Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- [Rezension] / Paquet, Alfons
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 389 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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Besprechungen. Wilhelm Schäfer: Deutschland (Karl Rauch Verlag Dessau 1925.) 88 Seiten. Kart. 3,20 Mk., Leinen 4,8o Mk. „Ein Volk", sagt der Dichter in diesem kleinen, holzschnittmäßig kräftigen Buch, das reich an Erkenntnissen ist, „ein Volk und sein Land ist Natur. „Es ist stärker gewachsen als was der Tag ihm gibt oder nimmt." Auf diesen Ton des Trostes, der Mahnung und des Glaubens war der Vortrag gestellt, den Schäfer vor ein paar Jahren im Kölner Gürzenich über Deutschland und die Wesenszüge dieses Landes gehalten hat. Der Vortrag ist für die Jugend zu einem kleinen Buch umgeschrieben worden, dieses ist nun im Verlag von Karl Rauch in Dessau erschienen. Schäfer, der erfahrene Kenner deutscher Landschaften, Städte, Bauten, Kunstbewegungen und Geistesfahrten, spürt das menschlich Eigentümliche des deutschen Lebensbodens, er sieht die Mannigfaltigkeit des Bildes, das mitten in den Rahmen Europas eingespannt ist, in seiner Schicksalsbedeutung. Sie vor allem ist festzustellen, nicht so sehr zu loben, nicht so sehr zu beklagen. Dem, der mit Schäfer durch dieses „Deutschland" wandert, blüht der Garten der größeren Heimat sehr lebendig und ausdruckskräftig. Schäfer sieht durch den Schleier der alles vermischenden Erscheinungsformen des Alltags und des Augenblickslebens das Dauernde, Bestimmte. So gibt er von den Elementen her seine Darstellung der Stämme, die das Volk ausmachen, die Deutung ihrer Gegebenheiten, ihres Bauens und Wirkens, ihres Ausdrucks im heimatlich sprachlichen und im Menschengesicht. Heimatkunde, als Spezialvergnügen von wandernden Apothekern und Studienräten betrieben, ist ja auch zuweilen einer der fürchterlichen Wege zur Alleswisserei, zur rettungslosen Verengerung des Gesichtsfeldes und zu völkischen Einzigartigkeitsgefühlen. Rührend und lobenswert gewiß der Forschungseifer und die Wanderlust der zahllosen kleinen Heimatvereine, ob in Ostfriesland, in Oberhessen, Ostpreußen oder auf der Rauhen Alb. Aber das alles erhält doch erst Luft und inneren Sinn, wenn die Blätter sich aneinanderfügen und das Charakteristische, Originale, Wesenseigene, auch das Einmalige, in den Zusammenhängen geschaut wird. Wilhelm Schäfer hat sein Wissen um das ganze Deutschland und seine eigenwillige Liebe zu diesem Land in das kleine Buch gelegt. Dieses wunderreiche und nicht immer leicht zu verstehende Land zu lieben, mag es gute Gründe ebenso geben wie gar keine. Diesem Deutschland gilt je zuletzt auch eine einzige Grundlosigkeit des Gefühls, das alle Räume der Seele zwischen dem kindlichen Zuhausesein und der kritisch-männlichen Schwermut ausfüllt. Alfons Paquet. Selma Stern, Der preußische Staat und die Juden. Erster Teil. Die Zeit des Großen Kurfürsten und Friedrichs I. Erste Abteilung: Darstellung (i5g S-) Zweite Abteilung: Akten (546 Seiten). Berlin, G. A. Schwetschke . u. Sohn. 1925. (Veröffentlichung der Akademie für die Wissenschaft des Judentums.) Als Eugen Täubler, der ideenreiche und vorwärtsslrebende Organisator wissenschaftlicher Bestrebungen, die von Franz Rosenzweig und Hermann Cohen ausgehenden Anregungen in Programm und Tat verdichtete, da stellte er der Wissenschaft des Judentums, die er in unbefriedigender Situation sah, kurz und scharf die Aufgabe, „das Durchschnittsniveau der artverwandten Wissenschaften zu erreichen und auf 389