Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 570

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1927-02-01
Page
570 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2895450-2895459-2895466-2897485--01591-2897569
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

B.Jacob Offenheit erzählt wird Und von mütterlicher Seite stammte David direkt von eben diesem Moab her. Denn seine Stammutter war die Moabiterin Ruth. Ferner waren Moabiter und Ammoniter zwar immer Feinde der Israeliten, aber gerade dieser Vorwurf ihrer Herkunft wird ihnen niemals gemacht. Da wo die Heirat mit ihnen verboten wird, wird als Grund nicht dies, sondern ihr feindseliges Verhalten beim Auszug aus Ägypten angegeben. Was hingegen die Töchter tun, gereicht ihnen nach dem Sinn des Erzählers zum Ruhme. Sie handeln nicht aus Wollast, sondern um das Geschlecht zu erhalten. Vor diesem hohen Zwecke lassen sie alle Bedenken schweigen. Ihre Tat zeugt von einem grandiosen, wenn auch erschreckenden Heroismus; sie wollen unter allen Umständen ihre Bestimmung. erfüllen und geben sich dafür zum Opfer hin. Dies ist auch immer die Meinung grade der jüdischen Erklärer gewesen. Wir haben hier einmal Gelegenheit zu zeigen, wie durch das richtige Verständnis eines einzigen noch nicht erkannten Wortes, ja sogar eines Buchstabens, eine ganze Erzählung ein völlig verändertes Gesicht erhält Der andeutende Ausdruck für die Beiwohnung ist der Regel nach „bo ei", dL h. kommen zu jemandem. Nur ein Mal findet sich dafür „bo al", kommen über jemanden, das gewöhnlich ein rücksichtsloses Vorgehen bezeichnet: bei der Schwagerehe. Die Ehe mit des Bruders Weib ist sonst Inzest. Wenn es aber als Witwe ohne Sohn zurückgeblieben ist, dann wird gerade diese Ehe zu einer Liebespflicht, und der überlebende Bruder soll das durch Sitte und Gesetz erzeugte und tief eingewurzelte physische Widerstreben heroisch überwinden, um zu verhüten, daß der Name des Verstorbenen erlösche. Nur noch einmal wird der abweichende Ausdruck gebraucht, nämlich — hier von den Töchtern Lots. Also muß es die Absicht gewesen sein, einen verwandten Gedanken wiederzugeben. Sie waren, und deshalb wird dies mitgeteilt, verheiratet oder verlobt gewesen, ihre Männer, die die Warnung in den Wind geschlagen und sich nicht gerettet hatten, waren umgekommen, desgleichen die ganze etwaige Verwandtschaft („irgend ein Mann, über uns zu kommen — bo al —, wie es allgemein üblich ist, ist nicht im Lande"). Der einzige Überlebende ist der Vater, und da sie seiner nicht sicher sind, greifen sie, um Namen und Geschlechter ihrer Verlobten zu erhallen, zur List, wie Thamar gegenüber ihrem Schwiegervater. Zudem wissen wir, daß bei anderen semitischen Völkern für den Bruder auch andere Verwandte eintreten konnten. Die ergreifendste Tragödie des klassischen Altertums ist das Trauerspiel 570

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.