Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1929-02-01 · Heft 6 (Februar 1929) · p. 629

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 6 (Februar 1929)
Article
[Rezension] / Heinemann, Isaak
Date
1929-02-01
Page
629 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
spine
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2895450-2895475-2895482--03337-2899553
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Anzeigen Max Mühl: Die antike Menschheitsidee in ihrer geschichtlichen Entwicklung. Leipzig, Dieterich. iM S. Ä 3.- Während noch Herder und Goethe in der griechischen Kultur die eigentliche Heimat des- Humanitätsgedankens erblicken, hat die neuere. Forschung diese Vorstellung erheblich eingeschränkt und dahin berichtigt, daß sich der Glaube an die eine Menschheit erst im Denken der nachklassischen, sogenannten hellenistischen Zeit hat durchsetzen können. Mühls Arbeit bietet im einzelnen manches Neue, im ganzen durchaus eine Bestätigung dieses Bildes. Sie zeigt, daß der stolzen Abhebung 'des Hellenen vom Barbaren zwar der früh auftretende Glaube an eine allen Menschen gemeinsame Vernunft und an die Liebe als höchstes Wellprinzip entgegenwirkte; während aber die Sophisten und einzelne Redner daraus die Folgerung der Zusammengehörigkeit und der Eintracht aller Menschen ableiten,, bleiben gerade die führenden Geister im. alten Vorurteil befangen: Piaton empfindet den „Zwist" zwischen Hellenen als unnatürlich, den „Krieg" der Hellenen gegen Barbaren als ganz in Ordnung; Aristoteles rät seinem Schüler Alexander, die Barbaren „wie Tiere oder wie Pflanzen" zu behandeln. Erst unter seinen Schülern zeigt sich, zum Teil zusammenhängend mit dem Untergang der griechischen Stadlstaaten und der durch Alexander herbeigeführten Völkermischung, ein wesentlich weilerer Blick; und die Stoa, welche die Natur und innerhalb ihrer die Menschheit als einheitlichen Organismus faßt, stellt die Tugend der „Philanthropie" in den "Vordergrund, welche die Römer durch Humanitas wiedergeben. Im allgemeinen trägt der Kosmopolitismus der Stoa einen kühlen, rationalen Charakter; nur bei einigen ihrer Anhänger, bei denen mit Einfluß ihrer orientalischen Heimat zu rechnen ist, gewinnt er religiöse Begründung. Ich denke über einzelnes anders (vgl. Poseidonios' metaphysische Schriften II s i3 ff.); insbesondere geht der Verfasser an der wichtigen Tatsache vorbei, daß die Mittebtoa die Tugend der „Tapferkeit" nicht gelten läßt und an ihre Stelle den „Hochsinn" setzt. Er würdigt auch zu wenig die Hemmung, die dem Friedensgedanken durch die Erhebung des „Krieges" und des „Streites" zu kosmischen Prinzipien (bei Heraklit und Empedokles) erwuchs. Im ganzen kann ich der gediegenen, gut geschriebenen Arbeit nur zustimmen und ihr weite Verbreitung wünschen, zumal sie oft hervorhebt, daß nur die eine Wurzel des neueren Humanitätsgedankens in der griechischen Kultur, die andere im „althebräischen Schrifttum" zu suchen ist. I.Heinemann. Feder, Ernst: Politik und Humanität. Paul Nathan, ein Lebensbild. Berlin 1929. Deutsche Verlagsgesellschafl für Politik und Geschichte. i5g S. gr. 8°. Br. M 6—, Lw. Ml 8.—, Halbfrz. %Kl 10.— Viele haben ihn gekannt, wenige haben ihn ganz gekannt. Er mußte abscheiden von dieser Welt, die er niemals ohne Skepsis, immer wägend, aber stets auch ratend und helfend durchwandert hat, ehe die Stimmen um seinen Sarg die Melodie dieses seltenen Mannes widertönten. Aber auch das war er nur in Stücken: das war Nathan, der Politiker; das war Nathan, der Wohltäter; das war Nathan, der Kulturmensch. Es waren zu einem Mosaik die Steine, noch war es nicht das Mosaik selbst. Jetzt erst haben wir das Gesamtbild. Es entsteigt dem Buche eines vertrauten Freundes, man darf wohl auch sagen: eines Jüngers, der noch lernend war, als Paul Nathan und der Kreis, dem er angehörte, auf der Höhe ihres Wirkens angelangt waren. Das Buch, vervollständigt und nicht nur „geschmückt" durch zwölf Bilder, stammt von Ernst Feder, ist dokumentarisch aufs reichste belegt und im Rahmen des Themas ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der ganzen Epoche. Mit Recht darf es sich „Ein Lebensbild" nennen, und wenn es über den Namen „Paul Nathan" dazu noch die Worte „Politik und 629

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.