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Der Morgen · 1926-02-01 · Heft 6 (Februar 1926) · p. 714

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 6 (Februar 1926)
Article
[Nachricht]
Date
1926-02-01
Page
714 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen Mysterienreligion" und beleuchtet kritisch die neuerdings vorgetragene irrige Meinung über die Abhängigkeit des Judentums von den Geheimreligionen des Altertums. Insbesondere führt H. den Nachweis, daß unser Chanukkafest keineswegs, wie das Weihnachtsfest, auf eine alte Sonnenwendfeier zurückgeführt werden darf. Ferner enthält das Oktoberheft den ersten Teil einer Geschichte der Juden in Rumänien von dem bekannten Czernowitzer Historiker, Prof. Manfred Reifer. Das Dezemberheft enthält eine Übersicht über die neueste Mischnaforschung von Dr. Ch. Albeck in Wien, dessen Arbeiten über die Mischna starke Beachtung gefunden haben. Auch im neuen Jahre wird die Monatsschrift, wie wir hören, in jedem Heft solche Übersichten über die Fortschritte auf einem Teilgebiet der jüdischen Wissenschaft in gemeinverständlicher Form geben. Bemerkungen zur neuen Verdeutschung der Heiligen Schrif t.1) Eine- Übersetzung des Alten Testamentes in die deutsche Sprache greift tief in das Leben der Juden, in das deutsche Leben und in das Leben aller Menschen ein. Politisch, sozial, technisch mögen andere europäische Sprachen von größerer Bedeutung sein als die deutsche, die russische Sprache mag mit dem Ausdruck von vorher Wortlosen begonnen haben, das wir noch nicht übersehen können, Sprachen Ostasiens mögen da Worte besitzen, wo Europas Sprachen schweigen, seit langer Zeit und noch unabsehbar lang ist die deutsche Sprache Ausdrucksform für die ewigen Dinge. Was besser als in anderen Sprachen auf deutsch gesagt werden kann, greift stärker als alles Politische, Technische, Soziale und selbst Künstlerische in das Schicksal des Menschen ein, bestimmt seinen Wert, gibt ihm sein Ziel, schafft ihm Recht und Pflicht, verbindet ihn mit Gott, läßt Seelen verloren gehen oder die Ewigkeit gewinnen. Und für all das gibt es keinen mächtigeren Kraftquell als die Heilige Schrift. Wenn dem, dessen Wissen das Wissen unserer Zeit ist, auch nicht jedes Wort an sich von entscheidender Bedeutung ist, so gilt das doch in aller Klar- „Die Schrift" zu verdeutschen unternommen von Marlin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig. Die fünf Bücher der Weisung Erstes Buch Berlin, Verlag Lambert Schneider. heit der Vernunft von sehr, sehr vielen Worten und je tiefer man in dieses Buch eindringt, desto mehrWorte hören auf unwesentlich zu sein. Deshalb ist es eine große Sache, an den Urtext zu rühren und uns, der Ursprache nicht Mächligen, eine deutsche Übersetzung zu geben. Ob wir die Bibel als Heilige Schrift empfinden oder nicht, mehr als viele Altgläubige und Wahrheitsuchende ahnen, entscheiden einzelne Worte und Wortverbindungen unser Schicksal, unsere Zukunft. Doch ist ein Unterschied, in welchem Geiste eine Übersetzung unternommen wird. Will einer etwa die künstlerische Wirkung der biblischen Sprache vermitteln, so wird man einen solchen Versuch nicht allzu schwer nehmen dürfen. Für den Tag, meist auch für eine begrenzte Lesergruppe geschaffen, wird der Tag dieses Werk auch wieder in Vergessenheit verschwinden lassen. Eine streng wissenschaftliche Übersetzung wieder behauptet nichts, sondern stellt Lösungen schwieriger Fragen zur Diskussion als gekennzeichnete Stellen eines unendlichen Weges. Wichtig im vorher gemeintem Sinne ist nur die Tätigkeit solcher Ubersetzer, denen der Urtext Heilige Schrift ist, die vielleicht nicht einmal glauben, ihn in einer anderen Sprache vermitteln zu können, die aber mit ihrer Arbeit die Heilige Schrift und nichts anderes meinen. Daß das von Martin Buber gilt, ist den in deutscher Sprache Gebildeten allgemein bekannt, von Franz Rosenzweig weiß es der Kreis der Leser dieses Blattes, wissen es alle mit dem jüdischen Leben der Zeit Vertraute und es ist einem Kreise besonders klar, der mehr als die Theologen alten Stils das Recht hat, sich Verwalter dieser verjüngten Wissenschaft zu nennen. Beiden Männern legt das Vertrauen dieser großen Kreise besondere Pflichten auf. Die dazu Berufenen werden bald Wort für Wort das eben erschienene erste Buch Mosis nachgeprüft haben. Vielleicht finden sie unbezweifelbare Fehler, vielleicht nicht. Fehler, die auf Unwissenheit oder Leichtfertigkeit beruhen, werden sie wohl kaum finden. Ganz sicher aber wird sich die Nörgelfreude der Neunmalklugen auf diese Arbeit stürzen und Glück und Zufriedenheit finden, wenn sie all das Viele gefunden hat, das man bei jeder Übersetzung auch anders hätte sagen können. Mögen die, die mit mir der Ursprache unkundig, für eine verdeutschte Heilige Schrift aber aufnahmefähig und bereit, trotzdem nicht überall aufnahmewillige Leser dieses Buches geworden sind, nicht als Nörgler auf unsere Art 714

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