Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1926-06-01 · Heft 2 (Juni 1926) · p. 212

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 2 (Juni 1926)
Article
[Nachricht]
Date
1926-06-01
Page
212 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2895450-2895459-2895462--01116-2896976
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Besprechungen Aber diese Abschließung erfolgte nicht aus nationalen, sondern aus religiösen Gründen. Die Mischehen mit Nichtjuden sind verpönt, nicht weil sie der Rasse, sondern weil sie der jüdischen Religion Schaden bringen. Bekanntlich ist auch die katholische Kirche aus religiösen Gründen eine sehr entschiedene Gegnerin der Mischehe. Durch diese verliert sie in Deutschland allein jährlich über zehntausend Anhänger. Wäre die nicht rein deutsche Abstammung der deutschen Juden schon ein Zeichen verwerflicher Internationalität, dann würde dieser Vorwurf auch die deutschen Fürstenhäuser, die Adelsgeschlechter, ja schließlich jede deutsche Familie treffen; denn wohl bei allen in Deutschland jetzt lebenden Menschen, auch bei den Völkischen, wird man, wenn man ihren Stammbaum die Jahrhunderte hinauf verfolgt, auf slawische, romanische oder semitische Blutmischungen stoßen. „Die sogenannten reinrassigen Menschen, sagt Helm in »Arier, Wilde und Juden« (S. 12), existieren nur mehr ab eine im Ausslerben begriffene zoologische Seltenheit/ — Das beste Kriterium für die Nationalität eines Menschen ist sein Wollen und sein Bewußtsein. Das sollten gerade wir Deutsche verstehen, die wir uns so schnell anderen Nationen assimilieren. Millionen Deutsche sind nach Amerika ausgewandert, hunderttausende Elsässer und Altdeutsche wohnen im jetzigen französischen Staatsgebiet. Sie fühlen sich als Amerikaner bzw. Franzosen trotz ihrer deutschen Abstammung und ihres deutschen Namens. Umgekehrt sind in Deutschland alte französische Geschlechter ansässig. Der Vater des deutschnationalen württembergischen Staatspräsidenten Bazille war französischer Hauptmann undhat i870gegenDeutschland gekämpft. Zahlreiche angesehene jüdische Familien saßen aber schon am Rhein, als es ein deutsches Reich und einen deutschen Staatsverband noch gar nicht gab, und von dort (nicht vom Osten her, wie fälschlich angenommenwird) haben sie sich über die deutschen Lande verbreitet. Sie sind Deutsche, weil sie in ihrer überwältigenden Mehrheit Deutsche sein wollen und sich als Söhne des gemeinsamen deutschen Vaterlandes fühlen. Und wenn sie trotz der Verfolgungen, Verfemungen, Zurücksetzungen und Kränkungen aller Art, die sie von ihren deutschen Mitbürgern seit Jahrhunderten erfahren, immer noch loyale Deutsche sind und sein wollen, so legen sie dadurch für ihr Deutschtum eine Probe ab, die die allermeisten ihrer Gegner auf die Dauer ganz gewiß nicht bestehen würden. Das sind die Hauptargumente, die Dr. Weil gegen die oft gehörte Behauptung einer deutschfeindlichen jüdischen Internationale ins Feld führt. Und man muß es ihm lassen: seine Argumentation ist logisch und zwingend. Dabei vereinigt er auf knapp 90 Seiten ein Material, das von einer erstaunlichen Belesenheit zeugt. Die Schrift hat ausgesprochen apologetischen Charakter und wird wegen ihrer rein sachlichen und vornehmen Art auch in christlichen Kreisen mit Interesse gelesen werden. Denjenigen, die sich auch auf jüdischer Seite über die jüdischen Probleme orientieren wollen, ist sie unentbehrlich. Carl Maria Kaufmann. Bei der Redaktion eingegangene Bücher Besprechung vorbehalten Wilhelm Bousset: Die Religion des Judentums im späthellenistischen Zeitalter. 3. verb. Auflage. Herausgeg. von Hugo Greßmann. (I. C. B. Mohr, Tübingen 1926.) 576 Seiten, i5 Mk. Jahrbuch für Soziologie, II. Band. (G. Braun, Karlsruhe 1926.) 483 Seiten, 16 Mk. Dr. H. Michelson: The Jew in early English Literature. (H. J. Paris, Amsterdam 1926.) 173 Seiten. Jahrbuch der J üdisch-Literar ischenGesellschaft, Sitz Frankfurt (Main). XVII. (J. Kaufmann, Frankfurt [Main] 1926.) 370 Seiten, i3 Mk. Druckfehlerberichtigung: Seite 132 lies „Mosesbudies*; nidit „Mosesbesudb.es". Herausgeber and SArlftleitung: Professor Dr. Julius Goldstein, Darmstadt, Bedcstr. 87. ✓ Verla«: PhiloTertag BerUa S.W. 68, Llndcnste. 13 HL ✓ Drude: Koetheidruck G. m. b. HL, Darmstadt, Bleicbsfr. 24. 212

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.