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Der Morgen · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. 209

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Article
[Rezension]
Date
1928-06-01
Page
209 (sequence 2)
Language
German
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Anzeigen mit der alten Krakauer Synagoge auf dem Kazmierz, die vermutlich von Prager Exulanten im XIV. Jahrhundert nach dem Muster ihrer Altneuschule errichtet wurde, beschäftigt hätte. Er bringt von dieser noch gut erhaltenen Synagoge nichts, was nicht schon vorher in der Literatur vorhanden gewesen wäre, obgleich von ihr genaue Aufnahmen durch Gurlitt um 1910 bewirkt wurden. Dieser Verzicht auf fachmännische Beratung drückt auch sonst den Wert der an sich sehr dankenswerten Arbeit herab und bewirkt, daß einzelne Restaurationsversuche als verfehlt bezeichnet werden müssen. Völlig abwegig ist auch eine Korrektur, die K. an meinen eigenen Forschungen versucht und die ebenso auf ungenügendem Nachforschen des von mir genannten Quellenstoffes beruhen, wie auf dem Mangel an technischen Kenntnissen. Endlich sei noch erwähnt, daß K. in durchaus dankenswerter Weise versucht, das verstreute Material über die im Westen des Reiches in Speyer, Worms, Friedberg, Offenburg und Andernach bestehenden Judenbäder (Mikwohs) zusammenzustellen, und ähnlich wie die Synagogen, baulich und kunsthistorisch zu erläutern. An sich überschreitet K. mit diesen Ausführungen das im Titel des Buches gegebene Programm, da es sich tun Bauten handelt, die in keinerlei Zusammenhang mit den eigentlichen Kultbauten stehen. Aber selbst, wenn man davon absieht, so konnte man erwarten, K. würde hier eine lückenlose Zusammenstellung bringen. Da: ist leider nicht gesehen; es fehlt nicht nur die Mikwch zu Deutz vollständig, auch bei den übrigen Beispielen hat sich K. fast nur auf das Klischeematerial gestützt, das ihm seitens der erwähnten Frankfurter Gesellschaft zur Verfügung gestellt worden ist, ohne zu wissen, daß die Preußische Ministerialzeitschrift „Denkmalpflege" dieses interessante Baugebiet wiederholt in ausgezeichneten Aufnahmen seit 1902 veröffentlicht hat. Auch hier fehlte also die Beratung des zünftigen Technikers sehr zum Nachteil der Arbeit. Für die Benutzung des Werkes seitens nichtjüdischer Leser wäre ferner eine Erläuterung bestimmter Ausdrücke wie „Piutim", „Selichof" (S. 87) usw. erwünscht gewesen. Auch fehlen die genaueren Literatur- und Quellennachweise bei vielen Abbildungen, bei denen K. nur erwähnt, sie seien aus dem Klischeebesitz der, Frankf. Gesellschaft entliehen. Auch dies wird die wiasenschaf tliche Benutzung erschweren müssen. — Im Ganzen ist das ausgezeichnet ausgestattete Werk als wertvoller Beitrag zur Erforschung und Systemisierung dieses bisher so stiefmütterlich behandelten Gebietes zu werten; es wird eine willkommene Bereicherung des Schrifttums über die Sakralkunst im allgemeinen bilden müssen; denn, wie der Verfasser nachweist, bilden diese mittelalterlichen Synagogen auch ein Glied in der Kette christlicher Sakralbauten, die an den bei den gotischen Synagogen erworbenen Erfahrungen raumkünstlerischer Art ebenso beteiligt sind wie der altchristliche Kirchenbau an denen Galiläas. Alfred Grotte. Alfred Stern: Der Einfluß der französischenRevolutionauf das deutsche Geistesleben. Cotta, Stuttgart 1928. a56 Seiten. Geh. 8.5o M, geb. 11.5o M. Das Sternsche Buch stellt in einer gründlichen und wertvollen Materialsammlung die Äußerungen zusammen, aus denen die Stellung führender Persönlichkeiten des deutschen Geisteslebens im ersten Drittel des 19. Jahrhundert! zur französischen Revolution und ihren einzelnen Phasen ersichtlich wird. Es werden u. a. behandelt Klopstock, Pestalozzi, Lavater, Friedrich Gentz, Wieland, Herder, Goethe, Schiller, Niebuhr, Fichte, Kant, Hegel, Schelling, Friedrich Schlegel, Schleiermacher neben andern, weniger bekannten. So erhalten wir, auf die einzig mögliche Weise, ein Bild von dem unmittelbaren Reflex der Revolution im Leben des deutschen Geistes. Besonders lehrreich ist das Schlußkapitel, das am Beispiel Fichtes, Jean Pauls, Arndts und Humboldts die Wendung vom „Weltbürgertum" zum „Nationalgeist" darstellt. „Die französische Revolution", schreibt der Verfasser am Schluß, „riß unzählige Geister in Deutschland aus dem Bannkreis philosophischer und ästhetischer Betrachtungen heraus. Sie drang ihnen die Beschäftigung mit Fragen der praktischen Politik unwiderstehlich auf. Unter ihrem Einfluß entwickelte sich ein Sinn für die Erfordernisse und die Pflichten des Rechtsstaates, der dem Staat als einer Zwangsanstalt mit Wohlfahrtszweefcen entgegengesetzt war. Die Verbindung ihrer Ideen mit .. . Eroberungsbestrebungen Frankreichs entfachte sodann den nationalen Gedanken und trug zur Abwendung von dem ausschließlichen Weltbürgertum bei. 209

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