Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 3 (August 1928)
- Article
- Baltische Erinnerungen an Moses Mendelssohn
- Date
- 1928-08-01
- Page
- 277 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Baltische Erinnerungen an Moses Mendelssohn sius? Wie kam diese Widmung nach Mitau, und woher weiß man, daß Mendelssohn der Schreiber dieser Zeilen ist? In der „Allgemeinen deutschen Biographie" (Band IV, S. 343) wird ein Arzt, Joh. Friedr. C los sius (geb. 1735 in Marbach, gest 1787 in Hanau) erwähnt, der, neben klassischer und ästhetischer Bildung, poetisches Talent besaß und seine medizinischen Schriften in lateinischen Versen verfaßt hat An diesen Arzt, über dessen Beziehungen zu Mendelssohn weitere Einzelheiten nicht bekannt sind, war die Widmung gerichtet, die Dr. Clossius so wertvoll gewesen ist, daß er den kleinen, weißen Zettel mit Mendelssohns Handschrift sorgfältig hütete. Sein Sohn, Karl Friedr. Gossius (geb. 1768 in Hanau, gest 1797 als Professor der Medizin in Tübingen) fand die Widmung wohl im Nachlaß des Vaters und überlieferte sie seinem Nachkommen, Walter Friedr. Clossius (geb. 1795 in Tübingen), der im Jahre 1824 als Professor des Zivilrechts an die baltische Universität Dorpat (Estland) berufen wurde und seit i83o Mitglied der kurländischen Gesellschaft für Literatur und Kunst war. Diese Gesellschaft verwaltete das Provinzialmuseum in Mitau, welches seine Autographensammlung ständig zu vermehren trachtete. Daher richtete Prof. Clossius aus Dorpat im Jahree i832 an einen Mitauer Etats-Rat und Mitglied des Verwaltungsrates des Provinzial-Museums folgenden Brief, der vom Empfänger der Autographensammlung des Museums überwiesen worden ist Dieser Brief, der das Auftauchen der Mendeissohnschen Widmung im Mitauer Museum erklärt, sei auszugsweise wiedergegeben. Dorpat, den i5. Sept i832. Ew. Hochwohlgeboren erfülle ich mit vielem Vergnügen mein Versprechen, einige Autographa merkwürdiger Personen für das Museum zu übersenden. Es folgen daher in der Anlage: 4) ein Zettel mit der Handschrift Mendelssohns. Die Unterschrift fehlt; allein mein Vater, an den die Worte gerichtet sind, hat eigenhändig den Namen „Mendelssohn", wie Sie sehen, dabey notiert . . . Wünschen Sie sonst noch Autographa lebender Gelehrten, so werde ich sie, wenn Sie sie mir bezeichnen mögen, vielleicht verschaffen können. Ew. Hochwohlgeboren ergebenster Diener Clossius. 19* 277