Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 633 (sequence 2)
- Language
- German
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Anzeigen jede Obersetzung ein Notbehelf, wie die Pflanzen in einem Herbarium. Goldstein. Die Schrift. Das Buch Schmuel. Zu verdeutschen unternommen von Martin B u b e r gemeinsam mit Franz Rosenzweig. Berlin, Lambert Schneider. Der achte Band der neuen Bibelübersetzung, die beiden Bücher Samuel, ist erschienen. Über die Bibelübersetzung im ganzen, ihre Eigenart, ihre Rolle in der Reihe der geschichtlich bedeutsamen Übersetzungen der heiligen Schrift, ihre Stellung in der Schöpfung deutschen Sprachgutes ist vielfach in ' dieser Zeitschrift berichtet worden. Die Bücher Samuel sind Bücher der Geschichte, aber in ihnen taucht, nach Mose zum ersten Male, Gestalt und Wirken des Propheten — Künder nennt ihn die Übersetzung — auf. So seien, um Art und Form dieses Bandes zu zeigen, die Worte wiedergegeben, die Natan zu David nach seinem Frevel an Uria sprach. Er sandle zu Dawid den Natan, der kam zu ihm hin und sprach zu ihm: In einer Stadt waren zwei Männer, einer reich, einer arm. Dem Reichen waren Schafe und Rinder, sehr viel, dem Armen war garnichts als nur ein kleines Lämmchen, das hatte er gekauft und am Leben erhalten, es wuchs bei ihm auf, bei seinen Söhnen mitsammen, von seinem Bissen aß es, von seinem Becher trank es, in seinem Schöße lag es, es war ihm wie eine Tochter. Da kam zu dem reichen Mann ein Reisegänger, aber es dauerte ihn, von seinen Schafen oder von seinen Rindern zu nehmen, um für den Wandrer der zu ihm gekommen war etwas zu machen. so nahm er das Lämmchen des armen Mannes und machte es zurecht für den Mann der zu ihm hergekommen war. Dawids Zorn entflammte mächtig wider den Mann, er sprach zu Natan: So wahr ER lebt, ein Sohn des Tods müßte ja der Mann sein der solches tut. ob er gleich das Lämmchen nur vierfach bezahlen muß, — deswegen daß er solche Sachen getan und dafür daß es ihn nicht gedauert hatl Natan sprach zu Dawid: Der Mann bist du! M.D. Wilhelm Schmidt: Rasse und Volk. Eine Untersuchung der Bestimmung ihrer Grenzen und zur Erfassung ihrer Beziehungen. Verlag Josef Kösel und Friedrich Pustet, München 1927. 67 Seiten. TM i.5o. Einer der bedeutendsten Anthropologen und Religionsforscher der Gegenwart behandelt in dieser Schrift die folgenden Themen: Rasse und Körper; Rasse und Seele; Rasse und Kultur; die nordische Rasse. — Überall herrscht kritisches Denken, Zurückhaltung des Urteils gegenüber unsicheren Tatbeständen, scharfe Zurechtweisung jener Vulgarisatoren, die, wie der Gymnasialprofessor Hans Günther, das Urteil über diese Fragen bis tief in die Oberlehrer- und Hochschullehrerkreise hinein verwirrt und getrübt hat. Über das Günthersche Buch: „Rassenkunde des deutschen Volkes", schreibt Schmidt: „Kann wirklich ein Wissenschaftler alle die hunderte von Unterschriften zu seinen «Rassenbildern» ernst nehmen? Angesichts dessen, daß alle wirklichen Rassenforscher die Schwierigkeit der sicheren Bestimmung der Rassenzugehörigkeit im Einzelfall betonen, ist es nicht aufreizend, oder vielmehr erheiternd, mit welcher verblüffenden Sicherheit aer junge Gymnasialprofessor diese hunderte von Bestimmungen vollzieht, selbst bis auf die leichten «Beimischungen»? Imponierend wirkt die Gewissenhaftigkeit, mit der er ab und zu auch ein Fragezeichen zu seiner eignen Bestimmung setzt, und. die Korrekturen, die er anbringt: «Nase zu kurz», «Lippen zu voll». Und alles ist bei ihm Rasse und erblich; von jeder Rasse hat er seinen fertigen, sehr vagen, aber vielfach bis in die minutiösesten Einzelheiten eingehenden Kanon, und jede Abweichung ist ihm eine Mischung mit einer anderen Rasse . .. Das ist nun das Buch, das zwar von sich selbst sagt, daß es «nicht strengstens wissenschaftlich vorgehen» wird, sondern am liebsten an die sich wenden will, die eines schöpferischen Blickes fähig und dessen fähig sind, sich die Anregung, die aus der Rassen- 633