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Der Morgen · 1928-04-01 · Heft 1 (April 1928) · p. 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 1 (April 1928)
Article
Jüdische Kult- und Kunstdenkmäler im Hessischen Landesmuseum Kassel
Date
1928-04-01
Page
24 (sequence 22)
Language
German
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Rudolf Hallo Anhang Zu den in den Tafelerläulerungen angeschnittenen Fragen wollen di<* nachstehenden Angaben einiges Material vorlegen. I. Zum Stil der jüdischen Kunstwerke Hessens muß bemerkt werden., daß er von jenem Einschuß polnischen Barocks, wie ihn Franken durch die Rückwanderung deutscher Juden aus Polen nach Chmelnilzkis Blutbädern von i(>5<> erfuhr, ganz unberührt geblieben ist. Dieser Menschenstrom wurde an Brandenburg und Hessen vorbei nach jNorden (bis Hamburg) und Süden abgelenkt. Ein Wilnaer Jude wie der Formslecher im landgräflichen Eisenwerk Veckerhagen, der 1676 gelauft wurde, gehört hier zu den Ausnahmen. Größer schon war die Zahl der Gelehrten, die man aus den blühenden Schulen des Ostens aufnahm: das Kirchhainer Memorbuch von 1773 gedenkt eines solchen: Mose Aschkenas, d. h. der Deutsche, von Wilna, Rabbiners von Hessen. Hollands Einwirkung auf unser Gebiet durch die Graphik seiner Gebelbücher und Haggaden von 1700 ab kann hier nicht untersucht werden. Auch der Einfluß der französischen Juden, die sich im Mittelalter vor den königlichen Austreibungen nach Mitteldeutschland zurückzogen, ist noch kaum abzuschätzen. Eine dieser Emigran lenfamilien ging im Fulder Marlvrium von 1236 zugrunde, für einen „Walch'" ist noch der Schutzbrief von i3qq ausgestellt. Wie stark andererseits innerdeutsche oder allgemeinwesteuropäische SUmwandlungen auf jüdische Kunst wirkten, lehrt eine vergleichende Betrachtung des jüdischsten in ihr: der hebräischen Kunstschrift. Hebräische Ouadralbuehslaben sind in der Gotik so gotisch wie im Rokoko rokokohaft gestaltet; ihrer innersten Wesensart entspricht aber am meisten der Stil des auswägend harmonisierenden Klassizismus, das block- und standhafte antiker Epigraphik. II. Unter die staatspädagogische Vorbereitung der Emanzipation gehört vor allem die landesvälerliche Öffnung der Hohen Schulen für die Jugend, der Näh- und Strickschulen für die jüdischen Mädchen, der großen Kunstsammlungen für alle Untertanen — Raspe hat am 22. VIII. 1769 als zweiten Besucher der Bibliothek den „Jude Deritz von Rodenberg nebst Vater und Mutter" verzeichnet, und schon um 1700 war Salomon Haase aus Worms, der Zögling von Leibniz Schüler Raphael Levi, Universilätsrechenmeister in Marburg! Diese Zulassung zu den Quellen der allgemeinen Kultur hat mehr Früchte getragen als alle erzwungenen Porzellanverkäufe und dergleichen an die „mit Schutz begnadigt werdenden Juden"., wie sie 1797 nach Berliner Muster versucht wurden. Freiwillig kauften sie ohnehin» und wenn 1778/80 unter den Käufern der herrschaftlichen Fabrik zwischen dem Beamlenadel, dem Landgrafen und der Familie Tischbein der Jud Hirsch aus Hildesheim erscheint, so wirft das ein Schlaglicht auf die noch unerforschte Soziologie solcher fortschrittlichen Kullurinstitulionen. an denen immer wieder die 24

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