Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- [Rezension] / Goldstein, Julius
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 246 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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Anzeigea Ausgewählte Werke des Jeremias Gotthelf (Albert Bitius). Mit einer Einleitung, in vier Bänden herausgegeben von Johannes Mumbauer. 120 (XXVHI u. 1968 S.; 4 Tafeln). Freiburg i. Br. 1925, Herder- Geb. in Leinwand je 7 Mk.; dazu Geschenkkasten zum ganzen Werk. — Erster Band: Einleitung und Kleinere Erzählungen. (VHI u. 5io S.; 1 Tafel. Zweiter Band: Wie Uli der Knecht glücklich wird. Eine Gabe für Dienstboten und Meisterleute. (VHI u. 496 S-; 1 Tafel.) Dritter Band: Geld und Geist oder Die Versöhnung. (IV u. 5o8 S.; 1 Tafel.) Vierter Band: Käthi die Großmutter. (VTJI u. 454 S.; 1 Tafel.) Vor vielen Jahren kam mir durch einen Zufall der Roman „Geld und Geist" von Jeremias Gotthelf in die Hände. Der Eindruck ist mir bis heute unvergeßlich geblieben. Ich stand im Banne eines großen Dichters, dessen Namen ich bis dahin kaum gehört. Breit ausladend in der Schilderung urtümlicher Verhältnisse, versteht es Gotthelf, den Leser durch den Reichtum seiner Erfindungen, durch die dramatische Wucht der Geschehnisse, durch die Fülle kräftig gestalteter Menschen von Anbeginn an zu fesseln. Eine volkstümlich knorrige Sprache, die mit ihrer bildhaften Kraft noch den Reichtum des Dialektes spüren läßt, erhöht den künstlerischen Genuß. Man könnte Jeremias Gotthelf den Balzac der Schweiz nennen, wenn bei ihm nicht doch etwas Wesentliches hinzukäme, was dem Franzosen fehlt: Die Verklärung der Menschenwelt durch ein religiöses Ethos. Nun hat der Verlag Herder in vier schlicht und solide ausgestatteten Bänden eine Auswahl der Werke von Jeremias Gotthelf veranstaltet. Johannes Mumbauer hat in der Einleitung zum ersten Bande das Biographische und Literarhistorische anschaulich und sachkundig dargestellt. Der Preis von 7 Mark ist für die köstliche Gabe erstaunlich gering. G. Jacob Burkhardt: Die Kultur in Italien. i4- Auflage, (AlfredKröner, Leipzig) 52 g Seiten, Ganzleinen geb. Mk. 9, Ganzleder Mark 16. Ober die wissenschaftliche und literarische Bedeutung dieses Meisterwerkes besondere Bemerkungen zu machen, erübrigt sich. Es war ein glücklicher Gedanke des Verlages, die i4- Auflage in einer Dünn-Druckausgabe herauszugeben. Die literarischen Veränderungen dieser Ausgabe gegenüber den früheren sind von Prof. W. Götz-Leipzig vorgenommen worden. Im Vorwort heißt es darüber: „Die i3. Auflage dieses Werkes erschien als eine Wiederherstellung der Urausgabe Jakob Burckhardts, befreit von allen Erweiterungen und Veränderungen, die Ludwig Geiger von der 3. bis zur 12. Ausgabe in steigendem Maße vorgenommen hatte. Nach knapp 3 Jahren ist diese Urausgabe vergriffen. . . . Die neue Auflage erscheint nun auf Wunsch des Verlags in einer anderen handlichen Form: Sie ist für den Reisenden gedacht, der das Buch mit sich nach Italien nehmen will." — Der Verlag hat seine Aufgabe buchtechnisch trefflich gelöst. Format, Papier und Druck lassen nichts zu wünschen übrig. Ein Bild Jac. Burckhardts aus dem Jahre 1895 ist dem Buche beigefügt. G. Wilhelm Jerusalem: Gedanken und D e'n k e r. Gesammelte Aufsätze, neue Folge, mit 3 Bildern, Wien und Leipzig. Wilhelm Braumüller 1925. 280 Seiten. Zwei Jahre nach dem Tode von Wilhelm Jerusalem haben seine Söhne diesen Band als Vermächtnis ihres Vaters herausgegeben. Die wertvollen Aufsätze die hier im Nachdruck zusammengefaßt sind, behandeln alle jene Fragen, denen die Arbeit dieses Denkers gewidmet war: psychologische, logische, soziologische, pädagogische und allgemein-philosophische. Jerusalem besaß in hohem Maße die Fähigkeit, schwierige Fragen deutlich und klar zu behandeln, eine Fähigkeit, die der Lektüre dieser Aufsätze auch einen ästhetischen Reiz gibt. Den Vielen, die Jerusalem menschlich und wissenschaftlich nahestanden, wird die dem Bande beigefügte Autobiographie, „Meine Wege und Ziele" besonders ergiebig sein. In Abwandlung des Goetheschen Wortes kann man sagen: „Ein deutscher Privatdozent — ein deutscher Märtyrer", zumal wenn dieser Privatdozent Deutschtum und Judentum gleich innig liebt und umfaßt. Nach 29 Jahren erfolgreichster akademischer Lehrtätigkeit wurde er außerordentlicher Professor. Sapienti satl Zwei seiner Schriften haben weiteste Verbreitung gefunden: „Die Einleitung in die Philosophie" (sie ist 1923 in 10. Aufl. erschienen und ist das pädagogisch beste Buch für diese schwierige Materie) und „Die Auf- 246