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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 343

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
[Rezension]
Date
1927-08-01
Page
343 (sequence 2)
Language
German
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Anzeigen machens bis in letzte verhüllte Lebensgründe hinein ist Prinzhorn klar, aber zugleich' ist er überzeugt, daß dies Bewußtmachen einstweilen der einzige gangbare Weg ist, die am Überfluß einer oberflächlichen und losgerissenen Bewußtheit krankende Welt wieder in die Tiefen des Unbewußten hinabzuführen und die mit den Elementen des Seins entzweite Seele wieder in den Urgrund des Lebens einkehren zu lassen, in dem die Versöhnung der entzweiten Seelen- und Wirklichkeitskräfte ursprünglich gegeben ist. Denn nicht blind auflösen und zerstören darf die Analyse, sondern eben die tiefe schöpferische Fruchtbarkeit des dem bloßen Verstände Verhüllten soll sie offenbaren. Alles hängt darum daran, zu erkennen, welches Maß von Bewußtsein ein Mensch erträgt, ohne daran zu Grunde zu gehen. Nicht mehr darf durch die Analyse aufgelöst werden, als man durch Besseres ersetzen, d. h. als der -Analysierte selbst schöpferisch verarbeiten kann. „Führt sie nicht zu den Müttern, so ist sie Frevel" schließt Prinzhorn zusammenfassend seine Betrachtungen. So wird die Analyse, die Urfeindin alles Schöpferischen, hier zum Weg, zum schöpferischen Urgrund des Lebens selbst umgedeutet, und so fließt zuletzt das Ziel des Arztes mit dem des Dichters und mit dem der Frau zusammen. Prinzhorn sieht nur Einen, dem dies Ziel zu erreichen in unserer Zeit ohne den dornigen Umweg der Psychoanalyse gelungen ist: Ludwig Klages. Auf ihn als auf den Künder der schöpferisch-sinnvollen leibseelischen Ureinheit des Lebens verweist er immer wieder. Aber wenn wir hinter Klages und seiner Anschauung deutlich den Umriß der großen Gestalt des Dichters und Sehers emportauchen sehen, der im heutigen verworrenen Leben das lebt und in die Klarheit der Gestalt einbildet, was Klages nur im Dunkel des Ursprungs schaut, so fühlen wir erst recht den gewaltigen Abstand unserer Zeit von dem, der sie mit aller zerstörenden Tragik aus den Tiefen persönlicher Schöpferkraft zu überwinden vermochte; und wir erkennen mit Prinzhorn für die Mehrzahl der dumpf leidenden heutigen Seelen die Notwendigkeit eines Führers, der ihre Not aus dem eigenen leidvollen Verständnis des Heutigen zu wenden vermag. Und indem wir dabei wieder mit Prinzhorn die Notwendigkeit der Auflockerung, Erweiterung und zuletzt der Überwindung der noch zu starren psychoanalystischen Methoden erkennen, und begreifen, daß sie nur Versuch und Übergang sind, erkennen wir zugleich, wie damit ein immer schwereres Gewicht allerpersönlichster Verantwortung auf die Schultern des Arztes und Führers herabsinkt. Und so wäre dies die größte und wahre Rechtfertigung der Psychoanalyse: daß durch sie nicht nup die ärztliche Kunst vertieft und bereichert würde, sondern daß ein neuer tief verantwortlicher Typus des Arztes, wie ihn unsere Zeit bedarf und wie wir ihn in diesem Buch umrissen sehen, aus ihrer Einbeziehung und Überwindung hervorginge . Margarete Susman. Die Schrift. Zu verdeutschen unternommen von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig. Berlin, Verlag Lambert Schneider. Das Buch: Er rief. Das Buch: In der Wüste. Von Martin Bubers und Franz Rosenzweigs neuer deutscher Bibelübersetzung liegen in rascher Aufeinanderfolge das dritte und vierte Buch Mose vor. Grundlegendes über das gewaltige Beginnen dieser neuen Verdeutschung der Bibel ist in dieser Zeitschrift in Heft 6 des i. Jahrganges und in Heft i des 2. Jahrganges von Richard Koch und Franz Rosenzweig selbst bereits gesagt. Anstatt auf das Einzelne der Verdeutschung dieser zwei Bücher, sei es zustimmend, sei es kritisch, einzugehen, sei* lieber nochmals die Leitidee der gesamten Übersetzung, soweit sie bereits vorliegt und soweit sie geplant ist, genannt. Den beiden Übersetzern, ausgezeichnet durch Kenntnis des Hebräischen und seines Sprachgeistes und gleich ausgezeichnet durch die Meisterschaft 'in der Gestaltung des deutschen Stils und die Kraft der Sprach- und Wortschöpfung, schwebte vor, eine Bibelübertragung zu schaffen, die nicht nur sinngemäß die Worte der Bibel wiedergibt, sondern die die Eigentümlichkeit der Satzbildung, des Rhythmus und der Wortstellung des hebräischen Urtextes im Deutschen nachahmt, die im einzelnen Wort auch die besondere Färbung nach Möglichkeit aufleuchten läßt, die die Worte im Urtext haben. Zugleich aber soll ein deutsches Bibelwerk erstehen, das die bei einer solchen Verdeutschung neugeschaffenen deutschen Worte dem Schatz der deutschen Sprache, ihn mehrend, hinzufügt, die Sprache damit aus dem heiligsten Besitz der Welt bereichert und die Bibel in diesem Gewand zum erneuten Seelenbesitz der deutschsprechenden Menschen macht. Ob 343

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