Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-06-01
- Page
- 208 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Anzeige* Abschluß der gesamten Entwicklungsreihe Judentum bezeichnete, während er doch auch nach der christlichen Verkündigung sein lebendiges Leben behielt und bis auf den heutigen Tag an der Welt formt. In dem Verlassen dieses Ausdruckes liegt ein Anfang zu einer anderen Beurteilung des Judentums. Die Grundeinstellung zum Judentum ist allerdings in der dritten Auflage kaum geändert. Daß eine solche Änderung möglich ist und in christlichen Kreisen sich anbahnt, zeigen z. B. Gerhard Kittels neue Bücher .Jesus und die Juden", die Probleme des palästinischen Spätjudentums und das Urchristentum, die sich scharf gegen die Versuche wenden, dem Christentum seine Eigenart durch die Inanspruchnahme einer dem Judentum grundsätzlich überlegenen Sittlichkeit zuzuweisen. Aber es hieße ja die Stellung eines Bearbeiters verkennen, wollte man von ihm die Änderung des Grundcharakters fordern; er muß ja wohl schon aus Pietät den Grundcharakter des von ihm bearbeiteten Buches unangetastet lassen und darf nur Änderungen vornehmen, die die bekannte Eigenart des Werks nicht aufheben, und er darf und muß mit dem Hineinarbeiten der neuen Forschungsergebnisse zeigen, daß die Forschung nicht stillesteht und neue Erkenntnisse Öhr Licht aufleuchten lassen. M. Dienemann. Richard Krautheimer: „Mittelalterliche Synagogen". Frankfurter Verl.-Anst. 1927. Gr.-8°. 284 S. mit 100 Abb. Brosch. 16, geb. ig UM- Die Leistungen des Judentums auf allen Gebieten der Kunst sind noch immer Neuland für den Forscher; was bisher in der Fachliteratur über dieses Gebiet erschienen ist, kann man kaum anders bezeichnen als ein Zusammentragen von Bausteinen zu einem großen Werke, dessen Fertigstellung noch Jahrzehnte beanspruchen dürfte. Während im Deutschen Schrifttum Monographien über die Bauweisen entferntester exotischer Völker nichts seltenes sind, ist die wissenschaftliche Erforschung der sakralen Bauweise jener Volksgruppe, die seit über 1000 Jahren, nur durch religiöse Anschauungen getrennt, inmitten des deutschen Volkes wohnt, vernachlässigt worden. Schüchtern bringt als Erster der Architekt C 1 a a s e n vor etwa ko Jahren Vorbilder von Grundrissen moderner Synagogen. Zehn Jahre später ist es Gurlitt, der vielseitige Kunstschrif tsteller, der im Handbuch der Architektur zuerst ein Bild über den Synagogenbau aller Zeiten versucht, während gleichzeitig die Frankfurter Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler duich Frauberger wahllos in ihren Mitteilungen Abbildungen älterer Synagogen bringt, in der richtigen Erkenntnis, dadurch das Interesse an dieser Materie zu wecken. Der Unterzeichnete hat sodann vor i5 Jahren zuerst eine Systematik dieser Kultbauten versucht und als Dissertation in Danzig eingereicht (Deutsche, böhm. u. poln. Synag.-Typen v. 12.— ig. Jh. Berlin igi5). Hierbei wurden die Synagogen mehr nach der rein baulichen Konzeption nach Typen geordnet und versucht, die Entwicklung der letzteren in ein System zu bringen. Nun versucht Krautheimer, ein von mir nur spärlich behandeltes Gebiet, nämlich die Synagogen des Mittelalters, gesondert zu behandeln und ein Bild zu geben von der baulichen Kultur des Judentums jener Zeit in ihren Beziehungen zu gleichzeitigen christlichen Sakralbauten. Er weist in tiefgründiger Art nach, wie diese Synagogen, besonders in ihrem Dekor, sich an Kirchenbauten der gleichen Städte oder Landesteile innig anschließen und dadurch ihre Abhängigkeit von gleichzeitiger deutscher Baukultur erweisen. — K. beginnt seine Arbeit mit einer sehr beachtlichen Betrachtung über Religion und Kunst; diese dürfte Fachleuten aller Bekenntnisse sehr wertvolle Aufschlüsse geben. Er behandelt die antiken Synagogen in Anlehnung an neuzeitliche Forschungen, besonders unter Benutzung des seitens der Deutschen Orientgesellschaft durch Kohl und Watzinger gesammelten hochwertigen Materials. In dem folgenden Hauptteil erläutert K. nunmehr 16 mittelalterliche Synagogen; ganz besonders eingehend aber jene zu Worms, von der er ein abgeschlossenes Bild gibt (io34 bezw. 1175). Nicht ganz so eingehend und auch nicht ebenso wissenschaftlich einwandfrei ist die Altneuschule zu P r a g behandelt, jener geradezu klassische Bau des XIII. Jahrhunderts. Obgleich nun K. in seinen Restaurationen der übrigen Synagogen dieser Zeit — sie sind seither fast durchweg verschwunden oder durch Umbauten bis zur Unkenntlichkeit des alten Bestandes entstellt — nicht immer das nötige technische Verständnis aufweist, sind seine Ausführungen für die Geschichte und Bauart dieser Bauten ungemein wertvoll und beachtenswert. Erwünscht wäre gewesen, daß K. sich eingehender 208