Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Lasalle's letzte Tage
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 446 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Erna Buschmann: Lassalle's lelzte Tage Er trifft sicher"), flammt der Sinn seines Lebens noch einmal auf. Die Wucht und Schwere dieses Fluches ist zu groß, um ihn als persönliche Rache ansehen zu dürfen. Im Sinken seines Gestirns faßt er darin noch einmal den glühenden Haß seines Lebens gegen alles Falsche, Kleine, Unwahr-Gebundene zusammen, und wenn sich der Fluch an Helene von Dönniges und ihrem Verlobten erfüllte, so möchten wir dies als einen späten Kranz des Sieges deuten, den das Schicksal auf das Grab des leidenschaftlich Gerechten wehte. Man müsse einem Menschen innerlich nahestehen, wenn man sich anmaße, über ihn zu arbeiten, meint Eduard Bernstein, als er seine eigene Einstellung zu Lassalle zur Zeit der ersten Herausgabe seiner Werke kritisiert. Diese Forderung erfüllt die Herausgeberin in vorbildlichem Maße. Die Art der Zusammenstellung, die Geschichte der Veröffentlichungen über Lassalle's Tod und der psychologische Deutungsversuch im Anhang sind bei aller wissenschaftlichen Exaktheit getragen von dem Respekt vor der gestellten Aufgabe, hinter der die Verfasserin selber zurücktritt. Die Herausgabe stellt sich dadurch als ein besonders erfreulicher Abschluß aller Veröffentlichungen über Lassalle's Tod dar, die gerade das vermissen lassen, was den Wert der Arbeit der Frau Ina Bridschgi-Schimmer ausmacht. Das Jüdische Schulwesen in den Baltischen Randstaaten Zugleich ein Beitrag zur Frage der Minderheitenrecnte und Minderheitensthulen Von Paul Michaelis Die Schlagworte „Minderheitenrechte" und „nationale (kulturelle) Autonomie" sind heute in vieler Leute Munde und finden sich immer wieder in der Tagespresse, in Zeitschriften und in Versammlungen. Doch sind sich die wenigsten Leser und Hörer, vor allem in Deutschland, darüber klar, was darunter zu verstehen ist, und wie eine kulturelle Autonomie beschaffen sein muß. Deutschland hat besondere Veranlassung, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen, wenn man bedenkt, daß über 3o Millionen Deutsche außerhalb der deutschen Grenzen leben. Deutschlands Eintritt in den Völkerbund ist schon deshalb notwendig gewesen, damit es vor dieser überstaatlichen „Gesellschaft der Nationen" für die zahlreichen deutschen Minderheiten im Ausland wirksam eintreten kann. Auf dem vorletzten Minderheitenkongreß (Aug. 1926) in Genf, auf dem 3i nationale Minderheiten zu i4 verschiedenen Staaten gehörend, vertreten waren, spielte das Deutsche geradezu die „Sprache der europäischen Verständigung"; denn die Vertreter der Minderheitenbewegung, die man als eine ost- und mitteleuropäische Angelegenheit betrachten kann, sprachen fast alle deutsch, da es die in Ost- und Mitteleuropa verbreitetste und von fast allen verstandene Sprache ist. 446