Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 528

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
[Rezension]
Date
1926-12-01
Page
528 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2895450-2895459-2895465-2897319--01525-2897465
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Besprechungen. einander nähern und durchdringen, der Davidsschild sich bildet, „ein reiches, nach allen Seiten gerichtetes Bild mit unerwartet vielen neuen Querschnitten und Begebenheiten .... ein schöner Stern. Und wenn wir ihn genau besehen, sind doch die beiden alten Dreiecke noch unversehrt da", das aufwärtsstrebende, fest auf der Erde gegründete des Weibes und das dem Himmel entgegengespannte des Mannes. „So ist es auch wenn eine rechte Ehe Mann und Frau verbindet." Ich möchte fortfahren, so ist es auch, wenn Menschliches und Göttliches sich recht durchdringen, ohne eins im andern auszulöschen. Ein Zeichen aber kann ich mir nicht versagen, im Abbild darzubieten, damit der lesende Betrachter der Kraft nachfolge, die diese Züge zog: das alte nordische Dreihaupt. „Es ist ein Sinnbild göttlichen Waltens. Wenn man die Linie von der oberen Spitze in ihrem Verlauf verfolgt, so versteht man, was gemeint ist: Der zur Erde herabsteigende göttliche Wille waltet hin und her auf Erden und kehrt wieder zur Höhe zurück." Rudolf Hallo. Die Wiedergabe des Holzschnittes, der unter den guten Holzschnitten des Buches zu den besten gehört, gestattete freundlicherweise der Verlag. Bei den aus der Welle und dem Bogen entwickelten Zeichen ist Fritz Kredel die Bewältigung des widerstrebenden Holzstocks nicht durchweg gelungen. Das Buch kostet geh. 7-5o, geb. g.5o Mk. Franz Rosenzweig: Die Schrift und Luther. Verlag Lambert Schneider, Berlin 1926. Die kleine Schrift Franz Rosenzweigs ist ihrer Bedeutung nach über die polemische Absicht, der sie zuerst entsprungen sein mag, nicht weniger als über die Kleinheit ihres äußeren Formats hinausgewachsen. Ihr innerer Umfang ist dadurch bezeichnet, daß sie am Verhältnis Luthers zur Schrift und der Schrift zu Luther zugleich den persönlichen Rechenschaftsbericht des Übersetzers gibt. Sie ist also eine philologische Arbeit; aber auch über das Philologische im üblichen Sinne: im Sinne eines rein fachlichen, vom Ganzen abgetrennten Einzelwissens, eines toten gegenüber dem lebendigen Wissen, geht sie weit hinaus. Wenn man Philologie als lebendige Wissenschaft, als ein umfassendes Ganzes des Wissens, als Wissen vom Leben des Geistes selbst kennen lernen will, lese man dies kleine Werk, das in knapper, markiger Sprache auf fünfzig Seiten in der Entwicklungsgeschichte der Obersetzung die Geschichte der Menschensprache und damit des Menschengeistes selbst in seinem Verhältnis zum Ganzen des Lebens, in seinem Glaubensverhältnis also, umreißt. Alles Sprechen ist Obersetzen in das Verständnis eines anderen; alles Übersetzen ist Sprechen. Es ist darum nicht nur wie alles Wirkliche gebunden an Ort und Zeit, sondern darüber hinaus an zwei Orte und zwei Zeiten: die des Sprechenden und die des Hörenden, die bei der Übersetzung historischer Werke oft weit auseinanderliegen. Darum ist Übersetzen theoretisch unmöglich. Aber die Einsicht in die theoretische Unmöglichkeit wird so wenig wie irgend jemanden vom Sprechen, den Übersetzer vom Übersetzen abhalten; sie wird ihm nur in der Erfüllung seiner Aufgabe „den Mut der Bescheidenheit geben, die nicht das erkannte Unmögliche, sondern das aufgegebene Notwendige von sich selbst fordert". So wäre die Grundlage alles wahrhaften Übersetzens ein Trotzdem: das Trotzdem des Wagens, das der Einsicht in die Unmöglichkeit der Aufgabe die Einsicht in ihre Notwendigkeit entgegenstellt. Und damit wäre die Übersetzung — wie Rosenzweig es in ganz anderem Zusammenhange (für das Erlebnis des Wunders) ausgesprochen hat — aus einem Problem des Denkens eine Kraft des Herzens geworden. Nur die Kraft des Herzens — anders gesagt: der Glaube — kann angesichts der unübersteiglichen Schwierigkeiten das Unterfangen einer Übersetzung wirklich werden lassen. Wie sehr dies bei Luther der Fall ist, wie sehr bei ihm der Glaube bis ins einzelne hinein die Mittlerarbeit des Übersetzens bestimmt, wird zunächst überzeugend und an Hand seiner eigenen Äußerungen nachgewiesen. Nach seinem christlichen Glaubensverhältnis geschah 528

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.