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Der Morgen · 1929-02-01 · Heft 6 (Februar 1929) · p. 630

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 6 (Februar 1929)
Article
[Rezension]
Date
1929-02-01
Page
630 (sequence 2)
Language
German
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AnTeigen Humanität" setzt, so ist in der Tat in Form und Farbe, in Quantität und Qualität die Einheit eines Denkmals gegeben, das uns die ganze Persönlichkeit kennen lehrt, uns Heutige, die wir ihm oft und stets mit Gewinn und Genuß begegnet sind, und spätere Geschlechter, die auf diesen nun wieder nicht mehr Toten das Wort eines Großen auf einen Großen ohne Angst vor Übertreibung anwenden dü.fen: ,.vo!lä un hemme!" Ein Mann, ein Mensch: halten wir den Doppelsinn des französischen Wortes fest. Ein Mann, gewiß kein Riese vom Körper her, im Gegenteil, von Jugend auf öfters behindert, wohl auch etwas hypochondrisch, aber immer wieder siegreich durch zähen Willen und durch ein Ethos, das ühn über die bequeme Phrase hinaus zum Handeln drängt. Erst heißt es sich selbst befreien. Der Kaufmannssohn erträgt die Fessel nicht, die ihn an das Kontor binden will. Größer als die etwa schon geklärte Überlegung ist dabei der Instinkt oder, wenn man es so bezeichnen will, die „Bestimmung". Alle erreichbaren Schätze des Wissens nimmt der Jüngling in sich auf, er sucht und findet Berührung mit jener Gruppe hochkultivierter Politiker, die in dem Bau des jungen Deutschen Reiches manches wiederfanden, was sie und ihre Väter ersehnt hatten, nur nicht darüber gewölbt die edle Kuppel der bürgerlichen Freiheit, der Toleranz und geistigen Gesittung. Männer wie Ludwig Bamberger, Theodor Barth, Heinrich Homberger, unvergessen, treten vor uns hin, als Berater, Förderer und immer mehr als Freunde des jungen Paul Nathan. Die „Nation", jene in ihrer besonderen Art nicht wieder erreichte Zeilschrift, ist das Dach, unter dem sie sich versammeln. Nathan wächst zum Politiker, zum Redner, er tritt in die Berliner Stadtverwaltung ein. Das wäre schon ein erfülltes Mannesdasein. Aber noch einmal, wir lernen ihn erst ganz kennen, auch den Menschen, in einer Unermüdlichkeit sondergleichen; mit einem Herzen, das jeder Not weit aufgeschlossen ist; mit einem Verstände, der sofort die Wege sucht, wie ihr zu steuern wäre; mit einer Ausdauer, die jedes Hindernis beseitigt; mit einer Tapferkeit, die keine Gefahr beachtet. Nathan reist nach Jerusalem, nach Rußland, nach Rumänien. Dort sitzen, nur scheinbar heimatberechtigt, gequälte Glaubensgenossen. Wo ist Brot für sie, wo die ursprünglichsten Menschenrechte? Nathan arbeitet für sie, konferiert in Ministerzimmern, wirbt und sammelt. Er gründet den Hilfsverein der deutschen Juden. Im Kriege entwickelt er eine weitgreifende Hilfstätigkeit. Nach dem furchtbaren Gemetzel hilft er beim Aufbau der Notgemeinschaft der Wissenschaft und bei der Sammlung jüdischer Altertümer. So durchdringt sich bei ihm stets der Praktiker mit dem Idealisten, der Politiker mit dem an künstlerischem Gefühl reichen Gelehrten. Hier wie dort ist er der emsigste Arbeiter, ein Kämpfer für das Fortschreiten der Menschheit gegen alle Reste des Mittelalters, an denen wir immer noch zu tragen haben. An vielen Plätzen tätig, im Halbverborgenen, dabei sicherlich geeignet, an einem ersten, weithin sichtbaren Platze zu stehen, und wohl auch verdrossen, daß er in dem sehr geliebten Deutschland die Stufen nicht erklimmen durfte, auf denen sich minder Begabte und Eifrige brüsten durften und dürfen. Nun wohl, vielleicht hätte man dem Minister Nathan das Schicksal Rathenaus bereitet. Es liegt nicht fern, beide Männer zu vergleichen. Man fände dann, daß in Nathan diese Doppelnatur , Jude-Deutscher" stärker ausgeprägt war. Aber war es denn Doppelnatur? Ein glühender Deutscher, ein Deutscher nicht der Gegenwart, sondern einer besseren Zukunft, ein glühender Jude in genau dem nämlichen Sinne, brauchte er den Juden mit dem Deutschen in sich nicht hadern zu fühlen. Die zwei Wurzeln seines Empfindens und Schaffens waren demselben Boden entwachsen: der Humanität. Das ist die Liebe zum Menschen überhaupt, das ist im Sinne Kants die Identität von Patriotismus und Kosmopolitismus. Und wenn Berthold Auerbach, sehr artverwandt, einmal von den „konfessionslosen Sternen" gesprochen hat, so leuchten sie nun über dem Grabe Paul Nathans. Am i5. März 1927, vor nun bald zwei Jahren, ist Paul Nathan gestorben. Mit diesem Buche Ernst Feders, einem wahrhaft „guten" Buch, bleibt er der unsere. Fritz Engel. Schjeldcrup, Kristian: Die Askese, eine religionspsychologische Untersuchung. Berlin 1928, Walter de Gruyter & Co. 2/49 S. Gr. 8°. Br. m n.5o, Lw. m i2.80. Schon vor zwei Jahrzehnten hatte der 630

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