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Der Morgen · 1928-04-01 · Heft 1 (April 1928) · p. 105

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 1 (April 1928)
Article
[Rezension]
Date
1928-04-01
Page
105 (sequence 2)
Language
German
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Anzeigen an Moses Mendelssohn, deren skeptische Beurteilung aus seiner Antwort vom 26. JanuaT 1770 bekannt ist.) Ein Judenstaatsprojekt in Italien (Aufrufe der Juden von Livorno aus dem Jahre 1781 im Hinblick auf gewisse Zusagen Ali Beys). Das Judenstaatsprojekt des Fürsten von Ligne. Napoleons Judenstaatsprojekt (Fragwürdige Entwürfe aus der Zeit der ägyptischen Expedition). Die Judenfrage auf dem Kongreß von Aachen. Ein Judenstaatsprojekt der Dekabristen. Mordcchai Immanuel Noah, ein amerikanischer Vorkämpfer des Judenstaatsgedankens. Ein Projekt des Bernhard Behrend .aus dem Jahre i83a. Ein „König von Jerusalem" in den Jahren i83o—i83g (Mystifikation eines gewissen Friedrich Gustav Seyfart, der sich ab „Bevollmächtigter von Zion" bezeichnete). Das Jahr 18/10 (das Jahr der Damaskusaffäre, der durch Mehmed Ali hervorgerufenen Orientkrisis, der damit zusammenhängenden Palästinafrage usw.). In Beilagen werden einige der im Text verwerteten Dokumente wörtlich mitgeteilt. Anmerkungen enthalten genauere Verweisungen auf die gedruckte Literatur und auf ungedruckte Materialien. Manches von dem Inhalt dieses Buches war schon bekannt. Aber auch das Bekannte gjwinnt durch geschickte Einfügung in den esamtrahmen sehr an Wert. Vor allem aber ist die reiche Ausbeute archivalischer Forschungen dankbar zu begrüßen. In erster Linie kommen dafür die Polizeiakten im Archiv des Ministeriums des Inneren in Wien in Betracht. Daneben haben auch diplomatische Berichte und Instruktionen im Wiener Staatsarchiv wertvolle Aufschlüsse geboten. Nur auf Grund einer Polizei-Korrespondenz, die der Verfasser im Archiv der ehemaligen Polizei- und Zensurhofstelle in Wien gefunden hat, konnte er z. B. ein Bild davon geben, wie die durch den abenteuerlichen Seyfart hervorgerufene Bewegung von den staatlichen Behörden, sowie einigen jüdischen Kreisen, beurteilt wurde. Irrig ist es, wenn S. 4a auf das „politische Testament" Peters des Großen, das eine Fälschung ist, Bezug genommen, oder wenn S. 57 Nikolaus Turgenjew, zeitweise Mitglied des „Bundes der Wohlfahrt" als „geistiger Führer" der nördlichen Gruppe der Dekabristen bezeichnet wird. Zweifelhaft, schon aus chronologischen Gründen, ist S. 3a die Annahme, daß gewisse Anspielungen in den „Räubern" (Gespräch zwischen Spiegelberg und Karl Moor) unter dem Eindruck von Nachrichten über das Judenstaatsprojekt der Livorneser Juden entstanden seien. Der Vertrag vom i5. Juli i84o ist nicht, wie es S. i3i heißt, von den fünf Großmächten, sondern nur von vier (ohne Frankreich) unterzeichnet worden. S. i53 wird dem hochverdienten Lord Shaftesbury doch zu viel Ehre angetan, wenn er „der spätere führende englische Staatsmann" genannt wird. S. 291 oben hat der Druckfehlerteufel aus „Graf Rechberg" einen „Graf Rechtweg" gemacht. Rechtweg" gemacht. Alfred Stern. Efraim Frisch, Zenobi, Roman. Bruno Cassirer, Berlin. Mit der Gestalt des „Zenobi" ist ihrem Schöpfer so recht eigentlich das gelungen, was die alten Griechen ein Hermaion nannten, ein Glücksfund geschickt vom Gotte Hermes. Fix und fertig, schlank und frei tritt ein neuer Typus in die Literatur, der im wörtlichsten Sinne dem Hermes zugehört, dem Patron aller luftigen Patrone. Zenobi ist ein seltsam bunter Vogel de» Geistes, ein unkrimineller Hochstapler, wenn man ihn überhaupt mit dieser allzu massiven Erkennungsmarke zeichnen will, aber keine Domela-Natur mit zähem und robustem Selbsterhaltungstrieb. Er verspürt auch keine Lust, andern die Maske vom Gesicht zu reißen, wenn er sie selbst anlegt. Dafür ist ihm jegliche Maske viel zu teuer. Eine glitzernde Uniform, ein fescher Hut, ein zierliches Stöckchen, eine noble Geste, eine harmlose Clownerie, chevalereske Haltung gegenüber einer Dame, die pittoreske Pose des Volksredners und Armensachwalters oder gar die bravouröse Ausfallstedlung bei einem Zweikampf — wie zärtlich liebt er diese und tausend andere Masken, im Spiegel einstudiert, improvisiert oder als natürliche Reflexbewegung . marionettenhafter Zwangsläufigkeit im gegebenen Moment ausgeführt! Ist es nicht göttlich, sich wie der alte Zeus, in immer wieder neue Formen zu verstecken, sein Ich end- und zeitlos auszudehnen, im Grunde ewig zu dauern, mit keinem Ich identisch? Freilich, ein bißchen traurig macht es auch, besonders wenn man einmal unversehens sich im Spiegel sieht als „traurigen Clown, mit dem Ausdruck leeren Elends . Doch nicht daran denken, nicht den Dingen, der Welt auf den Grund kommen 105

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