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Der Morgen · 1928-08-01 · Heft 3 (August 1928) · p. 313

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 3 (August 1928)
Article
[Rezension]
Date
1928-08-01
Page
313 (sequence 2)
Language
German
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Anzeigen. Juden in Zülz"1) betreten und eine der ältesten, ehrwürdigsten und kontinuierlichsten Gemeinden des Landes in das helle Licht geschichtlicher Betrachtung gerückt. Nun greift er den erfreulichsten, erfolgreichsten und grundlegenden Teil der schlesischen Gesamtgeschichte heraus und läßt ihn vor unserem Auge wiedererstehen. Wie ein Drama von hoher Spannung lesen sich die Phasen dieses Kampfes ums Recht, in welchem so ungleiche Kräfte gegeneinander spielen. Der Held ist die schwache und unterdrückte schlesische Judenschaft. Die Gegenspieler sind Kaiser, Fürsten und Stände. Auch die Städte und die Geistlichkeit standen aus Gründen wirtschaftlicher und religiöser Gegensätzlichkeit nicht müßig beiseite. Die Quellen der Darstellung sind zu allermeist archivalische. Eröffnet wurde das Ringen durch das Ausweisungsedikt König Ferdinands I. vom 27. August i55~, das die gesamte Judenschaft Böhmens, Mährens und Schlesiens treffen sollte. Die Mähren durften des Beistandes der Stände ihres Landes sich erfreuen, die dem königlichen Willen trotzten. In Böhmen glückte es immer wieder, einen Aufschub zu erreichen und schließlich die Ausweisung im wesentlichen zu vereiteln. Am hartnäckigsten erwiesen sich die Fürsten und Stände Schlesiens auf ihren Fürstentagen. Sie bestanden unbeirrt auf der Vertreibung. Hiergegen „hegte die centrale Macht in Prag ernste Bedenken", Bestechungsgelder spielen eine bedeutsame Rolle. Kaiser Rudolf II.-nahm wegen „des größeren Vorteils eine zweideutige Haltung" ein und trieb ein „zögerndes Doppelspiel". Nach i586 gab es nur noch in Glogau, Zülz und Beuthen an der Oder Gemeinden* deren Grundherren ihre Juden schützten. Der Rest durfte nur noch auf Jahrmärkten sich blicken lassen, iögi wurden die Zülzer auch durch eine kaiserliche Instruktion sichergestellt. Beuthen ging verloren. Glogau behauptete sich unter dem Schutze der böhmischen Hofkanzlei. Erneuter Ansturm gegen Zülz wurde durch gemeinsame Zahlung von 7000 Gulden seitens der polnischen, böhmischen und mährischen GesarnU judenschaften lahmgelegt- Dieser Zahlung folgte die Resolution Rudolfs vom 3. April 1601, die den Amtsschutz des kaiserlichen Oberlandeshauptmanns anordnete. An diesem Erfolge hatte der Pfandinhaber und spätere Grundherr der Herrschaft Zülz ein großes Verdienst — wohlgemerkt nicht einen großen Verdienst. Das bedeutsame Privileg Ferdinand H. für die Juden Prags, Böhmens und Schlesiens vom Jahre 1627, das gegen eine Jahreskontribution von 4o 000 Gulden Freiheit und Handel und Handwerk gewährte, wurde den Glogauern ausdrücklich bestätigt, den Zülzern jedoch trotz aller Bemühungen nicht. Seine faktische Ausmünzung vereitelte aber der Fürstentag auch den Glogauern und verstärkte den Steuerdruck gegen beide. Die Leiden erreichten durch Exekutionen, Verhaftungen und Brandschatzungan — letztere Begleiterscheinungen des dreißigjäh rigen Krieges — ein schier unerträgliches Maß. Numerisch und wirtschaftlich sanken beide Gemeinden immer tiefer. Die Erschöpfung von Spieler und Gegenspieler brachte gegen Ende des großen Krieges auch hier eine Art von Waffenstillstand zu wege. Der zweite schwedisch-polnische Krieg von i655/5o, brachte einen starken Zuwachs durch polnische Flüchtlinge, die eine Lebensfrage für Schlesien bildeten Handelsverbindungen nach Polen erzwangen weitere Duldung. Bereits i63o konnten die ersten Juden wieder in den Breslauer Vorstädten Fuß fassen. Erst 1699 gelang es den Zulzern nach unsäglich langen und schweren Mühen die heißerstrebte Bestätigung des genannten Prager Privilegs zu erlangen. Aber seine Auswirkungen mußten gegen die Widerstände des städtischen Krämergeistes erst erkämpft werden. Die von altersher nicht bodenständigen schlesischen Juden erhielten 1713 das „Toleranzedikt". Der gut bezahlte Toleranzzettel gewährte das mehr als ein Jahrhundert so heiß umstrittene Aufenthaltsrecht. Louis Lew in. x) Anhang zu Chrzaszcz, Geschichte der Stadt Zülz. Zülz 1926. 313

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