, wohl aber erweicht und verwischt durch Wohltätigkeit." Hätte man das nicht einfacher ausdrücken können? Elise Dosenheime r. Arthur Schopenhauer. Randbemerkungen zu den Hauptwerken Kants. Aus den Handexemplaren zum ersten Male herausgegeben von Dr. Robert Gruber. München 1926. R. Piper & Co. 438 Seiten. Verehrern von Schopenhauer und Kant sei dieses Werk, das als i3. Band von Arthur Schopenhauers Werken (R. Piper) erschienen ist, warm empfohlen. Gruber hat die Anordnung sehr übersichtlich für den Leser gestaltet. Der Kantische Text, an den Schopenhauer seine persönlichen Bemerkungen macht, ist in kleinerem Druck, dreiviertelseitig, gegeben, die Randglossen Schopenhauers in gewöhnlichem Druck an der entscheidenden Stelle nebenbeigefügt. Schopenhauer brachte zwar eine gewisse Ehrfurcht dem Denker Kant entgegen. Das hinderte ihn aber nicht, bei der Privatlektüre seinem galligen Temperament die Zügel schießen zu lassen. Für den Kenner der beiden Philosophen ergeben sich wertvolle neue Einsichten. G. Handwörterbuch zu Talmud, Midrasch und Targum mit Belegen aus den Quellen. Hebräisch, Deutsch, Englisch. 2 Bde. von Baruch Krupnik und Dr. A. M. Silbermann. Shapiro, Vallentine & Co., London 1927. Es bereitet mir große Freude, dieses außerordentlich brauchbare Wörterbuch anzeigen zu können. Es steht an Umfang zwischen Levy und Dalman. Ich habe viele Stichproben gemacht und immer gute Auskunft erhalten. Der Umstand, daß jedes Stichwort sowohl hebräisch .(oft in Paraphrase) als auch deutsch und englisch wiedergegeben ist, erhöht die Verwendbarkeit ungemein. Es ist dadurch ein Werk geworden, das, praktisch genommen, auf der ganzen Welt gebraucht werden kann. Die Zitate sind meist recht gut gewählt. Die Autoren haben alle Lesarten und Schreibweisen jedes Wortes aufgenommen und dadurch das Selbststudium der talmudischen Literatur erleichtert. W. Leon Bermann: Contes du Talmud. Edit. Rieder, Paris. 273 S. In Frankreich erfährt das Judentum eben einen neuen Aufschwung, die französische Judenheit ist in eine Epoche der Rückkehr zu ihren religiösen Werten und der Selbstbesinnung auf das religiöse Erbgut Israels eingetreten. Zeugnis davon legt die Fülle der Bücher über Fragen des zeitgenössischen Judentums ab, die eben auf dem französischen Büchermarkt erscheinen. Sie sind, insbesondere soweit sie zur Romanliteratur gehören, nicht alle von großem Wert, das vorliegende aber, aus der von Edmond Fleg herausgegebenen Reihe Judaisme, trägt seinen Wert in sich, weil es Nutzbarmachung der Quelle ist; und nichts ist so wichtig, als die der Tradition Entfremdeten der Quelle zuzuführen. Nach einer knappen Einleitung über das Wesen der mündlichen Überlieferung in Halacha und Haggadah sind eine Anzahl Sagen und Legenden aus dem Schöpfungs-, dem Erzväterkreis und aus dem Leben der älteren Mischnahlehrer übersetzt. In seiner Schlichtheit und klaren Sprache ist das Buch wohl 102