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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 519

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
[Rezension] / Aster, Ernst von
Date
1925-10-01
Page
519 (sequence 1)
Language
German
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Besprechungen Karl Vorländer: Imm anuelKant. Der Mann und das Werk. 2 Bände. Verlag von Felix Meiner, Leipzig 1924. Vorländer, als Philosophiehistoriker und Kantforscher durch eine lange Reihe verdienstvoller Veröffentlichungen bekannt, hat mit dieser zweibändigen Kantbiographie, die, auf gründlichen Forschungen beruhend, allen Ansprüchen an wissenschaftliche Gediegenheil entspricht uns ein äußerst wertvolles Geschenk gemacht, für das wir ihm nur von Herzen dankbar sein können. Vom Hintergrund seiner anschaulich und mit sicherer historischer Kenntnis geschilderten Zeit hebt sich das Bild der Persönlichkeit Kants und seiner geistigen. Entwicklung ab. Mit der Entwicklung des Denkers verfolgen wir das Werden des Werkes — ohne daß Vorländer hier ia den Fehler verfiele, die Biographie zu einem Kommentar der Schriften Kants anschwellen zu lassen und damit das Hauptziel, den Menschen und den Denker uns nahe zu bringen, aus dem Auge zu verlieren. Jede Schrift wird in der Entstehung ihrer Gedankenwelt verfolgt und in das Leben an ihrer Stelle eingeordnet. Manchem alteingewurzelten Vorurteil geht die Biographie energisch zu Leibe: Kant war ganz gewiß kein „steifer und ängstlicher Pedant", er war kein weltfremder Grübler, der nur die vier Wände seines Studierzimmers kennt, er hatte sicher stärkere Kämpfe in sich durchzumachen, als die ihm eigene spröde Scheu, seine Gefühle zu äußern, erkennen läßt. Ein feines Charakterbild entwirft Vorländer von dem Mann, der schon in jungen Jahren sich nie von den Dingen und Verhältnissen treiben läßt, der sich auf dem Fundament fester Grundsätze seinen Charakter selbst schafft, wie nach seiner Lehre der menschliche Verstand die Natur erschafft, bedächtig und klug, ohne jede gewaltsame Pose, aber mit nie nachlassender zäher Konsequenz. Besonders sei noch auf die Kapitel „Kant als Politiker" und „Kants Religion" hingewiesen. Das erste ist ein wenig beachtetes Thema und nötigt uns Achtung ab vor dem klugen politischen Blick des alten Demokraten, der doch gleichzeitig von der Notwendigkeit starker Staatsgewalt überzeugt ist, das zweite hebt die kühle Stellung des Philosophen dem kirchlichen Christentum gegenüber stärker hervor, als es meist geschieht. Im Ganzen hat Vorländer nicht nur die bereits bekannten Quellen für sein Werk vollständig benutzt, sondern es hat ihm auch ungedrucktes Material, (Reisetagebuch von Ahegg) zur Verfügung gestanden. Erwähnt sei zum Schluß, daß, wie der Verfasser im Anhang mitteilt, nun auch die von dem Philosophen selbst behauptete schottische Abstammung seiner Familie urkundlich nachgewiesen ist. v. A s t e r. Jüdische Gedanken und Gedanken über Judentum. Ausgewählt und zusammengestellt von Dr. Jos. Hermann Hertz, Oberrabbiner des Britischen Reiches. Aus dem Englischen übersetzt von Rosalie Perles. 1924. Gustav Engel, Leipzig. Das Buch ist entstanden aus einer Sammlung, die der Oberrabbiner des Britischen Reiches während des Krieges für britischjüdische Matrosen und Soldaten bestimmt hatte, es ist nunmehr in erweiterter Form herausgegeben und gewidmet: „dem heiligen Andenken der .im Weltkriege gefallenen Söhne Israels". Obgleich im Kriege geschrieben, ist es frei von Haß, Feindschaft und Unduldsamkeit, einzig dem Gedanken geweiht, in jedem Leser die Überzeugung zu festigen von dem Wert und der Hoheit der jüdischen Überlieferung, der einzigartigen Stellung des Judentums und der Thora und von der verantwortungsvollen sittlichen und religiösen Verpflichtung jedes Juden. Es ist eine Anthologie, gibt sich schlicht als solche, verzichtet also auf den Anspruch, thematisch eine Gedankenfolge in Geschlossenheit und Systematik sich aufbauen zu lassen, und begnügt sich, die Besten und Reifsten zu Wort kommen zu lassen. Das hat den Vorzug, daß jeder, auch der Beschäftigte und von Arbeit Ermüdete es beliebig aufschlagen, bald da bald dort in ihm lesen und dabei Anregung, Belehrung und seelischen Schwung empfangen kann. Dabei ist das Ganze durchaus nicht zusammenhanglos, sondern verbunden durch die Leitidee, das Judentum in seinen verschiedenen Seiten zur Darstellung zu bringen, und so allmählich alle wichtigen religiösen und sittlichen Antriebe, die mit ihm verbunden sind, fruchtbar zu machen. Neben der Frömmigkeitswelt des Judentums, die in ihrem Selbstzeugnis zu Wort kommt, stehen die Stimmen der Nichtjuden über Juden und Judentum. Besonders wertvoll ist, daß das Buch auch in die Quellen einführt, indem es in guter Übertragung eine Reihe von Ge- 5X9

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