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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 592

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Jüdische Wanderungen
Date
1928-02-01
Page
592 (sequence 7)
Language
German
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Michael Traub Mit der rapiden Verarmung der Absatzmärkte und Verminderung oder gänzlichen Vernichtung der beruflichen Betriebsmittel wurde vielfach der Schneider zum Trödler, der Schuster zum Pedler, der Handwerker zum Luftmenschen. Auch der normalerweise seinem Gewerbe nachgehende Jude wurde in Zeiten völliger Erwerbslosigkeit zum Makler und Gelegenheitshändler, der seine jeweilige „Geschäfts-Branche" den momentanen Anforderungen des umgebenden Marktes anpaßte. Es war mehr ein Entwurzelungsals ein Umschichtungsprozeß, der während dieser Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegsjahre innerhalb des osteuropäischen Judentums vor sich ging und manche Schichten der judischen Bevölkerung Osteuropas zu Parasiten am Wirtschaftskörper ihres Aufenthaltslandes stempelte. Die jüdischen Luftmenscheri sind durch den ständigen Zuzug erwerbslos werdender Elemente immer zahlreicher, ihre Verdienstmöglichkeiten immer geringer geworden. Auch die wenigen Nutznießer einer vorübergehenden Konjunkturwirtschaft konnten aber an der Tatsache nichts ändern, daß der größte Teil der aus ihren ehemaligen Wirtschaftspositionen verdrängten Juden gegen Ende des Krieges wirtschaftlich ruiniert war. Es fehlen uns genaue statistische Angaben, um feststellen zu können, inwieweit das berufliche Gesamtbild der jüdischen Bevölkerung Osteuropas sich während des letzten Jahrzehnts geändert hat In manchen Fällen war der vollzogene Berufswechsel zweifellos von kurzer Dauer. Man bediente sich der Zufallsgeschäfte lediglich als Notbehelf und kehrte bei eintretender normalerer Wirtschaftslage zum alten Gewerbe wieder zurück. Vielen blieb aber der Weg zu ihrem früheren Berufe gesperrt So vollzog sich notgedrungen (wenn auch häufig nur vorübergehend) eine soziale Umgruppierung, deren Auswirkungen wir in den Berufstabellen der jüdisch-amerikanischen Einwanderung wiederfinden. Der Prozentsatz gewerblich Vorgebildeter unter den jüdischen Einwanderern verminderte sich, während die Zahl der Händler, unqualifizierter Arbeiter und Dienstboten sich zusehends vermehrte. Die amerikanische Immigrationsstatistik unterscheidet drei Kategorien erwerbstätiger Einwanderer: Angehörige freier Berufe („professional"); gewerblich Vorgebildete („skilled"), zu denen neben den Gewerbetreibenden auch die Handelsangestellten („clerks and accountants") gehören und Angehörige diverser Berufe („miscellaneous"), zu denen hauptsächlich Landwirte und Erdarbeiter, Handeltreibende und Angehörige verwandter Berufe, unqualifizierte Arbeiter („laborers") und Dienstboten zu rechnen sind. Die Einreihung 592

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