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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 239

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Notizen
Date
1925-06-01
Page
239 (sequence 2)
Language
German
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Notizen wie dem Manne, der es allen recht machen will — and wie es dem ergeht, davon berichtet in Peter Hebels Schatzkästlein die beherzigenswerte Geschichte: Seltsamer Spazierritt Ein Mann reitet auf seinem Esel nach Haus und läßt seinen Buben zu Fuß neben herlaufen- Kommt ein Wanderer und sagt: das ist nicht recht, Vater, daß Ihr reitet und laßt Euern Sohn laufen; Ihr habt stärkere Glieder. Da stieg der Vater vom Esel herab und ließ den Sohn reiten. Kommt wieder ein Wandersmann und sagt: Das ist nicht recht, Bursche, daß du reitest und lassest deinen Vater zu Fuß gehen. Du hast jüngere Beine. Da saßen Beide auf und ritten eine Strecke. Kommt ein dritter Wandersmann und sagt: was ist das für ein Unverstand, zwei Kerle auf Einem schwachen Tiere? Sollte man nicht einen Stock nehmen und euch Beide hinab jagen? Da stiegen Beide ab und gingen selbdritt zu Fuß, rechts und links der Vater und Sohn, und in der Mitte der Esel. Kommt ein vierter Wandersmann und sagt: Ihr seid drei kuriose Gesellen. Ist's nicht genug, wenn Zwei zu Fuß gehen? Geht's nicht leichter, wenn Einer von Euch reitet? Da band der Vater dem Esel die vordem Beine zusammen, und der Sohn band ihm die hintern Beine zusammen, zogen einen starken Baumpfahl durch, der an der Straße stand, und trugen den Esel auf der Achsel heim So weit kann's kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen. Nicht wenige unserer Landsleute weilten in diesen Wochen in Italien. Ich sah bei vielen Goethes Italienische Reise — man hat nicht mit Unrecht gesagt, Italien sei eine Erfindung Goethes. Von den Unterhaltungen, in die ich dort hineingezogen wurde, ist mir eine lebhaft im Gedächtnis geblieben: Ein norddeutscher Akademiker gab mir zu verstehen, er habe die Geheimnisse der Weisen von Zion gelesen und einen starken Eindruck davon erhalten. Ich fragte ihn, ob er das Bändchen, das er gerade in der Hand hielt — es war Goethes „Italienische Reise" — schon gelesen habe. Er antwortete, er habe gerade damit begonnen. Ich erbat mir das Exemplar und las ihm aus dem Abschnitt, der „Foligno, 2 5. Oktober" überschrieben ist, das Gespräch vor, das Goethe mit einem gebildeten Italiener gehabt hat Es sei zum allgemeinen Besten hier wiedergegeben: 239

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