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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 669

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
[Rezension]
Date
1928-02-01
Page
669 (sequence 1)
Language
German
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Anzeigen Alfred Wiener: Kritische Reise durch Palästina. (Jüdische Siedlung und Wirtschaft I) Berlin 1927, Philo- Verlag. Mit i3 Karten und Zeichnungen. i56 Seiten. Gegenüber gewaltsamer Aufblähung einer Sache und Verdeckung ihrer Mängel durch künstliche Rauchentwicklung ist es befreiend und eine Wohltat, wenn beregte Sache einmal in ihrer wahren Gestalt gezeigt wird. Dies, für das zionistische Palästina geleistet zu haben ist das große Verdienst dieser Schrift. Die zionistische Propaganda macht seit Jahrzehnten für dieses Land einen Lärm, als wenn 0« sich mindestens um die Entdeckung, Eroberung und Besiedelung eines Erdbeiles handelt, gerade so wie Theodor Herzl (dessen hittterlassene Tagebücher übrigens für seine Idee vernichtend sind) seine Zeitung gleich „DieWelt"( I) nannte. Die Agenten, an der Spitze der Großmeister Chajim Weizmann, durchziehen Jahr für Jahr die Länder und sammeln gewaltige Summen, wovon freilich ein sehr ' großer Teil auf Propaganda und Verwaltung geht. Noch niemals in der Weltgeschichte ist ein Land auf diese Weise kolonisiert worden. Was darüber geschrieben worden ist, ist so unermeß-> lieh, daß bereits jeder Fußbreit mit Strömen von Tinte getränkt ist. Dabei machen sich die Wenigsten eine klare Vorstellung von den wahren Größenverhältnissen und den wirklichen Zuständen. Dr. Wiener, Syndikus des Zentral Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, hat Palästina bereits fünfmal besucht und zuletzt (Frühjahr 1926) 35 Tage kreuz und quer durchreist. Das vorliegende Buch ist ein Bericht über $einc. Studien, Beobachtungen und zahlreichen Protokolle. Im ersten Teil schildert er die allgemeinen und persönlichen Schwierigkeiten der Palästinaerkenntnis. Die zionistische Leitung legt ein besonderes Gewicht auf die geeignete Informierung" prominenter Reisender, und schon wenn sie ans Land steigen, sind alle Stellen „entsprechend" unterwiesen. Der zweite. Teil des Buches, Grundlagen der Palästinaerkenntnis, unterrichtet über vorgestellte und wirkliche Größe des Landes, jüdischen und nichtjüdischen Bodenbesitz, die Bevölkerungsgliederung, die Rothschild- und JCA-Arbeit in Palästina. Wie groß stellen Sie sich eigentlich das Land vor? Nun, es mißt ca. 23 000 qkm. Was das besagen will, mag man sich an dem Verhältnis zu Deutschland, das .427 000 qkm groß ist, vorstellen. Wer da liest, es seien einige Tausend Dunam erworben worden, denkt wunder wie viel das sein mag. Aber der Dunam ist noch nicht, ein Drittel preußischer Morgen! Der bekannte Pariser Platz zwischen dem Ausgang der Straße Unter den Linden und dem Brandenburger Tor in Berlin mißt 15 Dunam. Das Mandatsgebiet ist ca. 20 Millionen Dunam, davon ist jüdischer Besitz nicht mehr als eine Million. Der jüdische Siedlungsbesitz in Argentinien ist sechseinhalbmal, der in Südrußland viereinhalbmal so groß. Die auf argentinischem Boden errichteten Kolonien zählten Ende 1926 eine jüdische Bevölkerung von 5848 Familien mit 33 124 Seelen, in Südrußland wurden im Laufe der Jahre 1925/26 sogar 10 570 Familien auf einer Fläche von über 1800 qkm angesiedelt. Dabei sind diese Länder zur Besiedelung unvergleichlich geeigneter. Palästina ist ein armes Land und leidet an so großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, daß beständig das Gespenst der Arbeitslosigkeit droht und schon seit Jahren eine nicht unbeträchtliche Rückwanderung zu verzeichnen ist, die noch einmal eine Kalamität für die Judenheit werden kann. Das Ziel der Auswanderung wird stets durch die Möglichkeit für Prosperität bestimmt. Der Anteil Deutschlands an der palästinischen Einwanderung beträgt nicht mehr als i,3%. und in der Stadt 669

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