Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- [Rezension] / G.
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 634 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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Anzeigen. forschung kommt, in ihrer Umwelt dienen zu lassen. Ich will hier einige Wirkungen d'.eses «schöpferischen Blickes» anführen, deren Tatsächlichkeit ich verbürgen kann. Ein Universitätsprofessor, der die Studenten gern zu «Deutschen Abenden» einlud, drängte einen derselben, der das Unglück hatte, schwarzhaarig zu sein, ein von ihm empfohlenes Haarfärbemittel zu gebrauchen. Das stärkste Bedürfnis in gewissen nationalen Kreisen wäre zurzeit ein Mittel, die Augen blau zu färben; wer es erfände, würde sicher steinreich werden. Um ihren armseligen «ostischen» Rundkopf in einen «echt nordischen» Langkopf zu verwandeln, lassen Professoren sich hinten das Kopfhaar und vorn den Bart lang wachsen. Bei einer Gedächtnisfeier zu Ehren eines verstorbenen hervorragenden Gelehrten begrüßte der Vorsitzende den anwesenden Neffen desselben als ein Musterbild echt nordischer Rasse, mit einem Langgesicht, einer Nase, einer Stirn, «wie wenige von uns sich deren rühmen können», wobei die Anwesenden neugierig und beschämt zugleich — ob nicht auch ironisch — den Mann anstarrten. Es ist nicht zu sagen, wie arg Bücher von der Art wie das Günthersche den wirklichen Interessen der Rassenforschung schaden: durch die Verwirrung, die sie stiften, die falschen Erwartungen, die sie wecken, den Hochmut, den sie nähren. Es wäre wohl Sache der Wissenschaftler gewesen, von diesem Buche kräftiger abzurücken, als es geschehen ist." — Noch ein weiteres Zitat sei aus der Schrift hierhergesetzt: „Die stärkste Bankerotterklärung des wirklichen Rassengedankens, die schon bei Günther hervortritt, ... ist die Annahme, daß in einem Körper, der ausschließlich oder überwiegend mit Eigenschaften einer gewissen Rasse begabt ist, die Seele einer ganz anderen Rasse wohnen könne, z.B. eine nordische Seele in einem ostischen Kör- Gr. Günther bringt es in solchen Fällen mit lichtigkeit fertig, immer auch am Körper, wenigstens einige Merkmale der Seelcnrassigkeit festzustellen, so daß bei ihm , dieser Bankerott etwas verdeckt ist; so sind ihm Martin Luther und Schopenhauer nordischostisch, Franz Schubert ostisch-nordisch, bei Beethoven und gar bei Fritz Reuter muß er selbst ein vorwiegend ostisch zugeben. Vergebens sucht man bei Günther nach einer rassischen Bestimmung Bismarcks. Warum wohl? . . . Eine nordische Seele in einem ostischen Leibe ist ein Nonsens, besonders aber für einen Rassentheoretiker, der alle« Geistige für blutbedmgt erklärt. Eine nordische Seele in einem ostischen Leibe ist ein rassentheoretischer Widerspruch in sich selbst; eine derartige nordische Seele würde ja förmlich in der Luft hängen und einer körperlichen Unterlage, die sie tragen, und mit der sie wirken könnten, völlig entbehren" (p. 26). Jenseits dieser und ähnlicher kritischer Ausstellungen enthält die kleine Schrift von Schmidt so viel des Positiven und Aufschlußreichen über den ganzen Problemkreis Rasse und Volk, daß man ihr, im Interesse der Aufklärung und. Belehrung, weiteste Verbreitung wünschen möchte. G. Die Religion in Geschichte und Gegenwart. 2. Aufl. Hrsg. von Hermann Gunkel u. Leopold Zschanack. Lfgen. 3q/44 (Bd. 2: Bogen /18—C5). Sp. 1505/2067. J. C. B. Mohr, Tübingen 192S. Je ftU 1.B0. Es seien hier einige uns besonders interessierende Artikel aufgeführt: Haggada (Elbogen). — Halacha (Elbogen). — Handel: I. Religionsgeschichtlich (Bertholet). II. Im A.T. u. Judentum (L. Köhler). III. Volkswirtschaftlich (Sieveking). — Hebräer (Alt). — Heilige Stätten: I. Religionsgeschichtlich (Rust). II. In Israel (Hertzberg). — Heiligung: I. Religionsgeschichtlich (Beth). II. Im A.T. u. N.T. (Begrich). III. Dogmatisch (Kaiweit). — Heine (Knevels). — II e r z 1 (Guttmann). — Hillel (Fiebig). — Hiobbuch (Gunkel). — Hiskia (Alt). — Hölle: I. Religionsgeschichtlich (Bertholet). II. ImA.T.u.N.T. (Schütz). III. Dogmengeschichtlich (Wendland). — Hoffnung: Im A.T. (Seeger). — Hohes Lied (Greßmann-Gunkel). J. Das Dezemberheft der „M onatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" enthält folgende Beiträge: Heinrich Speyer: Zur neueren Bibelliteratur. Julius Donath: Die Gewerbekrankheiten der Juden im 17. Jahrhundert. Ellen Littmann: Studien zur Wiederaufnahme der Juden durch die deutschen Städte nach dem schwarzen Tode. L. Landau: Der jiddische Midrasch Wajoscha. Ginzberg und Heller: Zu Ginse Schechter. — Eine Reihe wertvoller Buchbesprechungen und eine Zeitschriftenschau beschließen das Heft. J. Herausgeber und Sihrütleltung: Professor Dr. Julius Ootdsteirc, Darmsiartt, Bedcstr. 87. / Verlag: FhiloverlaR Berlin S W. öS, Lindenstr. 13 HL / Druck: Roetherdrudc G.m.b.H., Darmstadt. Blel<ii«tr. 24.