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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 625

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
[Nachricht] / J.
Date
1927-02-01
Page
625 (sequence 2)
Language
German
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Anzeigen Kongresses die Gleichstellung der Juden durchzusetzen. Wie jedes Heft der Monatsschrift, so enthält auch dieses eine Übersicht über neue Forschungen auf einem wichtigen Gebiete jüdischer Wissenschaft; diesmal gibt Professor Bernhard Heller einen Bericht über bedeutende Erscheinungen auf dem Gebiet der Midraschf orschung. J. Zwei Erzählungsbücher von KarJ Lieblich. Karl Lieblich hat in zwei Büchern („Die Traumfahrer", 1923, und „Die Welt erbraust", 192 U, beide Verlag Eugen Diederichs- Jena) Geschichten von menschlicher Leidenschaf t geschrieben. Das führt ihn im ersten Buch in die Historie, im zweiten mehr zu den Affekten bürgerlichen und privaten Lebens. „Thomas Münzer" und „Der Kinderkreuzzug" zeigen sich noch wesentlich bestimmt durch die besondere Methode expressionistischer Einfühlung in historische Gestalten und Passionen: aus der Verwandtschaft der expressionistischen Ichbefangenheit zu aller illusionären, monologischen Besessenheit ergibt sich die Möglichkeit, den Wahn des Bauernpropheten und die begeisterte Tollheit der kindlichen Kreuzträger aus größter Nähe mitzuerleben. Es ist kein Zweifel, daß Karl Lieblich eine bemerkenswerte Gabe zu Bild und Farbe besitzt; aber jene Nähe am monologischen Irren wirkt schwül und kränklich, der leistungsfähigen Phantasie, der reifen Sprache fehlt noch die zureichende geistige Führung. Ohne haltbares, nüchternes Urteil über Möglichkeiten und Grenzen der Menschheit ist weder Geschichte noch geschichtliche Erzählung zu schreiben. Offener, weniger von Brunst und Traum vernebelt und menr zum objektiven Bild strebend stellt sich die Welt im zweiten Buche des Verfassers dar. Überwiegend tritt zwar auch hier dämonische Gebundenheit hervor; immerhin wird sie in einer gewissen Fassung und Distanzierung gezeigt; in einer Fassung, die, wie sich schon aus der Schreibweise ergibt, angelehnt scheint an die Art, in der Kleist dämonische Ereignisse und Personen vorgetragen hat. Man ist deshalb hier freier in der Würdigung der schönen Mittel, die dem Dichter zu Gebote stehen, der Bildlichkeit, der klaren Sprache, der lyrischen Empfindung. Man wagt nicht zu sagen, daß diese Mittel dem Dichter schon völlig zu eigen gehören, öfters schlägt ein an- gelesenes sprachliches Ornament durch; das Wort kommt nicht unverstellt daher; man merkt eine Rhythmik, einen Anschauungsstil, die von älteren Modellen übernommen scheinen. Aber da der schreibende Mensch ja doch irgendwo anfangen muß, ist es kaum zu umgehen, daß er zunächst einmal an gegebene Idiome anknüpft, und für solche Anfangsstadien ist wohl die Frage der Originalität von der Frage der Begabung zu trennen. Die letztere entscheidet sich meiner Meinung nach zu des Verfassers Gunsten. Wilhelm Michel. Offenbacher Haggadah. Im Selbstverlag von Rechtsanwalt und Notar Dr. Guggenheim erscheint demnächst von ihm herausgegeben, eine Offenbacher Haggadah. Sie wird darum diesen Namen führen, weil der Bearbeiter eine bekannte Offenbacher Persönlichkeit ist und weil die an der Drucklegung Mitwirkenden zu dem rühmlichst bekannten Kreise der Offenbacher Künstlerschule gehören. Die Haggadah wird von der überkommenen Textgestaltung insofern abweichen, als der Herausgeber zwar an den überlieferten Text sich anlehnt, aber über ihn hinaus selbständig allerhand Erklärungen und Bemerkungen über jüdische Lehre und jüdisches Denken einfügt, um dadurch den am Fest Teilnehmenden ein gerundetes Bild jüdischer Frömmigkeit zu geben. Sie wächst so über das Gottesdienstliche des Passahtages hinaus und wird zu einem eigenartigen Versuch, Kenntnisse über Judentum und jüdische Frömmigkeit zu vermitteln. Ein soeben erschienener Prospekt zeigt, daß es sich um einen bibliophilen Druck von charakteristischem Gepräge handelt, der neben dem Neuartigen des Inhalts eine hervorragende Leistung der Typographie erwarten läßt. Eine im Handel noch nicht vorhandene sakrale Koch- Schrift ist zum Druck verwandt worden; den Gesängen sind Noten in einer bislang unbekannten Kochschen Notenschrift beigegeben. Zehn handkolorierle Holzschnitte werden in der Haggadah enthalten sein. Einer davon ist dem Prospekt beigefügt, Rabbi Akiba und seine Gäste in Bne-Brack. Der Künstler hat die Gesichtszüge der Rabbis und der Schüler sämtlich einander angeähnelt, um zum Ausdruck zu bringen, wie sehr sie von einem Geiste beseelt sind. Der Zweifarbendruck, rot und schwarz, belebt das Satzbild. Von dem Werke werden 300 Exemplare hergestellt, es wird in der Vorbestellung 35 Mk. kosten. M. 625

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