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Der Morgen · 1929-04-01 · Heft 1 (April 1929) · p. 96

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (April 1929)
Article
[Rezension] / Perles, Felix
Date
1929-04-01
Page
96 (sequence 1)
Language
German
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Anzeigen Der Große Brockhaus. Handbuch des Wissens in zwanzig Bänden. Fünfzehnte, völlig neubearbeitete Auflage von Brockhaus' Konversationslexikon. Erster Band: A—Ast. 780 Seiten. Lex. 8°. Leipzig. F. A. Brockhaus 1928. Die vorletzte (i4-) Auflage wurde 1908 abgeschlossen und umfaßte 16 Bände mit 126000 Artikeln und 10000 Abbildungen. Die neue Auflage, die nach Absicht des Verlages schon 1913 herauskommen sollte, erscheint nunmehr in 20 Bänden mit 200 000 Artikeln und 17000 Abbildungen. Abgesehen von dieser äußeren Erweiterung ist das Werk auch inhaltlich etwas ganz neues feworden und stellt vielleicht das beredteste piegelbild der umwälzenden Veränderungen dar, die die ganze Welt in den letzten i5 Jahren erfahren hat. Das durch den unübersehbaren Zustrom neuen Materials besonders schwierige Problem der Stoffverteilung ist aufs glücklichste gelöst. Um für die neuen Artikel Platz zu schaffen, wurde nämlich ein Teil der früheren (namentlich historischen und biographischen) Artikel gekürzt, jedoch in vielen Fällen durch wertvolles Anschauungsmaterial ergänzt. So sind Bildnisse der wichtigsten Persönlichkeiten aller Zeiten und tausende von Autogrammen hinzugekommen. Überhaupt ist auf den bildlichen Schmuck im weitesten Sinne besonders Wert gelegt. So sei namentlich auf die zahlreichen Karten, Tabellen und Diagramme hingewiesen und als einziges Beispiel bloß das reiche Illustrationsmaterial zu den verschiedenen die Alpen betreffenden Artikeln genannt. In einer vom rücksichtslosesten Kampf der politischen und sozialen Meinungen erfüllten Zeit verdient es besondere Hervorhebung", daß das Werk die strengste Unparteilichkeit wahrt. Nicht weniger als 600 Fachleute, jeder ein hervorragender Gelehrter oder Praktiker auf seinem Sondergebiet, haben hier mit Schriftleitung und Verlag zusammengearbeitet. Man lese z. B. nur, mit welcher wohltuenden Objektivität hier so viel umstrittene Fragen wie »Annexion", .Antisemitismus" oder der ganze Komplex der um den Begriff der .Arbeit" sich gruppierenden Artikel behandelt sind. Ebenso hervorzuheben ist die Zuverlässigkeit in allen Fragen der Hygiene, der Wirtschaft. der Technik unserer Zeit. So erhalten wir genaue Auskunft über .Alkoholismus" und .Ansteckung", über „Aktiengesellschaft" und »Altbesitz", über „Angestelltenverbände" und ,Armengesetzgebung"", über „Antenne" und „Ätherwellenmusik". Den Lesern dieser Zeitschrift wird es von besonderem Interesse sein, daß auch die das nachbiblische Judentum bis auf die Gegenwart betreffenden Artikel gegenüber der vorigen Auflage einer gründlichen Neubearbeitung unterzogen worden sind, wenngleich das in dem vorliegenden ersten Bande noch nicht so stark in die Erscheinung tritt. F. Perles. Ditlev Nielsen: Der' geschichtliche Jesus. Meyer & Jessen Verlag, München 1928. 238 S. Brosen. M 5.5o, Ganzl. M 7-5o. Ein in den skandinavischen Ländern bereits bekanntes und verbreitetes Buch, dem deutschen Leserkreis durch Übersetzung zugänglich gemacht. In klarer, durchsichtiger Sprache und in freier Gesinnung, fern aller dogmatischen Gebundenheit, wird ein Bild Jesu entworfen. Der Verfasser beschränkt sich mit Absicht darauf, nur das zu schildern, was aus dem Leben Jesu geschichtlich bekannt und nachweisbar ist, verzichtet darum auf jeden Versuch, psychologisierend die Kindheit, das Werden und Reifen Jesu zu malen. Kern der Darstellung ist der Nachweis, daß alles Dogmatische im Christentum dem Heidenchristentum, von dem zum Judenchristentum keine Brücke führt, also der Welt des Hellenismus, entstammt, ferner, daß die Juden mit der Verurteilung und Hinrichtung nichts zu tun hatten. Das Buch ist ein Glied in der Kette der neuzeitlichen Darstellungen, die Jesus ganz im Judentum wurzeln lassen. Die Schwäche des Buches Hegt in dem Befangensein in der alten Wellhausenschen Anschauung über das Judentum jenes Zeitalters, wonach das damalige Judentum, der Pharisäismus, in einer verknöcherten und erstarrten Frömmigkeit sich bewegt hätte, so daß erst mit Jesus ein Gefühl der Gotteskindschaft und des unbedingten Vertrauens begonnen hätte. Verfasser betrachtet alle semitischen Völker als eine Einheit, wobei er ihnen insgesamt eine besondere Begabung für Religion zuspricht, ohne die Sonderstellung der Juden innerhalb der semitischen Welt zu sehen und ohne zu beachten, daß ihre religiöse Schöp- 96

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