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Der Morgen · 1926-06-01 · Heft 2 (Juni 1926) · p. 211

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 2 (Juni 1926)
Article
[Rezension]
Date
1926-06-01
Page
211 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen ausschlaggebend ist, ihnen steht nur das gute Recht zur Seite. Und man muß es den deutschen Juden lassen, besonders denjenigen, die im „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" organisiert sind: den harten Kampf um ihr Recht und ihre Ehre führen sie tapfer, geschickt und in vornehmer Weise. Während der Antisemitismus älterer Zeit religiös orientiert war, geht der moderne mehr von politischen, sozialen oder nationalen Motiven aus. Der deutsche Antisemitismus unserer Tage läßt auch diese Motive fast ganz beiseite: er steht auf völkischem Standpunkt und bekämpft das Judentum als „Rasse", er ist rassenmäßig eingestellt, er richtet sich gegen die sog. „j ü - dische Internationale". Es wäre töricht, kulturwidrig und für die menschliche Gesellschaft geradezu verhängnisvoll, wollte man jeden internationalen Gedanken und jede internationale Betätigung bekämpfen. Wir sind in manchen Beziehungen auf das Ausland angewiesen, und so haben sich übernationale Verbände für religiöse, wirtschaftliche, wissenschaftliche, caritative usw. Zwecke gebildet, Verbände und Bestrebungen, an denen sich die Völkischen selbst eifrig beteiligen. Als verwerflieh und unerlaubt können selbstverständlich nur solche internationale Bestrebungen betrachtet werden, die nationale Interessen verletzen. In vorliegender Schrift unternimmt nun Dr. jur. Weil den Beweis, daß es eine jüdische Internationale in dem unerlaubten, für das Deutschtum irgendwie gefährlichen Sinne nicht gibt. Fünf Merkmale sind es, die den geistigen Inhalt des Menschen und seine Einordnung in den Umkreis der Mitwelt bestimmen: Religion, Sprache, Kultur, Abstammung, und als subjektives Moment: Wille und Bewußtsein. In religiöser Beziehung ist der Jude allerdings international, richtiger: übernational eingestellt. Und es kann gar nicht anders sein, weil geistige Bewegungen und seelische Vorgänge sich nicht durch Zollschranken abriegeln lassen. Diese internationale Tendenz ist sogar, wie der protestantische Pfarrer Franke (Berlin) bemerkt, noch viel stärker beim Neuen Testament als beim Alten. Am stärksten ist sie in der katholischen Weltkirche mit ihrer straffen Organisation, ihrem bindenden Dogma und ihrer päpstlichen Zentralgewalt — Dinge, die dem Judentum vollkommen fremd sind. — Auch die Sprache der Juden ist nicht international. Das Hebräische wird nur noch bei jüdischen Kulthandlungen benutzt, wie bei uns Katholiken das Lateinische, gesprochen wird es nirgends in der Welt. Die Muttersprache der deutschen Juden ist das Deutsche, wie die der französischen das Französische, die der englischen das Englische ist. Ja, wenn von einer jüdischen Sprache die Rede sein könnte, so käme höchstens die deutsche Sprache in Betracht, denn von den i5 Millionen Juden sprechen mein* als zehn Millionen, also mehr als zwei Drittel, das Deutsche als ihre Muttersprache. — Wie es keine jüdische Sprache gibt, so gibt es auch keine internationale jüdische Kultur. Der Jude des Warschauer Ghettos ist kulturell ebenso weit von jüdischen Aristokratengeschlechtern entfernt wie etwa der ostfriesische Bauer vom römischen Principe. Wohl muß anerkannt werden, daß Juden die Kultur in den Ländern, die sie bewohnen, gefördert haben, und man darf auch nicht vergessen, daß sie die Bibel, die die Grundlage aller wahren Kultur bleibt, der Menschheit gaben. „Drei Völker des Altertums sind es,, sagt Delbrück (Weltgesch. I, i33), von deren geistigem Dasein wir heute noch zehren, so sehr zehren, daß wir sagen können, sie seien ein Teil unseres geistigen Selbst, die Juden, die Griechen und die Römer", und Dr. Weil hat Recht, wenn er sagt, daß der Anteil der Juden am Werden der deutschen Kultur ein viel größerer ist, als es dem einen Prozent ihrer Bevölkerungszahl entsprechen würde. Aber es wäre lächerlich, zu behaupten, die deutschen Juden hätten ihre eigne übernationale, undeutsche jüdische Kultur. Die Kultur der deutschen Juden ist eben deutsche Kultur, wie z.B. die der englischen englische Kultur ist. — Aber die Abstammung, die Rasse der Juden, berechtigt nicht sie, von einer jüdischen Internationale zu sprechen? Was man jüdische Rasse nennt ist ein in zwei Jahrtausenden (von ca. iooo v. Chr. bis ca. iooo n. Chr.) entstandenes Gemisch babylonischer, ägyptischer, arabischer und indogermanischer Völker. Die Juden, von denen zur Zeit Christi nur etwa i1/2 Millionen in Palästina wohnten, während allein in Ägypten eine Million lebten, haben durch Mischehen und Übertritte immer wieder neues BJut der verschiedensten Nationen aufgenommen, wie das die Germanen, die Romanen, die Kelten usw. auch taten. Es gibt somit ebenso wenig eine rein jüdische Rasse, wie es etwa Völker rein germanischer oder rein romanischer Abstammung gibt. Erst seit 900—iooo Jahren ist der Blutkreis der Juden wesentlich nicht mehr durch Zufluß neuer Ströme erweitert worden. 211

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