Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 621 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen spiel von Lazarus und Ratzenhof er. — Alfrede Niceforo-Neapel: Maßstäbe derUeberlegenheit und des Fortschritts einer Civilisation. — Harry E. Barnes-New-York: Anthropologie und Geschichtswissenschaft. — Hans Tietze-Wien: Die soziale Funktion der Kunst. — Robert Michels-Basel: Materialien zu einer Soziologie des Fremden. — F. Savorgnan-Modena: Das Aussterben der adeligen Geschlechter. — Robert Wilbrandt-Tübingen: Soziologie und Sozialpolilik. — Charles Gide- Paris: Fourier und die Lohnarbeit. — Christian Cornelissen-Paris: Die Lösungen des sozialen Problems und das Eindringen des Sozialismus. — G. L. Duprat-Genf: Soziale Tvpen oder soziale Klassen?. J. Goldstein. . Geschichte der Juden in Frankfurt a. M. (n5o—1824) von I. Kracauer. Herausgegeben vom Vorstand der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. Erster Band Frankfurt a. M. In Kommission bei J. Kauffmann Verlag 1925. Brosch. 10.— Mark, Gebd. i3.— Mark, in Halbldr. 16— Mark. Wir haben jetzt die Geschichte der Juden in Frankfurt a. M. Professor I. Kracauer, der vor wenigen Jahren verstorben ist, hat mit diesem Buche ein Meislerwerk geschaffen. Die schlichte, von sachlichem Geiste getragene Darstellung zwingt den Leser in ihren Bann — nirgends stört ein falsches Pathos, nirgends läßt sich Kracauer jene peinlichen Ueberschwengüchkeiten zuschulden kommen, die wir in der früheren Literatur über Gegenstände ähnlicher Art oft zu beklagen hatten. Aus dem weitschichtigen, kritisch gesichteten Tatsachenmaterial hat Kracauer das Bild der Geschichte der Frankfurter Juden geformt, das sich von dem Hintergründe der allgemeinen deutschci Geschichte trefflich abhebt. Wie sich hier die Schicksale verflechten, die Personen und die Ereignisse sich gegenseitig bestimmen, Zufall und Notwendigkeit ineinandergreifen und wie durch alle Wechselfälle erregenden Geschehens eine ihrem religiösen Geiste treu bleibende Gruppe immer wieder den Weg zu tapferer Selbstbehauptung und Selbslerhaltung findet — das weckt beim Leser jenen Enthusiasmus, der, nach Goethe, das Beste ist, was wir von der Geschichte haben. Der Wert des Buches wird noch dadurch erhöht, daß Kracauer oftmals auch das einmalige Geschehen soziologisch zu durchleuchten versteht. Man wird nicht seilen an das Wort gemahnt: Plus ca change, plus c'est la meme chose. Für die Soziologie der Judenfrage unsrer Tage bietet das Buch reiche Anregung. Niemand wird es aus der Hand legen, ohne im Innersten bereichert zu sein. Der erste Band, der bis jetzt vorliegt, schildert in neun Kapiteln die Zeit vom ersten Auftreten der Juden in Frankfurt um das Jahr n5o bis etwa 1623, also vom Zeitalter der Kreuzzüge bis zur Milte des 3o jährigen Krieges. Hoffentlich erscheint recht bald der zweite Band, von dem zu wünschen wäre, daß er in seiner Aufmachung nicht mehr die letzten Spuren der Inflationszeit verrät. J. Goldstein. 62t