Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1927)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1927-12-01
- Page
- 545 (sequence 2)
- Language
- German
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Anzeigen seine kritische Auseinandersetzung mit dem monarchischen System des persönlichen Regiments, positiv dagegen ist seine logische Rechtfertigung des im parlamentarischen Volksstaat verwirklichten nationalen Einheitsstaats. Zuerst übt er scharfe Kritik an dem Bismarckschen Konstitulionalismus, denn selbst Bismarck ist ihm kein Dogma; er verurteilt den politisch bankerotten Feudalismus sowie die preußische Geschichtslegende; er unterstreicht dagegen die parlamentarischen Ansätze in der Stein-Hardenbergschen Reform. Im Mittelpunkte stehen natürlich die grundlegenden Arbeiten zur Begründung und Verteidigung der Weimarer Verfassung: Die im Sommen 1917 entstandene Denkschrift über eine legitime Verfassungsänderung wird hier zum ersten Male mitgeteilt. Ein Geleitwort von Theodor Heuß entwirft in geistreich-epigrammatischen Sätzen ein Bild des persönlichen und politischen Freundes, indem es die Größe seiner Persönlichkeit in der aufopferungsvollen Hingabe an Staat und Volk verstehen lehrt. Fritz F r i e dl a e n de r. Karl Camillo Schneider: Euvitalistische Biologie (zur Grundlegung der Kultur), München, Verlag von J. J. Bergmann, 1926. Dieses Buch will wirklich das leisten, was der Titel verspricht. Es durchmißt zu diesem Zweck alle Bezirke der Biologie, nimmt aber auch Stellung zu physikalischen Problemen wie Raum, Äther, diskutiert den Zeitbegriff», bezieht die okkulten Phänomene mit ein, um von der Biologie aus und dem im Gegensatz zur Natur im Leben vorhandenen Weltverwandlungstrieb zu neuer Erkenntnis und Lebensauffassung sowie -gestaltung zu kommen. Sehr interessante Erörterungen zu den Fragen der individuellen und Stammesentwicklung (mit Begriffsscheidungen wie Aszendenz und Deszendenz, Orthogenese usw.), über das männliche und weibliche Prinzip, Einteilungen wie: Protisten als Wachstums-, Pflanzen als Entwicklungs-, Tiere als Handlungs- und Menschen als Erfahrangsorganismen fesseln den Leser. Das Werk gipfelt darin, daß die Phylogenie ziemlich erschöpft ist und eine neue Entwicklung nur durch Entfaltung eines neuen Bewußtseins möglich sein wird, das Schneider Entwicklungsbewußtsein nennt. Darin versteht er die Erkenntnis, daß wir uns nicht so sehr als Individuen denn als werdendes Allgemein(Welt-)subjekt erfassen müssen. Das Buch leidet unter einer auffallenden Überschätzung der eigenen Gedankengänge, die bei aller Kühnheit und auch Originalität doch oft bedenklich spekulativ sind und sich von gesicherter Erfahrung und vorsichtiger Auswertung der naturwissenschaftlichen und psychologischen Tatsachen recht weit entfernen. Dem steht eine durchaus strenge Kritik der Theorien anderer Autoren gegenüber, die weder deren Verdiensten noch Bedeutung gerecht wird. Dabei unterlaufen willkürliche Interpretationen und selbst Mißverständnisse, die einfach den Tatsachen nicht entsprechen. Drieschs Verhältnis zu Bergsons Freiheitslehre ist durchaus verkannt» Ohne genügende Selbstkritik ist auch das Urteil über Drieschs vorsichtig abwägende Haltung zur Phylogenese — kein Resultat seines nicht genügend leistungsfähigen Vitalismus;, sondern seiner Tendenz, den Vitalismus streng zu erweisen. Diesen Unterschied zwischen Drieschs und seinen eigenen Absichten übersieht Schneider. Auch was über Drieschs Stellung zum Finalismus gesagt wird, ist kein Beweis tiefen Eindringens in Drieschs Lehre von der Ganzheit und seine Scheidung zwischen Naturtheorie und Psychologie. Dennoch ein sehr anregendes Werk, das vor allem des religiösen Klanges nicht entbehrt. Oskar Wolfsberg. D. J. Bornstein: Einführung in das Hebräisch der Gegenwart (Methodische Texte und Erläuterungen) Berlin 1926. Verlag der Jüdischen Rundschau . Im Jahre 1879 sagte ein in Paris lebender jüdischer Student aus dem Osten in einer hebräischen Zeitschrift an, die hebräische Schriftsprache — die Sprache der Bibel, des Talmuds, der mittelalterlichen spanischen Dichter und Philosophen und der in den Fußtapfen dieser Stilarten wandelnden jüngeren literarischen Erscheinungen — zu einer Umgangssprache zu machen. Er selbst begann, sich mit seiner Umgebung hebräisch zu verständigen, verpflichtete seine Frau zu hebräischer Konversation und Kindererziehung und wanderte schließlich nach Palästina aus, wo ihm der Boden für seine Bestrebungen günstig erschien. Dieser Mann war Elieserben Jehuda 546