Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Article
- Neue Veröffentlichungen zur jüdischen Religionsgeschichte [Rezension]
- Date
- 1928-06-01
- Page
- 198 (sequence 1)
- Language
- German
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NeueVeröffentlidiungen zur jüdisdienReligionsgesdiidite Von Felix Perles Gelegentlich der Anzeige von Herfords neuem Werke über die Pharisäer *) mußte Verfasser feststellen, daß in der Wissenschaft vom Judentum die eigentliche Religionsgeschichle im Gegensatze zur äußeren Geschichte und Literaturgeschichte auffallend zu kurz gekommen sei. Desto angenehmer ist es ihm, heute gleich auf mehrere religionsgeschichtlichen Neuerscheinungen hinweisen zu können. Doch sei schon vorgreifend bemerkt, daß nur ein Teil derselben von jüdischen Gelehrten herrührt und nur eines davon in deutscher Sprache abgefaßt ist. Das nach äußerem Umfang und Größe des Gegenstandes wie nach innerem Werte bedeutendste dieser Werke ist die dreibändische Darstellung des „Judentums in den ersten christlichen Jahrhunderten" von George Foot Moore.2) Der Verfasser, der seit Jahrzehnten als einer der gelehrtesten und vielseitigsten christlichen Theologen Amerikas geschätzt ist und im Jahre 1911 als Austauschprofessor an der Universität Berlin dozierte, ist Professor für Religionsgeschichte an der Harvard-Universität. Neben seiner wissenschaftlichen Qualifikation sind es auch seine rein menschlichen Eigenschaften, die ihn als besonders berufen zur Darstellung der jüdischen Religionsgeschichte in jener vielumstrittenen Periode erscheinen lassen. Seine Vorurteilslosigkeit gegenüber dem Judentum hat er schon wiederholt bewiesen. So hat er im Februar 1923, bald nach Eröffnung des Jewish Institute of Religion in New York, sechs Gastvorlesungen über HeUenistischcs Judentum gehalten. Schon vorher hat er in einer der angesehensten Fachzeitschriften3) die bisherigen christlichen Darstellungen des Judentums kritisch beleuchtet.4) Die dort gebotenen methodischen Ausführungen zeugten von einem so eindringenden Verständnis der Aufgabe, daß man dem angekündigten neuen und selbständigen Werke des Verfassers mit begreiflicher Spannung entgegensah. Doch alle Erwartungen wurden durch die von Moore vorgelegte Leistung bei weitem übertroffen. Als Resultat mehr als 3o jähriger Studien auf diesem Gebiet wird uns hier in ruhiger, leidenschaftsloser Sprache eine weder durch Polemik noch durch Apologetik getrübte Darstellung der jüdischen Religionsgeschichtc auf Grund aller in Betracht kommenden Quellen geboten. Altes und Neues, Testament, Apokryphen und Pseudepigraphen, Jüdisch-Griechisches und Rabbinisches Schrifttum sind ihm gleich vertraut, und er gewinnt aus *•) Morgen II, 3n—3i3— Inzwischen ist auch eine gute deutsche Übersetzung des Werkes von Dr. Walter Fischel erschienen (Leipzig. Gustav Engel. 1928). 2) Judaism in the First Genturies of the Christian Era. The Age of the Tannaim. Vol. I: XII, 552 p. Vol. II: VIII, 487. Cambridge. Harvard University Press. 1927. Ein dritter Band mit Noten und Exkursen erscheint demnächst. 3) The Harvard Theological Review, vol. XlV, July 1921, p. 197—2 54: „Christian Writers on Judaism". 4) Der Aufsatz erschien auch in deutscher Übersetzung von Rosalie Perles. Ost und West. 1922: 93—102; i5i—174; 2o3—220. ig23: 19—26. 198