Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1926)
- Article
- [Rezension] / Goldstein, Julius
- Date
- 1926-06-01
- Page
- 206 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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Besprechungen Max Weber: Ein Lebensbild von Marianne Weber. Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen 1926. 719 Seiten 24 ffi/l- Man erschrickt zuerst ein wenig vor dem Umfang dieses Buches — 719 großformatige Seiten 1 Aber man hat kaum begonnen zu lesen und man ist gefesselt. Man wird weitergetragen mit steigender Anteilnahme. Die oftmals dichterisch beschwingte Sprache, die Wohlbewegung der Sätze, der Glanz ungesucht hervorquellender Bilder erhöhen den Reiz der Lektüre. Person und Werk Max Webers stehen im gestaltenden Mittelpunkt, um den herum in weitgeführtem Kreise die Schicksale der Familienmitglieder und der Weggenossen sich gruppieren. Marianne Weber versteht mit wenigen Worten, zart und diskret, das Wesen dieser Menschen von innen her zu ergreifen und zu begreifen. Sie vermag aber auch den Kampf der Ideen, die Denkarbeit des Gelehrten fesselnd zu schildern und die Problematik der wissenschaftlichen Arbeit erhellend darzulegen. So ist dieses Buch nicht nur ein würdiges Denkmal für Max Weber, dessen vulkanische Natur sie, die Gattin, „mit dem schmerzlichen Scharfblick der Liebe" meisterhaft erfaßt hat; es ist auch ein Denkmal einer heute noch nicht ausgelebten Epoche. Wer in reiferem Mannesalter dieses Buch liest, der lebt noch einmal ein Stück seiner eignen Geistesgeschichte, dankbar der Impulse gedenkend, die Max Weber und seine Mitarbeiter dem eignen Leben gegeben haben. Indem die Verfasserin die innere Tragik im Dasein Max Webers erschließt, gelangt sie zu einem tieferen Verständnis seiner wissenschaftlichen Arbeit, deren meisterhafte Analyse ein nicht geringes Verdienst dieses Lebensbildes ausmacht. Neben dem Denker, dem Politiker, dem Lehrer kommt vor allem auch der Mensch in seinen Briefen zur Aussprache. Weber hat große Teile Europas und Amerikas bereist — er besaß die Kunst des Brief Schreibens: Köstliche Proben werden uns hier gegeben. In ihnen strömt der Reichtum dieser spröden und verschlossenen Natur ungehemmt aus, mit bildhaftem Worte die Eindrücke meisternd. Dem vorrevolutionären und. dem nachrevolutionären Politiker sind zwei aufschlußreiche Kapitel gewidmet. Nicht ohne Bitterkeit erlebt man noch einmal jenes schmähliche Versagen deutscher Parteigrößen, die es einer Persönlichkeit wie Max Weber unmöglich machten, an der Neugestaltung des Staates entscheidend Anteil zu nehmen. — — Es gibt nicht viele Bücher, die wie dieses bereichern, indem sie erfreuen und belehren, indem sie fesseln. Es gibt kaum eine bewegende Frage der Gegenwart, die hier nicht ein neues Licht empfängt, ein Licht, hervorbrechend aus dem sprühenden Lebenszentrum eines Mannes, der noch bis vor kurzem, Geist spendend, unter uns gewandelt ist. JuliusGoldstein. Romain Rolland: ,3 e e t h o v e n" — „Tolstoi"- „Michelangelo"".Herausgegeben von Wilhelm Herzog. Literarische Anstalt Rütten & Loening, Frankfurt (Main). Wer ist Romain Rolland? Wilhelm Herzog beantwortet diese von ihm selbst aufgeworfene Frage: ein großer, edler Mensch. Weniger Künstler als Mensch hohen Ranges. Ein Kämpfer. Voller Brüderlichkeit. Ein Jünger Tolstois. — Was Tolstoi für die Generation Frankreichs und Deutschlands von 1890, das wurde nicht weniger 1914—1918 in Deutschland Romain Rolland: Bekenner, Aufrüttler, Feind einer wahnwitzigen „Ordnung", die Stimme des Gewissens in Europa. — Seine glühende Seele 206