Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 239 (sequence 2)
- Language
- German
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Anzeigen Gießen, den Artikel „Antisemitismus" verfaßt. Nach einer sachkundigen historischen Einleitung prüft er zuerst das Verhältnis zwischen arischer und semitischer Religion. Die Unterscheidungsmerkmale, wie sie etwa bei H. St. Chamberlain vorgetragen werden, sieht man darin, daß die indo-arische Religion innere Gemütserfahrung frei von Geschichte und Zeit antirationalistisch, mystisch und von reinen Formen sein soll, wohingegen die jüdische Religion egoistisch, materialistisch, fanatisch, werkheilig, gesetzlich, von Furcht beherrscht und kulturell roh sei! Diese Gegenüberstellung, schreibt Frick, „schlägt den Tatsachen ins Gesicht". Es sei klar, „daß das Christentum bei aller Unterschiedenheit vom Judentum doch nur auf dessen Boden entstehen konnte und als Vollendung der prophetischen Offenbarungsreligion des Alten Testaments begriffen werden muß". Über die Frage der Rassenzugehörigkeit Jesu schreibt Frick: „Die Behauptung, Jesus sei kein Jude gewesen, ist nichts weiter als eine der biblischen Überlieferung widersprechende Annahme, die sich zumal in der Form, er sei arischen Geblütes, als eine reine petitio principii herausstellt .. .." „Grundsätzliche Tragweile kommt der Frage überhaupt nur dort zu, wo man den Geist zu einer Funktion des Blutes herabetzt." Zur Bedeutung des Alten Testaments für das Christentum und zu der Frage der ganzen oder teilweisen Beseitigung des Alten Testaments aus dem kirchlichen Lehrstoff, heißt es in dem Artikel: „Das Alte Testament ist klassischer Stoff für uns, und der Christ bedarf seiner, weil es die Bibel Jesu und der Urchristenheih gewesen ist. Das Alte Testament abschaffen, hieße soviel, wie sich des Verständnisses für das Werden unsrer Religion und der Heilsbedeutung des Neuen Testaments berauben." Frick lehnt den heutigen Antisemitismus aus ethischen und religiösen Gründen ab. „Religiös muß der Christ es ablehnen, Geist und Glaube zu Funktionen des Blutes herabwürdigen zu lassen. Er wird sich umgekehrt zur Herrschaft des Geistes bekennen und deshalb für die Ideen der Toleranz, Gleichberechtigung und allgemeinen Menschenwürde zugunsten des jüdischen Mitbürgers eintreten, sich in praktischer Arbeitsgemeinschaft mit religiös-ethischen und philosophisch-idealistischen Kreisen des Judentums zu gemeinsamem Kampf gegen Irreligion und Unmoral verbunden wissen ..." Die Fricksche Abhandlung steht in der 7. Lieferung. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß die zweite Auflage des Handwörterbuchs „Die Religion in Geschichte und Gegen-, wart" wiederum in fünf Bänden von je 5o bis 60 Druckbogen im Erscheinen begriffen ist. Der Gesamtumfang wird daher 300 Druckbogen nicht überschreiten. Die Ausgabe erfolgt in Lieferungen zu je drei Bogen. Es sind bis jetzt sieben Lieferungen erschienen. Bis Ende ig3i ist mit dem Abschluß des Werkes zu rechnen. Eine einfache Lieferung von drei Bogen zu je 16 zweispaltigen Seiten kostet in der Subskription Mk. 1.80. Einzelne Lieferungen oder Bände werden nicht abgegeben. Aus dem Kreis der Mitarbeiter seien genannt: Dibelius-Heidelberg, Gunkel-Halle, Baeck-Berlin, Elbogen-Berlin, Fiebig-Leipzig, Titius-Berlin u. a. m. Einer besonderen Empfehlung bedarf dieses Standard-Work nicht. J.G. Karge Rephaim, die vorgeschichtliche Kultur Palästinas und Phöniziens. XVI und 755. Zweite unveränderte Auflage. Paderborn 1925 bei Ferdinand Schöningh. Dies monumentale Werk, der erste Band der Collectanea Hierosolymitana, Veröffentlichungen der wissenschaftlichen Station der Görres-Gesellschaf t in Jerusalem, ist ein wahrer Thesaurus der bisherigen prähistorischen Forschung in Palästina, an der der Verfasser dank einem mehrjährigen Aufenthalt im Lande an hervorragender wissenschaftlicher Stelle einen wesentlichen Anteil hat. Das ganze, weit verstreute Material überblickend und es durch zahlreiche Abbildungen veranschaulichend, bespricht er die Spuren der steinzeitlichen Kulturen in ihrer Abfolge und behandelt besonders ausführlich die palästinische Megalithkultur, die sogenannten Dolmen, die er überzeugend ab Gräber, Totenhäuser und Mittelpunkte des Totenkultus deutet. Die Erbauer dieser oberirdischen Großsteingräber waren lange vor 3ooo v.Chr. die vorsemitischen Urbewohner; die volkstümliche Antwort aber lautete: es war das Volk der in diesen Riesengräbern ruhenden Totengeister, die Rephaim, die Riesen der Urzeit. Vorsichtig und eingehend wird der sich aus diesen Bauten und den allerdings seltenen Beigaben ergebende Glaube jener 239