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Der Morgen · 1929-04-01 · Heft 1 (April 1929) · p. 95

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (April 1929)
Article
[Rezension] / Rosenzweig, Franz
Date
1929-04-01
Page
95 (sequence 1)
Language
German
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Anzeigen La B i b 1 e; Traduite du texte original par les M-embres du Rabbinat francais sous la direction du Grand Rabbin Zadoc Kahn. Edition Les Textes Sacres, Rue des Saint-Peres 73 ä Paris. Während in Deutschland die Soncmor, Gesellschaft eine bibliophile Monumentalausgabe der hebräischen Bibel beginnt und eine neue Übersetzung im Erscheinen, eine zweite in Vorbereitung ist, regt es sich auch in Frankreich, dem Frankreich Flegs und Palliares. Vor mir liegen die Bände Exodus, Leviticus und drei der fünf Megillot (Klagelieder, Prediger und Ester). Das Ganze ist auf ao Bände berechnet. Es sind riesengroße Seiten, in splendidester Weise gedruckt (i5 bis ao Verse auf der Großquartseite), herrliches Papier, und überhaupt die bekannte bibliophile Aufmachung: mächtiger Vorspruch mit einer ganzen Hierarchie verschiedener, natürlich durchweg nummerierter, Ausgaben und feierlicher Nachspruch über den Druck und den Drucker (Francois Bernouard). Wer die sogenannten Äußerlichkeiten der Zeit ebenso ernst zu nehmen gewohnt ist wie die sogenannte Innerlichkeit, wird die sowohl symptomatische wie reale Bedeutung der bloßen Tatsache eines solchen Unternehmens nicht gering werten. Aber eigentümlich spiegelt sich nun in dem Unternehmen der französischen Judenheit, verglichen mit jenen erwähnten der deutschen, der konservative, traditionalistische Zug des französischen Geistes. Während die Soncino- Gesellschaft die entscheidende Wichtigkeit der Aufgabe, eine neue hebräische Type zu schaffen, erkannt (und jetzt mit einer Probeseite die Lösung der Aufgabe wenigstens begonnen) hat, verwenden die Franzosen ganz unbefangen die übliche, langweilige („Merubba"-) Type, diese aber in einem so schön geschnittenen Exemplar und in so geschmackvoller Satzanordnung und so absolut makelloser Vollkommenheit der technischen Ausführung, daß man an der Notwendigkeit einer neuen Type fast irre werden könnte. Und während man in Deutschland die Notwendigkeit einer neuen Übersetzung empfindet, greifen die Franzosen ruhig zu der alten Arbeit Zadoc Kahns, die sie nur durch eine höchst kokette Type erneuern. Zu der Übersetzung möchte ich, eben weil es eine ältere Arbeit ist, nicht viel sagen. Außerdem hat ja Goethe schon rund hundert Jahre vorher, nämlich in dem bekannten Abschnitt „Übersetzungen" der Noten und Abhandlungen zum West-östlichen Divan alle» Nötige darüber gesagt. „Es gibt dreierlei Arten Übersetzung .... Eine zweite Epoche folgt hierauf, wo man sich in die Zustände des Auslandes zwar zu versetzen, aber eigentlich nur fremden Sinn sich anzueignen und mit eignem Sinne wieder darzustellen bemüht ist. Solche Zeit möchte ich im reinsten Wortverstand die parodistische1) nennen . . Die Franzosen bedienen sich dieser Art bei Übersetzung aller poetischen Werke . . . Der Franzose, wie er sich fremde Worte mundrecht macht, verfährt auch so mit den Gefühlen, Gedanken, ja den Gegenständen, er fordert durchaus für jede fremde Frucht ein Surrogat das auf seinem eignen Grund und Boden gewachsen sei/' Man kann die französische Bibel an jeder beliebigen Stelle aufschlagen, etwa 2 M. 36,i, wo aus den weisen Männern Luthers, den Herzensweisen des Originals, hommes de talent geworden sind, um zu erkennen, daß — Goethe recht hat. Franz Rosenzweig. von Goethe gesperrt. 95

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