Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 238 (sequence 2)
- Language
- German
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Anzeigen delt 'der Verfasser, wi6 mich dünkt, den hier aus psychologischer Perspektive mit Nietzsche verglichenen Dichter doch zu milde. Jedenfalls führt es irre, wenn er sich dessen verleumderische Behauptungen mit den Worten aneignet: „Er hatte intime erotische Beziehungen Börnes, der allgemein als Held der Tugend galt, der Öffentlichkeit preisgegeben." Der Raum verbietet auf andere Einzelheiten der Arbeit Friedländers einzugehen, so vieles sich über manche seiner geistreichen, mitunter etwas abgelegenen Betrachtungen noch sagen ließe. Genüge es, mit dem Satz zu schließen, in dem er „die wunderbare Einheitlichkeit" des öffentlichen Wirkens Gabriel Rießers vortrefflich zusammenfaßt: Von seinen ersten literarischen Waffengang für die deutsche Judenemanzipation bis zu seiner erbkaiserlichen Gefolgschaft wie überhaupt seinem inbrünstigen Ringen um die deutsche Reichseinheit sind es immer wieder die großen liberalen Zeitideen der Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit, die ihn anspornen und hochhalten." AlfredStern. Richard Falckenberg: Geschichte derneuenPhilosophie von Nikolaus von Knes bis zur Gegenwart. Neunte Auflage. Verbessert und ergänzt von Prof. Dr. E.vonAster, Gießen. 750 Seiten. Walter de Gruyter & Co., Berlin und Leipzig 1927. Brosch. Mk. 18.—. Die erste Auflage dieser vortrefflichen Geschichte der neueren Philosophie ist im Jahre i885 erschienen. Sie hat seit dieser Zeit neun Auflagen erlebt — ein gutes Zeichen für die Gediegenheit ihrer Darstellung. Die besonderen Vorzüge des Buches liegen in der klaren und anmutigen Schreibweise, in der Verlebendigung abstrakter Probleme, in der gewissenhaften und sorgfältigen Berücksichtigung alles dessen, was die Fülle des Stoffes erfordert. Das Werk ist gleicherweise für den Gelehrten' wie für den Liebhaber der Philosophie bestimmt. Die vorletzte achte Auflage hat Falckenberg selbst nicht mehr erlebt, Rudolf Eucken hat sie 1921 mit einem Begleitwort der Schätzung und Verehrung der Öffentlichkeit übergeben. Frau Geheimrat Falckenberg und der Verlag haben die heute vorliegende neunte Auflage dem Ordinarius für Philosophie an der Universität Gießen, Prof. von Aster, übertragen. Er ist dabei mit der größtmöglichen Pietät verfahren und hat nur notwendige Ergänzungen, die sich aus den inzwischen veröffentlichten Forschungen ergaben, vorgenommen. Eine völlige Umarbeitung und wesentliche Erweiterung hat die Philosophie der Gegenwart erfahren. Prof. von Aster hat durch diese vortrefflich geleistete Arbeit den Wert des Werkes wesentlich erhöht. Neben den deutschen sind auch die Hauptdenker des angelsächsischen und romanischen Kulturkreises in erheblichem Maße berücksichtigt; die sorgfältig ausgewählten Literaturangaben bieten dem Leser die Möglichkeit weiteren Studiums. J. G. JohannesScherr: Illustrierte Geschichte der Weltliteratur. Elfte neubearbeitete Und bis auf die neueste Zeit ergänzte Auflage von Dr. Ludwig Lang u. a. Verlegt bei Diek & Co., Stuttgart. 2 Bände. Richard M. Mever hat dieses Werk „die beste Übersicht der Weltliteratur, die wir haben" genannt. Auf den fast 900 Seiten finden sich die wichtigsten Daten der Literatur aller Völker, eine große Zahl vortrefflicher Porträls und Faksimiles von Handschriften. Bemerkenswerte Titelbilder und andere aufschlußreiche Denkmäler der Literaturgeschichte erhöhen den Reiz des Werkes und fesseln den Leser. Druck und Ausstattung machen dem Verlag alle Ehre. Die geistigen Grenzen eines solchen Werkes sind natürlich durch die Aufgabe gegeben, eine Oberfülle des Stoffes in zwei Bände von je 45o Seiten hineinzupressen — über Stichworte und Stichproben kommt man dabei nicht hinaus. Aber man würde Scherr und dem neuen Herausgeber Unrecht tun, wollte man diese Feststellung als einen Tadel aussprechen. Man möchte nur den Wunsch haben, daß in späteren Auflagen stilistisch nicht einwandfreie Wendungen wie „auf selten künstlerischer Höhe stehen ... die Romane von Thomas Mann" nachgeprüft werden, daß allzu obenhineilende Urteile wie das über Vaihingers Werk „Philosophie des Als-Ob" (es gebe ein „zugkräftiges Schlagwort") vermieden werden. Aber das sind nur Kleinigkeiten, die dem Wert des Ganzen keinen Abbruch tun. J. GA Antisemitismus. In der zweiten, völlig neu bearbeiteten Auflage des Handwörterbuches „DieReligion in Geschichte und Gegenwart"hat Prof. Dr. Heinrich Frick, Ordinarius für systematische Theologie an der Universität 238