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Der Morgen · 1926-08-01 · Heft 3 (August 1926) · p. 316

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 3 (August 1926)
Article
[Rezension]
Date
1926-08-01
Page
316 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen Gebete sind in angemessener Zahl dem Texte eingefügt. Elf vortreffliche Reproduktionen älterer Bilder erhöhen den Wert des Buches, das bestimmt ist, Zweifel zu bannen und das religiöse Gefüge des jüdischen Elternhauses von neuem zu festigen. Möge das Buch, das einem dringenden Bedürfnis der Gegenwart entspricht, recht viele Leser finden! J. G. Ferd. Tönnies: Soziologische Studien und Kritiken. 2 Bände. "Verlag von Gustav Fischer, Jena 1925 und 1926. 831 Seiten zusammen. Die soziologische Forschung der letzten Jahrzehnte ist zu einem wesentlichen Teile mitbestimmt durch die Arbeiten von Ferdinand Tönnies; nicht nur durch seine großen Werke, wie »Gemeinschaft und Gesellschaft', sondern auch durch eine Fülle von Studien und Kritiken, die den neu aufkommenden Problemen mit förderndem Worte Wege der Lösung gewiesen haben. Diese Wege wandern wir noch einmal, wenn wir uns in die hier vereinigten »Soziologische Studien und Kritiken' vertiefen. Sie waren bisher verstreut und schwer zugänglich. Daß sie jetzt gesammelt in zwei handlichen Bänden vorliegen, bereichert unsere an wirklich wertvollen Arbeiten nicht überreiche deutsche soziologische Literatur. Ein Namens- und Sachregister ermöglicht einen leichteren Zutritt zu den vielen Einzelfragen, die der Meister der deutschen Soziologie mit der ihm eigenen wissenschaftlichen Besonnenheit behandelt. J. G. 1. Haidane, J.B.S., Daedalus. 2. Busseil, Bertrand, Ikarus. 3. Schiller, F.CS, Tantalus aus der Bücherei „Heute und Morgen" Drei Masken-Verlag, München 1925 und 1926. Die im Jahre 1750 von Jean-Jacques Rousseau im negativen Sinne beantwortete Preisfrage der Akademie von Dijon: Si le retablissement des sciences et des arts a contribue ä epurer les moeurs, — hat seitdem an Aktualität kaum eingebüßt; heute zwingt uns nicht nur geschichtliches und politisches Geschehen, sondern auch die geistige Situation zu ernster Behandlung dieser Frage. Die drei obgenannten Büchlein sind ihr gewidmet, ohne auf Rousseau unmittelbar Bezug zu nehmen. Haidane, der Biochemiker mit weitausgreifenden Interessen und beschwingter Phantasie, gibt sich hoffnungsvoll der Erwartung hin, daß die Entwicklung der exakten Wissenschaften, vor allem der Biologie, unserer Kultur ganz neue Kräfte zuführen wird. Er ist davon überzeugt, daß wir von den bisher aus den Kohlenlagern stammenden Energiequellen uns immer mehr emanzipieren (z. B. durch ein großes System metallener Windmühlen, die Dynamomaschinen in Betrieb setzen und hochgespannten Strom erzeugen werden, dessen Uberschuß nötigenfalls in geeigneter Weise ausgenützt und zurückgewonnen werden kann). In der Biologie erhofft er eine entscheidende Wendung und Verbesserung der Auslese durch die einmal zur Tatsache werdende ektogenetische Zeugung und die Verlängerung der weiblichen Jugend. Die Wissenschaft wird ungeheure soziale Konflikte herbeiführen — so den Zusammenbruch der Agrarstaaten — sie wird auch die Ungerechtigkeit, Härte usw. steigern, aber eben damit wird sie diese Übel endgültig überwinden. Erst in der höchsten Anspannung der intellektuellen Kräfte, in der Verwirklichung aller Schrecken wird die „Leidenschaft der Vernunft" endgültig siegen, wie Daedalus in der griechischen Mythologie in höchster Not die Kunst des Fliegens erlernte. Diesem zukunftsfrohen Gemälde setzt der berühmte Philosoph und Mathematiker Russell ein hoffnungslos trauriges Bild entgegen. Er sieht in den Auswirkungen der physikalischen Kenntnisse und Nutzanwendungen die größten Gefahren, weil die dadurch bedingte Industrialisierung mit Notwendigkeit zu einem Obermaß an Organisation und Kampf der durch Organisation gefestigten Staaten gegeneinander führt. Selbst wenn unsere individuelle Leidenschaft und die aus ihr fließende Schädigung der Mitmenschen geringer geworden sein sollte, so ist das zugunsten der kollektiven Leidenschaft geschehen, deren Wirkungen viel verheerender geworden sind. Russells Anschauungen erhalten dadurch einen besonders düsteren Grundton, weil er aufs Tiefste von der Unzulänglichkeit der Staatsmänner überzeugt ist und deshalb selbst "dort keine Besserung erhofft, wo die Wissenschaft dazu die Möglichkeiten bietet. Sollte die Biologie Methoden einer aussichtsvollen Auslese finden und sie durch Unfruchtbarmachung minderwertiger und Bevorzugung wertvollster Elemente (z. B. dadurch daß ein Vater u. U. Ahnherr 316

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