Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Die Aufgaben der Enquete-Kommission
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 82 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Kurt Zielenziger Tausende von Problemen laufen also nebeneinanderher, alle Arbeiten sind noch im Fluß. Wenn sich auch schon verschiedene Ergebnisse aus der Fülle des Materials herauskristallisiert haben, so läßt sich ein endgültiges Resultat noch nicht ziehen. Es ist noch nicht möglich, festzustellen, welche Motive die Wandlungen in der Struktur der deutschen Wirtschaft hervorgerufen haben und überall die Kausalzusammenhänge aufzudecken. Die einzelnen Arbeitsgruppen der Enquete-Kommission stehen natürlich miteinander in engster Verbindung, denn ihre Aufgabenkreise überschneiden sich zum Teil. Es ist Sache des Präsidiums, das von dem Reichstagsabgeordneten Clemens Lammers und dem Prof. Dr. Bernhard Harms, Dr. Rudolf Hilf erding und Dr. Graf von Keyserlingk gebildet wird, hier stets den richtigen Ausgleich zu finden. Wir haben aber gesehen, daß die vielen verschiedenen Arbeitsgruppen das Bestreben haben, einen Idealtypus zu suchen und auf diese Weise das richtige Bild der deutschen Wirtschaft zu gewinnen. So läßt sich heute noch nicht übersehen, welches die endgültigen Ergebnisse dieser großen und vielseitigen Enquete sein werden. In der ersten öffentlichen Sitzung, die sich mit der Frage des Arbeitsplanes beschäftigte, war es Dr. Rudolf Hilferding, der in besonders tiefen Ausführungen auf die Bedeutung dieser Enquete-Kommission hinwies. Das Motto, das wir diesem Aufsatz voranstellten, entstammt auch der Rede, die er damals hielt. Er hatte recht, wenn er betonte, daß die Resultate dieser Untersuchungen in das öffentliche Bewußtsein überführt werden müssen. „Was wir in Deutschland brauchen, ist eine viel bessere Unterrichlung und viel bessere Erziehung unserer öffentlichen wirtschaftlichen Meinung." Nur auf diese Weise, so meinte er, werden wir endlich „aus dem politischen Dilettantismus herauskommen". Die Frage also, die uns deutsche Juden so oft heule bewegt: wie sich das wirtschaftliche Geschick der deutschen Juden gestaltet hat, läßt sich vorläufig aus den vielfachen Untersuchungen der großen Enquete-Kommission nicht beantworten. Denn es kann uns nicht genügen, beispielsweise aus ihren Erhebungen festgestellt zu haben, daß sich unter den deutschen Viehhändlern nur 3o<>/o Juden befinden. Diese Ermittlung ist vielleicht für manchen überraschend, aber sie genügt noch nicht, um die Wandlungen in der Bedeutung des jüdischen Elementes für die deutsche Wirtschaft einwandfrei festzustellen. Völkische und jüdische Männer sitzen in den Enquete- Ausschüssen ebenso zusammen, wie Kommunisten und Deutschnationale. Bei S2