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Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 526

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
[Rezension]
Date
1926-12-01
Page
526 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen. tung rühmen, die sich bei der Prüfung der zwei machtvollsten Gedankengebilde des neunzehnten Jahrhunderts offenbaren. Besonders wohltuend wirkt die vornehme Art, mit der Breysig im Unterschiede von Sombart und Mitscherlich eine Gestalt wie Marx behandelt. Seine Gegnerschaft verleitel ihn nicht dazu, in die landläufige Herabwürdigung einzustimmen. „Gerade die Gegner von Marx haben sehr verschiedene Gründe für die Einseitigkeil seines Ökonomismus angeführt: man hat auf Marx' jüdische Abstammung und die durch sie übermittelte Handels¬ und Händlergesinnung verwiesen — ein nicht eben durchschlagendes Argument vor allem deswegen, weil Marx auf väterlicher, wie erst recht auf mütterlicher Seite von im Geist wirkenden Vorvordern abstammt. Er selbst vollends war ein Mann, dessen Leben für ihn jedes erdenkliche Zeugnis in dem Sinne ablegt, daß ihm Erwerbsgier ganz ferne lag; er hat nicht einmal Erwerbssinn gehabt. Eine so lautere und leuchtende Gestalt mit Tadel dieses Ursprungs zu bewerfen, wird nicht gelingen." Und gegen den Versuch, den Haß, der aus dem Marxschen Werke spricht, als „altteslamentarisch jüdisch" zu bezeichnen, schreibt Breysig: „Ist denn die stärkste Botschaft vom Weltamt der Liebe, die im Neuen Testament, von anderen Menschen ausgegangen als von Juden?" Wobei noch zu sagen wäre, daß dieser angebliche Haß nichts weiter ist ab edler Zorn gegen die Schändlichkeit eines frühkapitalistischen Zuslandes, den ruhig hinzunehmen mehr Menschenhaß als Menschenliebe offenbaren würde. Das Werk von Breysig ist, hei aller Verschiedenheit des Gegenstandes, der im letzten Morgenheft besprochenen „West-Östlichen Myslik" von Rudolf Otto insofern verwandt, als beide Werke verheißungsvolle Bemühungen sind, die Erkenntnis von der Eigenmacht des Geistes wiederzugewinnen, eine Erkenntnis, die unter dem Antrieb dunkler Sachgewalten dem neunzehnten Jahrhundert verloren gegangen war. J. Goldstein. HansDriesch: Grundprobleme der Psychologie. Ihre Krise in der Gegenwart. Leipzig, Emanuel Reinicke 1926. In der großen Reihe der Driesch sehen Werke nimmt dieses Buch — und außer ihm eigentlich nur noch das bei F. Hirt 1924 erschienene über Metaphysik, wenn man von dem ganz andere Zwecke verfolgende Chinabuch absieht — eine Sonderstellung ein. Aus Vorlesungen in China, Japan und Amerika hervorgegangenen und bereits englisch erschienenen) (Princelun 1925), ist es für weite Kreise der Gebildelen bestimmt, nicht lediglich für Philosophen. Das hat eine bemerkenswerte Frische und Ursprünglichkeit zur Folge. Es verdient aber betont zu werden, daß hier nicht einfach eine Popularisierung strenger Forschung durch den Verfasser selbst vorliegt, sondern in mancher Hinsicht eine Vertiefung und Erweiterung seines rastlosen Denkens und eine sehr glückliche Pointierung. Auch die Fachmänner werden mit Gewinn das Buch lesen. — Drieschs Psychologie wird manchem Widerspruch begegnen, ist ihm bereits unter deutschen und englischen Rezensenten begegnet: Das liegt im Charakter seiner Lehre, hier mehr als in seinem eigentlichen philosophischen System .Vermutlich wird der Widerspruch sich ähnlich gestalten wie früher bei Bekanntgabe seines Vitalismus. Denn Drieschs Psychologie ist eine philosophische, ja man darf sagen, daß Lei allem Interesse des Autors für die speziellen Fragen der Disziplin, seine besondere- Liebe der phänomenologischen Verankerung, der logischen Klarstellung und der metaphysischen Ausdeutung gehört. Der logische Ort der Psychologie also fesselt ihn am stärksten. Deshalb hat er alle rein experimentellen Forscher zu Gegnern. Aber auch die Schöpfer der Gestaltstheorie (Wertheimer, Köhler usw.) und die „verstehenden" Psychologen (Spranger u. a.) werden in der Opposition sein. Ohne hier ins Einzelne zu gehen, sei der. straffe Aufbau des Werkes hervorgehoben, die Betonung, daß bereits in der Elemenlaricnlehre- Sinn und Bedeutung auftreten und daß Sinnanreicherung die steigende Komplikation der Phänomene kennzeichnet. Noch schärfer als früher wird der psychophysische (-mechanische) Parallelismus abgetan, die Reaktivität des Ich gelehrt usw. Das Kapitel über die Wahrnehmung zeigt, welche außerordentliche Schwierigkeit sie innerhalb der Drieschschen Lehre bereitet. Daß der gegenwärtige Präsident der Society for Psychical Research mit Meisterschaft über die Parapsychologie und verwandte Fragen spricht, versteht sich von selbst. Wichtiger aber ist die Ausbeute dieser Erörterungen für das Problem der seelischen Struktur, für ihr Verhältnis zum Ich, für Gedächtnis und Erinnerung, für die Frage der Bedeutung des Gehirns, die immer wieder wie ein Refrain auftaucht, ohne daß eine Lösung möglich ist. — Das 526

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